Industrie 4.0 Tipps Startups

Ein Beitrag von Thomas Doppelberger. Als Leiter von Fraunhofer Venture hat er Einblick in die Labore der High-Tech-Forscher.

Wenn Maschinen miteinander kommunizieren und Bauteile den Fertigungsprozess selbst steuern, spricht man von Industrie 4.0, der vierten industriellen Revolution. Die Entdeckung von Dampf- und Wasserkraft ließ im 18. Jahrhundert die ersten mechanischen Produktionsanlagen entstehen. Anfang des 20. Jahrhunderts revolutionierten elektrische Energie und der Einsatz von Motoren die Produktion hin zu Fließbandarbeit und Massenfertigung. Die Integration von Elektronik und IT führte gegen Ende des 20. Jahrhunderts zur Automatisierung von Fertigungsprozessen.

Die Industrie 4.0 als nächster Schritt in der Entwicklung der Produktion bezeichnet nun die Vernetzung von Menschen, Maschinen und Produkten. Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz, Ergonomie und Integration von Kunden und Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse werden die „intelligente Fabrik“ auszeichnen.

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Dieser neue Markt an der Schnittstelle zwischen IT und Produktion bietet gerade für innovative Startups und junge High-Tech-Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten. Eine aktuelle Studie des Branchenverbands BITKOM prognostiziert für Deutschland bis 2025 eine Wertschöpfungssteigerung um knapp 80 Milliarden Euro auf dem Weg zur Industrie 4.0. Auch auf der Hannover Messe, der bedeutendsten Industriemesse der Welt, wurde dieser Trend deutlich: Bereits zum dritten Mal in Folge widmete sie sich mit ihrem Leitthema der Integrated Industry, und damit den Herausforderungen der Industrie 4.0.

Um als Startup in der Industrie 4.0 erfolgreich zu sein, helfen folgende fünf Tipps:

1. Die richtige Technologie haben

In der Industrie 4.0 spielen Bereiche wie Embedded Systems, Robuste Netze, IT-Security und Cloud Computing eine wichtige Rolle. Einerseits müssen am Fertigungsprozess beteiligte Objekte und Maschinen mit Mikrocontrollern, Kommunikationssystemen, Identifikatoren und Sensoren ausgestattet werden. Nur wenn diese kostengünstig hergestellt werden können, können sie in großer Zahl in die Fabriken integriert werden.

Andererseits muss die intelligente Vernetzung über den gesamten Produktionsprozess auch stabil und sicher ablaufen. Dazu müssen etwa Breitbandnetzwerke auf ihr industrielles Umfeld angepasst und echtzeitfähig werden. Und auch das gesamte Prozess-Know-how sowie die riesigen Datenmengen, die dabei entstehen, müssen sicher verarbeitet und gespeichert werden.

2. Netzwerkarbeit leisten

Oft wird das Potenzial von Networking unterschätzt. Aber nur durch das Knüpfen neuer Kontakte können die Gründer mögliche Investoren, Kooperationspartner und potenzielle Kunden kennenlernen. Um das Gesamtprojekt Industrie 4.0 umzusetzen, wird es wichtig sein, den Kontakt zu großen Unternehmen zu suchen. Dabei ist es für Gründer manchmal schwierig, auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Es gibt aber eine Vielzahl von Veranstaltungen und Events, wo genau auf derartiges Networking wert gelegt wird – hier heißt es dann, die Chance zu nutzen.

Oft neigen Gründer bei der ersten Kontaktaufnahme dazu, technologische Probleme zu lösen beziehungsweise deren Lösungen zu verkaufen. Wichtig ist es aber, wirkliche Geschäftskonzepte anzubieten, denn nur so können Innovationen auf dem Markt etabliert und neue Themen, Ideen, Produkte und Prozesse in die Unternehmen gebracht werden.

3. Marktchancen ausloten

Die vierte industrielle Revolution befindet sich noch in der Anfangsphase. Bisherige Markterfahrungen gibt es wenig. Der bereits erwähnten Netzwerkarbeit kommt daher eine weitere essentielle Aufgabe zu: Mit einem Überblick über die Branche, potenzielle Kunden und bereits in diesem Feld tätige Unternehmen erhält man einen Einblick in den Marktbedarf, erkennt mögliche Einsatzgebiete und entwickelt ein Verständnis für die Anforderungen der Branche.

Produzierende Unternehmen müssen immer wieder auf schwankende Marktanforderungen und Nachfrageentwicklungen oder Kapazitätsschwankungen reagieren. Hinzu kommen beispielsweise im Kraftfahrzeugbau zunehmende Modellvarianten und immer komplexere Fahrzeuge.

Eine flexiblere Produktion, die die Koordination von Auftrags-, Material- und Informationsströmen selbstständig übernimmt, kann die Prozesskette optimieren und das Produkt damit günstiger machen. Sogenannte Mikrocontroller in Behältern oder Werkzeugen könnten eingehende Daten analysieren und damit zum Beispiel Maschinenausfälle erkennen und sich eigenständig für einen alternativen Produktionsprozess entscheiden.

4. Die Idee umsetzen

Für die marktreife Umsetzung einer Idee ist ein kompetentes Team notwendig, das sich durch Vielseitigkeit auszeichnen sollte. Die Industrie 4.0 verbindet die Informatik mit dem Maschinenbau und der Elektrotechnik. Diese Interdisziplinarität sollte sich auch im Gründerteam widerspiegeln, denn nur mit dieser speziellen Wissenskombination kann eine innovative Technologie zum marktfähigen Produkt oder zu einer vermarktbaren Dienstleistung entwickelt werden.

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Und auch Business-Pläne und Unternehmensstrategien verlieren in der Hochgeschwindigkeitszeit der Industrie 4.0 nicht an Bedeutung – im Gegenteil: Solide Planungen sorgen für den gesicherten Start in die Unternehmerwelt. Es muss deutlich werden, welchen Mehrwert das Produkt für die Unternehmen und das Großprojekt Industrie 4.0 hat und warum genau diese Umsetzung für das produzierende Gewerbe interessant sein wird. Dabei schadet es nie, über den Tellerrand hinaus zu denken, denn viele Unternehmen sind sich der Potenziale der vierten industriellen Revolution noch nicht bewusst.

5. Und wieder Netzwerkarbeit leisten

Ist das Produkt oder die Dienstleistung fertig entwickelt, müssen potenzielle Kunden erfahren, dass es auf dem Markt ist. Auch hier ist Netzwerkarbeit unumgänglich, sei es auf Messen und anderen Plattformen, über eine Agentur oder auf Netzwerkveranstaltungen. Damit ist der Grundstein für eine nachhaltig erfolgreiche Unternehmensgründung gelegt und das Startup kann Teil der vierten industriellen Revolution sein.

Bild: © panthermedia.net / Uyttebroeck Michel