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Wenn Youtuberin Mrs Bella für ein Produkt wirbt, verschwimmt die Grenze zwischen Werbefigur und Authentizität

Youtuberinnen wie Mrs Bella oder Bianca „Bibi“ Heinick sind heutzutage ein Vorbild für Millionen Jugendliche. Wenn die Stars in ihren Shows von einem Schönheitsprodukt schwärmen, steht aber nicht selten eine Agentur dahinter. Zum Beispiel das Unternehmen InSocial Media von Ashwin Tchanra. Er bringt Werbekunden mit Internet-Stars zusammen. Abgesehen von Bibi und Bella arbeitet seine Firma auch mit Youtube-Sternchen wie Dagi Bee, DieLochis oder Dner zusammen. Dazu kooperiert das Startup mit Künstlernetzwerken wie Mediakraft oder TubeOne.

Der Gründer Ashwin Tchanra war zuvor bei verschiedenen Vermarktern wie TrafficCaptain oder Neodau tätig. Seine Social-Influencer-Agentur startete er Anfang 2015. Mittlerweile arbeiten zehn Mitarbeiter für das Unternehmen, das profitabel wirtschaftet. Neben Youtube entwickelt seine Agentur auch Kampagnen für soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Twitter. Der Gründer und CEO spricht im Interview, über die neue Werbeform für die Youtube-Generation.

Ashwin, Deine Form der Werbung nennt sich Social-Influencer-Marketing. Was steckt hinter diesem Buzzword?

Dabei werden die sozialen Medien eines Meinungsbildners etwa auf Youtube genutzt, um ein Produkt zu bewerben. Zum einen soll dadurch Reichweite generiert, zum anderen die richtige Zielgruppe adressiert werden.

Produktplatzierung in Zeiten von Social Media: Mrs Bella wirbt für Trivagos Hoteltest

Für den Werbekunden Trivago habt ihr mit der Youtuberin Mrs Bella zusammengearbeitet. Wie genau läuft so eine Kampagne ab?

Wir waren schon länger mit Trivago in Gesprächen. Anschließend haben wir die richtigen Meinungsbildner gesucht und sind so auf Mrs Bella gestoßen, die in ihrem Video ein Hotel getestet hat. Mit Trivago sind wir dann ins Feinkonzept gegangen, um die Kampagne authentisch für die Community zu gestalten. Die Kampagne lief sehr erfolgreich, da sie für die Community einen Mehrwert brachte.

Ashwin Tchanra leitet InSocial Media als CEO

Du willst einen Mehrwert bieten, verkaufst aber eigentlich Werbung. Passt das zusammen?

Das funktioniert nur, wenn sich eine werbende Person wie Mrs Bella mit dem Produkt identifizieren kann. Dann kann ein Mehrwert entstehen. Unser wichtigstes Gut ist deshalb auch das Kreativkonzept dahinter. Wir gehen mehr dahin, feste, kreative Konzepte zu entwickeln und dafür passende Produkte zu finden.

Sind Produktplatzierungen in sozialen Medien nicht eine rechtliche Grauzone?

Dass die Videos über Produktplatzierungen unterstützt werden, steht im Video und in der Videobeschreibung. Wir halten uns an die rechtlich vorgeschriebenen Kennzeichnungen. Das beeinflusst unsere Kampagnen auch nicht negativ, da sich die Community mittlerweile daran gewöhnt hat.

Wie verfolgst Du, ob eine Kampagne Erfolg hat?

Wir haben dazu eine eigene Plattform entwickelt, HypeYu. Mit der analysieren wir Kanal-übergreifend alle relevanten Werte wie die Reichweite, die erreichte Zielgruppe oder die Aktivität der Nutzer.

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Wir können messen, in welchem Netzwerk die Kampagne am besten lief. Zudem können wir schauen, wie eine Werbekampagne im Vergleich zu einem normalen Post gelaufen ist. Häufig verwenden wir verfolgbare Links, um zu schauen, wie viele Personen auf die Produktseiten geklickt oder ein Produkt gekauft haben. Anschließend können wir gemeinsam mit unseren Kunden in die Optimierung gehen. Beispielsweise können wir schauen, an welcher Stelle im Video die Nutzer ausgestiegen sind und dann überlegen, ob man etwa die Werbung im Video früher platziert.

Ihr verdient an den Kampagnen unter anderem erfolgsabhängig. Aber wie viel verdienen die Youtube-Stars? Können sie davon leben?

Einen pauschalen Wert kann ich nicht geben. Aber es gibt etwa 30 bis 50 Top-Leute in Deutschland, die davon leben können. Für den Rest ist das ein Hobby. Aber die Community entwickelt sich weiter. Man sieht das in den USA, dort gibt es in jeder kleinsten Nische Youtuber, die groß aufdrehen. Die junge Generation wächst gerade mit Kurzvideos auf. Hier wird sehr viel passieren.

Du bedienst eine Zielgruppe, die kaum noch mit klassischer Werbung zu erreichen ist. Ist Influencer-Marketing der einzige Weg, an diese Zielgruppe heranzukommen?

Ja. Print und TV spielen bei 13- bis 24-Jährigen keine große Rolle mehr. Aber die Zielgruppe wird ja auch älter, dementsprechend muss man mit der Entwicklung gehen. Die Werbebudgets für diese Formate werden steigen, da die Kaufkraft der Zielgruppe entsprechend mit ansteigt. Wie man in den sozialen Medien auch über 30-Jährige anspricht, das werden wir in den nächsten Jahren entwickeln müssen.

Bilder: Mrs Bella/InSocialMedia