Pascal Finette Valley Briefe

In seiner neuen Kolumne „Valley-Briefe“ schreibt Pascal Finette darüber, was die Startup-Szene an der US-Westküste bewegt – und von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu Deutschland.

Eintausendsechsunddreißig Inkubatoren

Eintausendsechsunddreißig. Das sind die aktuell auf AngelList veröffentlichten Inkubatoren. Vom “Big Daddy” Y Combinator (YC) über das wuchernde TechStars-Netzwerk bis hin zum Coca-Cola Inkubator. Ja, Coca-Cola hat jetzt auch einen Inkubator im Silicon Valley. Und nicht um neue Getränkeideen zu entwickeln, sondern um Technologie-Innovationen zum Thema “Wellness” zu finden. Und Ähnliches spielt sich ja auch im Heimatland ab: von Schobers D-Lab über diverse Medienhäuser bis hin zu Rewe (der Lebensmittelhändler macht jetzt auch mit beim Modethema “Inkubatoren”).

Nun kann man generell das Thema Inkubatoren gut finden – mithin fördern sie ja das Unternehmertum und versorgen junge Gründer mit einem Platz zum Arbeiten, (etwas) Geld, Wissen und Rat sowie einem Mentoren- und Investoren-Netzwerk. Je mehr, desto besser. Oder?

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Im Valley macht sich mittlerweile eine andere Meinung breit: Sieht man einmal von den etablierten Platzhirschen YC, TechStars (www.techstars.com), 500 Startups (www.500.co) und einigen wenigen mehr ab, stellt sich die Frage, wie gut denn Inkubatoren tatsächlich sind. Und wie clever ein Unternehmer, der zwischen fünf und zehn Prozent seiner Anteile für solch ein Programm abgibt, ist. Wenn Kapitalgeber in die Top-Zehn-Prozent investieren, die Basis immer breiter wird, die Top-Inkubatoren in immer größerer Zahl Startups ausspucken (YCs letzte Gruppe war 84 Startups stark) und der Kuchen insgesamt nicht sonderlich wächst – dann macht sich hier im Valley der Darwinismus breit.

Das ist alles nicht weiter schlimm; ist es doch grundsätzlich begrüßenswert, dass mehr und mehr Menschen an das Thema Unternehmertum herangeführt werden. Und Scheitern ist ja im Valley eine Ehrenplakette. Außerdem: Gescheiterte Startups sind der ideale Rekrutierungs-Pool. Irgendwoher müssen ja die 84 YC-Startups ihr Personal nehmen.

Und in Deutschland?

Was das alles für die Heimat bedeutet? Zunächst: Glaube nicht, dass dir dein deutscher Inkubator sonderlich im Valley hilft. Den Valley-Geldgebern fällt es schon schwer, die Qualität der heimischen Programme zu beurteilen – Programme aus dem Ausland werden da gerne komplett ignoriert.

Dann: Wenn du dich dazu entschließt, dein Unternehmen in einen Inkubator zu bringen, sei kritischer denn je: Stiftet der Inkubator echten Mehrwert für dich oder geht es am Ende nur um das bisschen Geld? Ein guter Inkubator hilft mit Rat und Tat, bügelt Schwächen in deinem Geschäftsmodell aus, bringt dich mit interessanten und hilfsbereiten Mentoren zusammen und hilft bei der Anschlussfinanzierung. Beurteile jedes einzelne dieser Felder kritisch und sei dir bewusst, dass deine Geschäftsanteile das Wertvollste sind, was du in deinem jungen Startup hast.

Und zu guter Letzt: Im Grunde ist das alles egal – fokussiere dich darauf, ein Produkt oder Service zu bauen, den deine Kunden lieben und alles wird gut. Und schau zumindest einmal im Valley vorbei. Wer weiß – vielleicht investiert ja Coca-Cola in dein Unternehmen.

Bild: www.Rudis-Fotoseite.de / pixelio.de
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