Werden Umschulungen und Entlassungen durch die Folgen der Digitalisierung bald unumgänglich sein? Zu diesem Schluss kommt Chistian Illek im Gespräch mit dem Handelsblatt. Illek, ehemaliger Microsoft-Deutschland-Chef, ist seit kurzem Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Deutschen Telekom – und hat die schwere Aufgabe, den langsamen Konzern zu beschleunigen.

Durch den digitalen Wandel würde flexibles Arbeiten, wie Home Office, zur Regel, so Illek. Dadurch müssten neue Kommunikationswege geschaffen werden, da spontane Interaktionen im Büro nicht mehr die Regel seien.

„Es braucht eine Rückkopplung, positiv wie negativ. Wenn es die nicht gibt, werden die Mitarbeiter unzufriedener“, stellt Illek im Gespräch fest. Im Kern sei die Flexibilisierung der Arbeit aber ein Geschenk an die Mitarbeiter, so der Personalvorstand.

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Lernprozesse seien für diese neuen Kommunikationsformen nötig. „Die Mitarbeiter werden zum Teil völlig andere Qualifikationen brauchen, um in der neuen Welt zu bestehen“, sagt Illek. Aber auch Führungskräfte seien davon betroffen, denn flexibles Arbeiten habe einen Kontrollverlust zur Folge – das glaubt die Mehrheit der deutschen Arbeitgeber. Die Lösung des Telekom-Personalers: eine Leadership-Akademie, durch die sich Führungskräfte mit diesem Thema auseinandersetzen müssten.

Aber nicht nur die neue Kommunikation muss erlernt werden, auch Qualifikationen in Bezug auf neue Geschäftsmodelle und Techniken seien notwendig. Illek geht davon aus, dass in diesem Prozess Mitarbeiter auf der Strecke bleiben werden. „Es gibt Mitarbeiter bei uns, die möchten nicht noch einmal etwas ganz Neues lernen. Das ist in Ordnung, wir müssen das respektieren und sehen, wie wir uns dann fair trennen.“

Um welche Mitarbeiter es sich dabei handeln werde, ist noch nicht entschieden. Illek setzt dafür unter anderem auf eine Personaldatenbank, die die Qualifikationen aller Telekom-Mitarbeiter erfasst. Grundsätzlich macht Illek im Interview deutlich: „Wir brauchen weniger Mitarbeiter.“

Dass es bei der Telekom Verbesserungsbedarf bei der Umsetzung von neuen Arbeitsmodellen gibt, gesteht Illek ein. Gerade die Entscheidungsgeschwindigkeit und Umsetzungstreue seien in einem Konzern wie der Telekom nicht die besten.

Bild: Getty / Daniel Ingold

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