IdeaLab 2010, WHU, Otto Beisheim School of Management, Gründerkongress, Eventbericht, Nachbericht, Foto-Galerie

Dieses Wochenende war es wieder so weit: Zahlreiche Internetunternehmer pilgerten nach Vallendar (einen kleinen Ort drei Autominuten westlich des großen Abgrunds, wo die Welt aufhört), um am IdeaLab! 2010 von der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (kurz WHU) teilzunehmen.

Gute Speaker beim IdeaLab! 2010

An insgesamt zwei Tagen lockten Workshops und Vorträge an der WHU vor allem wieder Internet-Gründer an den Start, die das Event zum Netzwerken, Lernen und Praktikanten-Rekrutieren nutzen wollten. Den Auftakt machte in einer ersten Paneldiskussion Christian Vollmann, der von der WHU “mehr Gründer, weniger Manager” forderte und eine ansehnliche Präsentation zu den bisherigen Investments von Rocket Internet und unsubtile eDarling-Werbung bot.

In einer „Clone-Wars“-Podiumsdiskussion bot sich dem Publikum ein selbstgefälliger Neuhaus-Investmentmanager Thomas Preuß, ein gutmenschiger Burckhardt Bonello, ein leider farbloser Michael Brehm und ein „ich rechtfertige mich schon im Intro“-Florian Heinmann (Geschäftsführer Rocket Internet). Zu den Lichtblicken der ganzen Veranstaltung zählten Roberto Bonanzinga  von Balderton Capital, der mit viel Humor und einem interessanten Vortrag zu überzeugen wusste, und ein Klaus Hommels, dessen süffisante Art über Invests zu sprechen – Zitat: „The ecosystem for European VCs is fucked up“ – dank eines vertiablen Track-Records (Skype, Facebook, King.com, Xing und Spotify) zieht.

Auch Thomas Bachem, der einen soliden Vortrag zu „Wie spreche ich als Non-ITler mit ITlern“ hielt, und Jens Begemann, der zwar eine viel gesehene Präsentation raus zog, aber sehr sympathisch agierte, trafen den Gusto des Publikums. Im Gegensatz zur DailyDeal-Entourage aus BizDev-Praktikanten, die stellenweise den Eindruck erweckte, dringend neue Mitarbeiter werben zu wollen – womit sie allerdings beileibe nicht die einzigen wären. Internet Multi-Millionär Jan Henric Buettner beendete das Event in einer Abschlussrede mit Zitaten wie „Gründer sollten auch öfters mal bei den Eltern anrufen“ und wusste als interessant und sympathisch zu überzeugen.

Speaker-Schwund beim IdeaLab! – Was ist da los?

Es sorgte dennoch für einige Verwunderung, dass doch eine ganze Batterie guter Speaker absagte: Stefan Glänzer, Morten Lund, Martin Ott, Vapiano-Gründer Mark Korziliu und selbst Haupt-WHU-Praktikanten-Rekrutierer Oliver Samwer ließen das Event sausen. Und auch gästeseitig waren Power-Netzwerker wie Lukasz Gadowski oder Kolja Hebenstreit ebenso wenig am Start wie Alexander Hüsing von Deutsche Startups (www.deutsche-startups.de) oder Gründerszene, das nur in Minimalbesetzung antrat. Ist das IdeaLab! so unattraktiv geworden oder waren das alles zusammenfallende Zufälle? Organisationsseitig wusste das Event an und für sich zu überzeugen und es gelang dem Studenten-Team der WHU schnell guten Ersatz zu finden.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, der als einer der wichtigsten Gäste vorgesehen wurde, war es offensichtlich wichtiger, einen Preis von GQ als “Man of the Year” im Bereich Wirtschaft entgegenzunehmen, als angehende Unternehmer zu bestärken. Vertretungsweise sprach Staatssekretär Hans-Joachim Otto, was jedoch nicht wirklich überzeugte – die Nation fragt sich: Wenn KT Guttenberg Wirtschaftsminister geworden wäre, hätte er lieber den Weg zum IdeaLab! gesucht…?

Fazit vom IdeaLab!

Das Fazit des IdeaLabs! 2010 fällt schlicht aus: Es ist gut da gewesen zu sein, aber diejenigen, die es nicht schafften, haben auch nichts Aufregendes verpasst. Grundsätzlich sind Veranstaltung wie das IdeaLab! leider häufig weder Fisch noch Fleisch: Entweder man macht ein reines Recruitingevent – ohne zu viele Redner, mit mehr Networking – oder einen Fachkongress (wozu es dann keine Universität braucht). Der Networkingpart ist dabei stets der wichtigste, aber gutes Networking gelingt nur bei begrenzter Teilnehmerzahl und gleichzeitig hat die WHU eine ungünstige Location, weil der Standort ewig weit weg (besonders für Berliner Internetunternehmer) und alles auf dem Campus verteilt ist.

Trotz Ausfall nahezu aller angekündigten Redner waren viele der Vorträge viel versprechend, andere weniger. Die Organisation des IdeaLabs! 2010 wusste sehr zu überzeugen, auch jenseits der schmucken Selbstpräsentation einiger WHU-Snobs. Insgesamt ein durchaus lohnendes Event, das etwas zentraler und mit weniger Absagen noch besser sein könnte.

Für ein paar Gründerszene-Fotos sorgte Sian-Ru Lai vom Fotoretusche-StartUp Glamya.