Mit Rankings ist es immer so eine Sache. Da werden häufig Dinge miteinander verglichen, die nicht richtig vergleichbar sind. Oder die Kriterien der Bewertung sind nicht ganz klar. Im Fall des Global Innovation Index 2015 ist es anders. Hier liegt umfangreiches Datenmaterial vor, das deutlich macht, an welcher Stelle genau es in einem Land in Sachen Innovation hapert. In Deutschland gibt es in zwei zentralen Bereichen Probleme, die uns in Sachen Erneuerung ausbremsen.

Immerhin belegt Deutschland im Index den zwölften Platz weltweit. Das ist nicht richtig gut, aber auch nicht so schlecht. Die Macher des Rankings sagen, dass es in unserem Land nicht an kreativen Ideen mangele. Doch die Bildungsausgaben relativ zum BIP, die Zahl der Unternehmensgründungen sowie die Trainingsausgaben in Unternehmen hinkten international hinterher. Ein paar andere Zahlen zu unserer heimischen Wirtschaft sind allerdings erschreckend. Bei der Frage, wie einfach es ist, ein Unternehmen zu gründen, liegt Deutschland weltweit abgeschlagen auf Rang 93; im Bezug auf die tatsächliche Anzahl von Unternehmensgründungen je tausend Einwohner nur auf Rang 59.

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Was Unternehmen für Fortbildungen ausgeben, ist ebenfalls vergleichweise niedrig. „Gleichzeitig müssen mittelständische Unternehmen Innovationen immer schneller auf den Markt bringen“, sagt Kai Engel, Partner bei der Beratungsfirma A.T. Kearney, die an der Studie beteiligt war. Kleine und mittelgroße Unternehmen verfügen jedoch oft noch nicht über genügend Know-how im Innovationsmanagement, um Planung, Realisierung und Markteinführung innovativer Produkte zielgerichtet zu steuern.

Ein weiteres, spezifisch deutsches Problem ist es, dass aus unserem Land viele Patente und Ideen stammen, diese aber nur selten in Produkte umgesetzt werden. Mit deutschen Ideen verdienen häufig Firmen aus dem Ausland viel Geld. Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung schneidet die Bundesrepublik mit 2,85 Prozent des BIP verhältnismäßig gut ab. Auch bei den Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner liegt die deutsche Industrie recht weit vorn. Es mangele bei uns aber am Wissen, wie man die Ideen und Patente zu Produkten fortentwickelt, die am Markt bestehen können, analysiert die Studie.

Die Spitzenposition des Index 2015 nimmt die Schweiz ein, gefolgt von Großbritannien und Schweden. Finnland ist von Rang 4 im Vorjahr auf den sechsten Platz abgestiegen. Hierdurch rücken die Niederlande und die USA auf Rang 4 beziehungsweise 5 auf.

Innovationsfähigkeit sei der Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit einer Volkswirtschaft, sagen die Macher des Index. Das haben auch Teile der deutschen Politik verstanden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zuletzt auf zwei Veranstaltungen zum Thema Digitalisierung gesprochen und betont, wie wichtig die Startup-Szene in Deutschland sei. Denn genau hier passiere Innovation. Hoffen wir, dass die Kanzlerin und ihre Regierung Taten folgen lassen und endlich bürokratische Hürden bei der Gründung eines Startups abbauen.

Hier die Innovationsführer nach Regionen geordnet

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Adriano Agulló