Das Gebäude am Strausberger Platz in Berlin

Der Norweger Einar Skjerven schwärmt von dem Berliner Immobilienmarkt, schon vor mehreren Jahren ist er extra in die deutsche Hauptstadt gezogen. „Nirgendwo auf der Welt sind die Wohnungen in einer modernen Metropole so günstig zu haben“, sagte der Unternehmer im vergangenen Jahr in einem Interview. Wohnungen im Wert von 60 Millionen Euro hat er nach eigenen Angaben 2014 verkauft. Und ist überzeugt, dass der Trend weitergeht. „Nirgendwo in Europa gibt es so viele Gründungen von jungen Unternehmen“, da ist er sich sicher.

Michael Stephan

Schon heute vertreibt der Unternehmer seine Immobilien auf ungewöhnlichen Wegen: 40 Prozent seiner Eigentumswohnungen würden über Facebook-Anzeigen ihren Käufer finden, schrieb die Welt. Skjerven geht nun einen Schritt weiter – und will auch die Investorenseite über das Netz finden. Dafür ist der Norweger mit seiner Beteiligungsgesellschaft im vergangenen Jahr bei der Plattform iFunded eingestiegen.

Das Startup sammelt das Geld für die Immobilienprojekte bei der Crowd ein. Aktuell steht ein erstes Projekt zur Verfügung. Ein Gebäude am Straußberger Platz soll aufgehübscht werden. Dafür sucht die Plattform eine Million Euro von der Crowd, im Gegenzug bekommen sie fünf Prozent Zinsen pro Jahr.

Warten auf den Durchbruch

Bislang wartet das sogenannte PropTech in Deutschland noch auf den großen Durchbruch. Mehrere Crowdinvesting-Plattformen suchen schon länger im Netz nach Investoren. Sie heißen Bergfürst und Zinsland. Auch Rocket Internet glaubt an das Thema – und hat sich an BrickVest beteiligt. Dort startet gerade die ersten Projekten. Im Gegensatz zum US-Markt sind alle angebotenen Projekte allerdings noch überschaubar. Ein einzelnen Player in den USA teilte mit, dass er in etwa einem Jahr 100 Millionen Dollar eingesammelt habe.

Diese Entwicklung hat auch Michael Stephan von Deutschland aus beobachtet. Er war bei Holtzbrinck Ventures und hat bereits mehrere Plattformen mit aufgebaut – mit dieser Erfahrung schaute er sich im vergangenen Jahr nach etwas Neuem um. „Ich habe einfach gemerkt: Der Markt in Deutschland für Immobilienprojekte entwickelt sich in großen Schritten“, sagt Stephan im Gespräch mit Gründerszene. Und digitale Plattformen wie iFunded würden Anlegern ermöglichen daran teilzuhaben.

Das Risiko klein halten

Bei den Schwierigkeiten des Modells beruft sich der Gründer auf die Expertise des Investors: Das Immobilienunternehmen des Anteilseigner, die Skjerven Group, sorge für die Qualität der Projekte. Zum Start hätten sie sich extra eine sogenannte Bestandsimmobilie ausgesucht. „Bei Neubauten ist das Risiko viel größer, etwa wenn die Baugenehmigung fehlt oder es zu einer Verzögerung der Fertigstellung kommt“, sagt der Gründer. Im schlimmsten Fall würde die Objektgesellschaft pleite gehen. In dem Gebäude am Strausberger Platz seien ein Großteil der Wohnungen vermietet – und so würde es laufende Einnahmen geben.

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Gerade die Risikoeinschätzung ist ein wichtiger Punkt bei den Immobilien-Plattformen. Und die Crowd erwirbt sogenannte Nachrangdarlehen, bei dem im Fall einer Insolvenz immer erst die Fremdkapitalgeber bedient werden und erst danach die Crowd. „Es sollte daher nur Geld investiert werden, auf das im Ernstfall auch verzichtet werden kann“, rät der Gründer. Er will seinen Investoren genau darlegen, wie die Details aussehen. Das Unternehmen orientiere sich dabei an den gesetzlichen Vorgaben, die bei einem offiziellen Prospekt erfüllt werden müssen.

Über Social Media bekannter werden

Zielgruppe für iFunded seien Kleinanleger – schon ab 250 Euro kann man sich beteiligen. Aber auch Family Offices oder andere größere Anleger will Gründer Stephan auf die Plattform holen. Fünf bis sechs neue Projekte könnten noch in diesem Jahr folgen.

Doch wie lässt sich die Plattform bekannt machen? Der iFunded-Gründer setzt dabei auf die Reichweite des Investors. Investor Skjerven soll auf sein Netzwerk in den sozialen Netzwerken zurückgreifen.

Bild: iFunded