Innovestment

Über potente Finanzierungsrunden, Exits oder Internationalisierungen zu berichten ist was feines. Doch was ist da sonst noch im Busch, neben all den bereits “etablierten” Startups? Gründerszene stellt in dem neuen Format “Geschäftsideen auf dem Prüfstand” regelmäßig ausgewählte Neugründungen vor, die sprichwörtlich noch in den Kinderschuhen stecken – und den Namen Startup somit redlich verdienen. Dieses Mal: Innovestment (www.innovestment.de), eine Crowdinvesting-Plattform für Startups.

Das Thema Crowdfunding ist und bleibt in aller Munde. Nach einer Art Evolution im Schnelldurchlauf hat es das Modell von der Musikindustrie (Sellaband) bis hin zu zahlreichen Kreativprojekten (Kickstarter) geschafft, bei denen es – in leicht angepasster Form – sein tatsächliches Potential unter Beweis stellen konnte: Durch die Veröffentlichung der eigenen Idee kann in der breiten Masse nach begeisterten Unterstützern gesucht werden, die mit einem Mindestbetrag zu dem benötigten Startkapital beitragen und dafür eine gewisse Gegenleitung erhalten. Diesen Ansatz auch auf Firmenbeteiligungen zu übertragen, erscheint da so einfach wie logisch – Innovestment will zeigen, dass das funktioniert.

So funktioniert Crowdinvesting mit Innovestment

Die Funktionsweise der Crowdinvesting-Plattform folgt dabei grundsätzlich den selben Regeln. Startups können sich bei Innovestment einer breiten Masse aus Privatinvestoren vorstellen und im Rahmen einer Auktion versuchen, den Gesamtkapitalbedarf durch viele (geringe) Einzelbeträge aus der Crowd zu decken. Klappt das, so werden die Investoren im Gegenzug zu stillen Beteiligten, die entsprechend ihres Anteils an Gewinn und etwaigem Exit-Erlös teilhaben können. Der Mindestbeteiligungsbetrag liegt bei 2.000 Euro.

Wie man sich vorstellen kann, ist die Vergabe von Firmenanteilen an eine Masse von Menschen natürlich etwas komplizierter, als das reine Sammeln von Kapital zur Realisierung des eigenen Kunstprojekts. Für die beiden offensichtlich schwierigen Themen Unternehmensbewertung und Beteiligungsvertrag wurde aber eine recht elegante Lösung gefunden: Auch die Höhe der Unternehmensbewertung wird in einem Auktionsmechanismus gelöst, sodass die Zahlungsbereitschaft der Crowd den Preis bestimmt, den die Investoren letztlich für eine Beteiligung zahlen. Durch einen Standardbeteiligungsvertrag wird außerdem die notarielle Beurkundung umgangen, die bei einer Großzahl an Beteiligungen schnell zu hohem administrativem Aufwand führen kann.

Bleibt die Frage, wie sich damit Geld verdienen lässt. Innovestment verfolgt mit der Crowdinvesting-Plattform ein erfolgsorientiertes Gebührenmodell, bei dem die jeweiligen Startups zur Kasse gebeten werden. Schafft es ein Startup, das definierte Mindestkapital einzusammeln (oder gar mehr), so wird eine Provision fällig, die von der Kapitalhöhe abhängt. Für Investoren bleibt die Nutzung der Plattform somit völlig kostenfrei.

innovestment

Zur Entstehungsgeschichte von Innovestment

Die Idee zu Innovestment ist ursprünglich am Gründerzentrum der RWTH Aachen entstanden, wo Filipe da Costa und Daniel Appelhoff derzeit im Bereich Entrepreneurship promovieren. Nach ersten Erfahrungen in der Strategieberatung bei Boston Consulting hatten die beiden gemeinsam als Gründercoaches an der RWTH gearbeitet, und in dieser Zeit hautnah miterlebt, dass viele erfolgsversprechende Ideen letztlich daran scheitern, dass sie kein Funding erhalten: „Zum einen haben wir sehr unmittelbar das knappe Angebot auf dem deutschen Venture-Capital und Business-Angel-Markt erlebt, zum anderen sind wir im Bekanntenkreis immer wieder auf großes Interesse an Investmentmöglichkeiten gestoßen“, so Daniel Appelhoff.

