Spiegel-beststeller Autor Adam Fletcher

Spiegel-Beststeller Autor Adam Fletcher

Der Engländer Adam Fletcher baute 2009 ein passiv skalierbares Unternehmen auf. Das heißt, ein Unternehmen, in das man nur einmal Arbeit hineinsteckt, die Leistung aber immer wieder bezahlt bekommt. Wie das geht? Das Internet macht’s möglich.

2008 kündigte Adam Fletcher seinen Job beim T-Shirt-Versand Spreadshirt, um sein eigenes Geschäft aufzuziehen. Wieder ging es um T-Shirts. Doch im Gegensatz zu seinem vorherigen Arbeitgeber stellte er nicht massenhaft Designer ein, sondern erschuf mit seiner Seite „TheTeeDirectory“ eine Datenbank für alle möglichen Designer. Kunden konnten dort nach spezifischen Motiven suchen. Anbieter zahlten für eine bessere Platzierung im Suchranking auf der Webseite. Bis zur Schließung 2014 generierte Fletcher so sein hauptsächliches Einkommen – ohne Arbeit in das Unternehmen zu investieren.

Mittlerweile hat sich der Unternehmer seiner Leidenschaft, dem Schreiben, gewidmet und bereits mehrere Bestseller verfasst. In seinem aktuellen Werk Wir können auch anders – wie man falsche Jobs gegen echtes Glück eintauscht möchte er das Prinzip des passiven Einkommens weitergeben. Schließlich läuft nach Adam Fletchers Meinung einiges falsch in unserem aktuellen Arbeitssystem. Wir haben Fletcher zu seiner Einstellung befragt.

Adam, was kritisierst Du an dem aktuellen Arbeitsmarkt?

Der Nine-to-five-Job stirbt aus. Und das ist eine gute Sache! Wir tun so, als wären diese Arbeitszeiten schon immer da gewesen, dabei haben wir die irgendwann mal eingeführt. Auch wenn das gar keinen Sinn ergibt. Wir haben mittlerweile einen enormen materiellen Komfort erreicht und trotzdem sind wir immer noch auf der Jagd nach mehr Geld. Dabei interessiert es niemanden, was für ein Auto ich fahre oder wie groß meine Wohnung ist. Da sind wir doch drüber hinaus? Wir definieren uns über andere Werte.

Welche Werte sind das?

Wir leben jetzt in der Zeit der sogenannten Aufmerksamkeits-Ökonomie. Die aktuelle Währung ist Zeit. Die Möglichkeit Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen, ohne permanent Mails beantworten zu müssen. Darum geht es auch in meinem Buch. Ich will helfen, das Leben neu zu strukturieren. Um mehr Zeit für sich selbst und seine Interessen zu haben.

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Vor kurzem hast Du einen Artikel auf Spiegel Online veröffentlicht, in dem Du Dein passives Einkommensmodell erklärst. Darauf gab es heftige Gegenreaktionen. Hat Dich das überrascht?

Nicht wirklich. Das ist eine typische Reaktion, wenn man über Geld redet. Besonders in Deutschland. Die Deutschen reagieren immer empört, wenn man den Heiligen Gral der Arbeit infrage zu stellen wagt.

Einer der Kommentare lautet: „Wer Geld verdient ohne zu arbeiten, ist ein Betrüger.“ Bist Du also ein Gangster?

Schuldig der Anklage. Ich habe ein Geschäft mit passivem Einkommen aufgebaut. Viele vergessen dabei, dass man für so etwas gerade am Anfang sehr hart arbeitet, ohne wirklich Geld zu verdienen. Wenn alles gut läuft, dreht sich das Verhältnis zwischen Arbeit und Einkommen. Irgendwann merkt man dann, dass man immer weniger tut und das Geschäft trotzdem läuft. Das ist aber doch kein Verbrechen, oder?

Dein Buch richtet sich in erster Linie an Gründer von Startups. Was möchtest Du denen mitgeben?

Zuerst einmal denke ich, dass der Terminus „Startup“ viel zu oft als Substantiv anstatt als Verb benutzt wird. Es sollte doch heißen: „We’re starting up a business to do X.“ Ein Zustand, der nicht permanent anhalten sollte. Sondern eine flexible, temporäre Organisationsform. Ich habe das Gefühl, mittlerweile ist es schon eine Art Statussymbol, ein Startup zu gründen. Das ist doch bescheuert.

Welche Eigenschaften benötigt ein Gründer, wenn er ein Geschäftsmodell mit wenig Arbeit, aber einem stabilen Einkommen aufbauen will?

Sobald die Motivation zum Gründen ist, dass man viel Geld verdienen möchte, dabei aber möglichst wenig arbeitet, wird man scheitern. Schließlich ist das ein Effekt, der eventuell später eintreten kann, aber nicht zwangsläufig muss. Der Erfolg liegt darin zu überlegen, was man gut kann und womit man den größten Wert schaffen könnte. Diese Idee so aufzuarbeiten, dass sie auch ohne die eigene Anwesenheit verkauft werden kann, wird zum Erfolg führen.

Bild: Adam Fletcher

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