Vallendar am Freitagmorgen – Geschäftiges Treiben am Burgplatz vor der WHU- Otto Beisheim School of Management, dem Veranstalter des 11. Gründerkongresses „IdeaLab!2011.“ Ein mit Rotstift bewaffneter Oliver Samwer und die Top-Story der DailyDeal-Brüder gehörten zu den Highlights des diesjährigens Events. Gründerszene fasst das Event in einer Übersicht zusammen.

IdeaLab!: Playground für Pioneers

Grün und Lila – Der Corporate-Look war bis ins kleinste Detail perfekt eingehalten. Teppich, Banner, Stifte, Kaffeebecher erstrahlten in den IdeaLab-Farben und das gesamte Orga-Team betrat mit lila Kapuzenjacken die Bühne – ein gelungener Einstieg in ein sorgfältig geplantes Event voller Höhepunkte.

„Playground für Pioneers“ war das diesjährige Motto des IdeaLab! und brachte gründungsinteressierte Studierende mit erfolgreichen Gründern, Akademikern, Investoren und Business-Angels der deutschen Gründerszene zusammen. Seit langem schon ist der Kongress für Internetgründungen auch eine Plattform, die zum Austausch und Zusammenfinden von Gründerteams anregen soll. Es wurde auch dieses Jahr wieder deutlich, dass das IdeaLab! zu einer ernst genommenen Veranstaltung in der Gründerszene zählt und eine illustre Runde des Schlachtfelds im War-for-Talents versinnbildlicht.

Den Teilnehmern wurde an zwei Tagen ein buntes Programm geboten: Workshops, Panels, Speed-Datings und vor allem Spitzen-Redner wie Rocket-Guru Oliver Samwer, die frischgebackenen Millionäre Fabian und Ferry Heilemann, Springstar-Initiator Klaus Hommels, 9flats– und Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher oder auch Skype-Investor Morten Lund.

Die Rede von Oliver Samwer: „Wir sind geboren im Goldzeitalter“

Ein Flipchart stand da. Mehr nicht. Viele rechneten erneut mit einer kurzfristigen Absage des Alando– und Jamba-Gründers. Dann stand Oliver Samwer schon auf der Bühne und philosophierte über den Gründergeist der heutigen Zeit. Jetzt sei die Zeit zu gründen, nicht morgen! Seine Rede war mit viel Energie und Dramaturgie geladen: „Wir sind geboren im Goldzeitalter! Oder im Schlaraffenland für Unternehmer. Du bist hier geboren, jetzt musst Du entscheiden!“

Wild kritzelnd flog der rote Stift über das Papier und malte eine Grafik nach der nächsten. Es ging um Mut und Durchhaltevermögen. Jeder sei mit Rocket Internet (www.rocket-internet.de) in der Lage, selbst bestens betreuter Gründer zu werden. Mit viel Einsatz erklärte Oliver Samwer, wie dankbar er auch heute noch über seinen damaligen Schritt sei, mit seinen beiden Brüdern Alexander Samwer und Marc Samwer Alando, das später in Millionenhöhe an eBay verkauft wurde, gegründet zu haben: „Die wollten investieren!“.

So kritisch der Nachklang und die Meinung über Copycats auch sein mag; die Rede überzeugte trotz pathetischer Färbung mit totaler Passion, Motivation und vielen gehypten Studenten, die Oliver Samwers Message gleich umsetzen wollten: „Wir bauen keine Ruderboote, wir bauen Flugzeugträger. Oder zumindest Zerstörer.“ Welche Seiten Oliver Samwer hinter den Kulissen des IdeaLabs! später noch offenbarte, ist auf der Seite von TechCrunch Europe zu lesen.

DailyDeals Erfolgsstory: „Lieber 24/7 als 08/15“

Schon fast stolz betraten am Nachmittag Fabian und Ferry Heilemann die Bühne. Die beiden wirkten entspannt und beschrieben den Weg von DailyDeal (www.dailydeal.de) bishin zum dreistelligen Millionenverkauf an Google, mit dem sie vor kurzem Schlagzeilen machten.


Sie erklärten unter anderem, wie die erste Krise im Februar 2011 gemanagt wurde. Nach dem erfolgreichen Weihnachtsgeschäft brachen zum ersten Mal die Umsatzzahlen ein. Das Konzept sei nicht ausreichend CPO-basiert geplant worden. Nach einigen Krisensitzungen, gab es für die Brüder nur einen Weg: „Lieber 24/7 als 08/15“ stand auf einer Postkarte in einem Restaurant, welche der Startschuss für das so genannte „Projekt 60“ symbolisierte.

Daily Deal änderte die Richtung, erschuf wöchentlich zahlreiche neue Meetings, verlangte „200 Prozent Einsatz von jedem im Team“ und erkannte folgendes Grundproblem – Kunden langfristig an ihren Newsletter zu binden. Das Ende ist jedem bekannt: ein Exit in Millionenhöhe, der in die Geschichte der deutschen Gründerszene einging.

Pitcher, Panels und Party

Die zahlreichen VC-Präsentationen wurden durch spannende fünf-Minuten Pitches und mehrere Panel-Runden (unter anderem zum neuen Startup-Hotspot Berlin, zur Bedeutung von „mobile“ und Social-Media – letzteres nachzulesen auf der IdeaLab!-Seite) aufgelockert. Und die Gründer gaben alles, um das Publikum zu begeistern – da wurde sogar live Blut auf der Bühne abgenommen. Hier eine kleine Auflistung der mutigen Gründer, die vor den ca. 200 anwesenden Zuschauern und Kolja Hebenstreit, Florian Heinemann und Stefan Glänzer ihr Startup pitchten:

  • Lokal.de (www.lokal.de): Plattform, die lokale Inhalte aggregiert.
  • ClubFamily (www.clubfamily.de): Reiseplattform mit Fokus auf Familien.
  • Telemedizin: Low-Cost-Diagnostic-Tests, die mit dem Smartphone durchgeführt werden.
  • Motosino (www.motosino.de): internetgestützte, deutschlandweite Zulassung eines Kraftfahrzeugs.
  • Tamyca (www.tamyca.de): Plattform für privates Carsharing.

Viele gründungsinteressierte Studierende, Jungunternehmer, neue und alte Investoren erlebten ein Wochenende voller innovativer Ideen und angeregtem Austausch mit zahlreichen Mini-Pizzen, Drei-Gänge-Menüs, Popcorn und Energy Drinks.

Zu guter Letzt will sich das Gründerszene-Team nochmals bei den Organisatoren vor Ort für den reibungslosen Ablauf des IdeaLabs! bedanken. Dass dieses Event nur von freiwilligen und ehrenamtlich arbeitenden Studierenden organisiert wurde, merkte man nur in seltenen Fällen. Von der angenehmen Pressebetreuung, über einen Volkswagen-Shuttle-Service bishin zur Schwarze-Dose-Networking-Lounge: Eine durch und durch gelungene Veranstaltung, die auch 2012 wohl wieder mit zu einer der bedeutendsten Gründungsveranstaltungen des Jahres gehören wird. Und das beste kommt zum Schluss – Die IdeaLab!2011-Party-Bilder:

Wir danken Sian-Ru Lai von glamya (www.glamya.com) für die tollen Fotos des IdeaLabs! 2011.