So wurde Ende 2010 die Idee geboren, private Investitionen in Startups zu vereinfachen und jungen, innovativen Unternehmen damit einen neuen Weg der Kapitalbeschaffung zu bieten. „Unsere Idee war dabei immer, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Sowohl für die Gründer als auch für die Privatinvestoren, denen wir als eine der ersten Plattform Zugang zu innovativen Startups als Anlageklasse ermöglichen“, so Geschäftsführer Filipe da Costa. Gemeinsam mit Alexander Rajko, der als Mikroökonom an der Universität zu Köln im Bereich Auktionstheorie und Marktmechanismen promoviert, konnte man sich dann schnell auf einen Auktionsansatz einigen. Dieser wurde mit Hilfe von Norbert Töpker, IT-Berater und der vierte Mann im Boot, zügig angegangen, so dass im Mai 2011 dann die Gründung der Innovestment GmbH folgen konnte.

Roadmap: Mit drei Startups Richtung Proof-of-Concept

Der spannendste Teil kommt allerdings erst noch – die ersten drei Startups sind bereits mit einem Kurzprofil auf der Plattform vertreten, Ende Oktober sollen dann die ersten Auktionen starten, und Innovestment im besten Falle den Proof-of-Concept liefern: „Unser primäres Ziel für 2011 ist es, ein erfolgreiches Funding für Audiogent, Particular und Ludufactur auf die Beine zu stellen“, sagte Filipe da Costa.

Bis dahin sollten sich genügend Investoren auf der Plattform tummeln, damit auf lange Sicht ein lebendiges Crowdfunding entstehen kann, bei dem sich die Investoren regelmäßig an Startups beteiligen. Ist das erst einmal geschehen, soll die maximale Fundingsumme erhöht werden, ohne dabei die Grundsätzen des Modells aufzugeben. So will das Team zeigen, „dass Crowdinvesting wirklich etwas verändern kann“.

Innovestment – Ist der deutsche Markt bereit für Privatinvestitionen in Startups?

Das Übertragen des Crowdfunding-Prinzips auf die Finanzierung von Startups ist auf den ersten Blick absolut einleuchtend. Deutschland ist nicht gerade bekannt dafür, dass hier das Risikokapital an den Bäumen wächst, und die relativ wenigen gestandenen VCs und Business-Angel sind häufig wählerisch und ungeduldig zu gleich. So haben viele Startups ein Finanzierungsproblem, das durch kleinere, von einer Crowd getragene Investitionen durchaus gelöst werden könnte. Dadurch entsteht für Startups auf der einen Seite ein neuer Weg der Kapitalbeschaffung, und auf der anderen Seite erhalten Privatinvestoren die Möglichkeit, ihre Portfolios durch Beteiligungen an Startups zu ergänzen.

Der Vorteil für Startups liegt dabei auf der Hand, denn sie benötigen bei dieser Form der Kapitalbeschaffung weder echtes Eigenkapital, noch müssen sie grundlegende Entscheidungsrechte abgeben. Den Privatanlegern wiederum kommt zugute, dass der Mindestbeteiligungsbetrag bei einem Crowdinvestment deutlich geringer ist als bei einer „regulären“ Unternehmensbeteiligung und ihnen gleichzeitig ein großer Teil des administrativen Aufwands abgenommen wird. Und noch einen Punkt sollte man nicht außer Acht lassen: Involvement. Denn wer die Plattform von Innovestment nutzt, um sich an einem Startup zu beteiligen, der wird sehr wahrscheinlich von der Idee überzeugt und somit an einem langfristigen Erfolg interessiert sein – was bei rein exit-getriebenen Unternehmensbeteiligungen definitiv nicht immer der Fall ist.

Dennoch könnte die vermeintliche Nische, in der sich Innovestment positioniert, Fluch und Segen zugleich sein: Denn dass es in Deutschland nicht ansatzweise einen so ausgeprägten Venture-Capital-Markt gibt wie beispielsweise in den USA, ist vielleicht kein Zufall, sondern eher den kulturellen Eigenarten der beiden Länder geschuldet. Das Anlageverhalten hierzulande ist de facto viel stärker von Risikoaversion geprägt als in den USA, und so dürfte auch die – zugegebenermaßen selbst erschlossene – Zielgruppe der Privatinvestoren bei uns in Deutschland deutlich kleiner sein. Dass mit Seedmatch (www.seedmatch.de), C-Crowd (www.c-crowd.com) und Investiere.ch (www.investiere.ch) bereits einige Wettbewerber mit am Markt sind, macht das Ganze sicher nicht leichter. Und dennoch dürfte es interessant sein zu sehen, ob es den Unternehmen gelingt, mit dem Crowdinvesting-Ansatz ein neues Investorenverhalten in Deutschland zu kultivieren.