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Sascha Thattil von Yuhiro

Indien mit Draht zum Valley

Sascha Thattil glaubt an Europa, auch wenn es viele seiner indischen Landsleute nicht tun. Sein Programmier-Startup Yuhiro (www.yuhiro.de) stellt deutschen Auftraggebern indisches Entwickler-Know-how zur Verfügung. Die dortige Tech- und Startupszene wächst – auch weil sie einen direkten Draht zum Silicon Valley hat: Dort ist laut Studie jeder sechste bis siebente Unternehmer indischer Herkunft. Die USA glauben an Indien als Tech-Standort, sagt Thattil, im deutschsprachigen Raum gebe es – gerade bezüglich Outsourcing – allerdings viele Vorurteile.

Sascha Thattil verbrachte seine Kindheit in Deutschland, war von 1997 bis 2002 in Indien und kam danach zum Studium zurück nach Deutschland. In der Zeit nutzte er seine indischen Kontakte zu Webdesignern, um erste Webseitenaufträge zu realisieren. „Richtig eingestiegen bin ich dann 2012, als auch mehr Einträge reingekommen sind und wir etablierter waren“, erinnert sich Thattil, der mit seinem Unternehmen mittlerweile wieder in Kerala, Indien sitzt. Sein Startup bietet Mobile Apps, PHP-Programmierung, Online-Shops und Portale für Gründer und Agenturen in Deutschland.

Startup-Indien im Aufwind

Der Hauptgrund, warum Unternehmen nach Indien outsourcen, liegt auf der Hand: es spart Kosten. Laut Thattil arbeite sein Startup derzeit zum Beispiel an einer Kennenlern-App, die in Deutschland 60.000 Euro kosten würde und dank indischen Outsourcings bereits zu einem drittel des Preises angeboten werden kann.

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Darüber hinaus entwickelt sich das Land nicht erst seit gestern zu einem Tech-Hotspot. Etwa „zwei Millionen Mitarbeiter von IT-Unternehmen und davon etwa 80 Prozent Entwickler“ soll es geben. Davon beschäftigen „allein die fünf größten IT-Unternehmen etwa eine Million Mitarbeiter“, so Thattil. „In Indien hat sich in den letzten Jahren besonders der IT-Bereich weiterentwickelt. Es hat sich durch viele Großkonzerne eine riesige Infrastruktur gebildet. Aber auch das Outsourcing durch englischsprachige Projekte hat dazu beigetragen. Die meisten US-Unternehmen haben auch ein kleines Entwicklungsteam in Indien sitzen – um auf mehr Ressourcen zuzugreifen und die Kosten zu senken.“

Der Trend, dass Jugendliche ihre Karrieremöglichkeiten besonders bei großen Unternehmen sehen, sei allerdings rückläufig, sagt Thattil. Jugendliche sehen, „dass man in diesen Unternehmen komplett ausgenommen wird, von Morgens bis Abends durcharbeitet, kaum Privatleben hat.“ Die Alternative: eine eigene Gründung. Copycats, wie sie noch vor fünf bis zehn Jahren die Startupszene beherrschten, verschwinden langsam und „mittlerweile möchte man vorallem mit innovativen Technologien“ überzeugen, sagt Thattil.

Das Paradebeispiel dieser neuen indischen Gründerzunft ist Fin, ein befreundetes Startup der Yuhiro-Macher, das kürzlich mit einem Gesten-Ring über 200.000 Euro auf Indiegogo einsammeln konnte. Höhere Beträge fließen derzeit in Indien eher selten – „was sich aber in den nächsten zwei Jahren ändern dürfte“, ist sich Thattil sicher. Er prognostiziert, dass bis 2016 Millionenfinanzierungen im Monatstakt realistisch seien – besonders in Zentren wie Dehli oder Bangalore.

Neben der Entwicklung im Finanzierungsbereich, gibt es schon jetzt eine lebendige Inkubatoren-Kultur. Einer der bekanntesten ist Startup Village, der „mit 200-300 Bewerbungen pro Monat sehr viel Zulauf hat“. Armutszeugnis für Europa: „Im Inkubator Startup Village hängen keine Poster von Europäern“, so Thattill, „sondern von US-Größen, wie Facebook, Whatsapp und Co.“ Nach Westen schaut man lediglich für die Bekanntmachung von Produkten, etwa wenn es um Konferenzbesuche geht. Beim Thema Orientierung geht man allerdings ganz klar in Richtung USA.

Bild: Yuhiro/Sascha Thattil