Barzahlen-Gründer Florian Swoboda

Nicht alle haben am Anfang an die Idee von Florian Swoboda, Achim Bönsch und Sebastian Seifert geglaubt. Genau vor drei Jahren sind die drei mit ihrem Service Barzahlen in 1.390 dm-Filialen gestartet. Das Startup ermöglicht es, im Internet einzukaufen und im Handel zu bezahlen. Mittlerweile lassen sich damit auch die Miete oder Reisen bar begleichen. Mehr als 10.000 Filialen etwa große Einzelhändler wie Rewe und Penny sind nach eigenen Angaben nach mit an Bord.

Das Startup stand mit seinem Bargeld-Produkt bereits häufiger im Fokus. Carsten Maschmeyer stieg bei Barzahlen ein und Rewe investierte. Erst kürzlich gab es Geld von der Grenke Bank. Im einstelligen Millionen-Bereich hieß es damals von der Bank. Kundenzahlen veröffentlicht das Startup nicht. 30 Mitarbeiter arbeiten heute für das Unternehmen.

Im Interview erklärt Gründer Florian Swoboda, warum Kunden ihr Produkt nutzen und wie Barzahlen im Ausland ankommt.

Florian, mit eurem Produkt kann man im Internet shoppen, einen Barcode ausdrucken und dann im Laden bar bezahlen. Wer macht sowas bitte?

(lacht) Du darfst nicht von dir auf andere schließen. Unsere Kunden lassen sich in drei Gruppen einteilen: Da gibt es junge Menschen, die von ihren Eltern das Taschengeld bar ausgezahlt bekommen – und beispielsweise ihre Online-Spiele mit uns bezahlen. Es gibt wohlhabende Kunden, die Sicherheitsbedenken haben und ihre Kontodetails ungern im Netz angeben. Das letzte Drittel sind Menschen mit niedrigem Einkommen. Sie haben weniger als 2.000 Euro pro Monat zur Verfügung. Diese Menschen verwenden vor allem Bargeld um die Kontrolle über ihre Ausgaben zu behalten.

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Die jungen Kunden bekommen in fünf Jahren das Taschengeld wahrscheinlich per Peer-2-Peer auf das Smartphone. Bricht diese wichtige Zielgruppe dann weg?

Du musst bedenken, dass sie das Geld von ihren Eltern bekommen. Oder die Oma steckt ihnen einen Schein zu. Und die ist weit davon entfernt, dem Enkel das Geld per App zu überweisen. Das wird sich erst in vielen Jahren ändern. Ich glaube, das werde ich nicht mehr erleben (lacht).

Kürzlich kam heraus, dass die Zentralbank den 500-Euro-Schein abschaffen will. Der Aufschrei in Deutschland war groß. Die Angst vor dem Ende des Bargeldes geisterte plötzlich herum. Solche Diskussionen spielen eurem Geschäftsmodell in die Karten. Freut ihr euch darüber?

Klar. Und diese Diskussion taucht ständig auf, die Medien sind voll davon. Auch bei der Enthüllung von Edward Snowden war der Datenschutz im Netz ein Riesenthema. Bargeld ist ein unglaublich sensibles Thema für einen Großteil der Menschen. Das vergessen wir gerne: Denn hier in der Gründerszene sind vor allem techbegeisterte Leute unterwegs. Alle laden sich ihr Geld in die Wallet oder testen Mobile Payment. Aber ein Großteil der Menschen tickt eben anders.

Schlagen sich die Bargeld-Diskussionen auch in den Nutzerzahlen von Barzahlen nieder?

Das lässt sich nicht abgrenzen. Es kommen bei uns ständig neue Akzeptanzstellen dazu. Insgesamt gibt es aktuell 10.000 Filialen, die unseren Service unterstützen. Den Effekt von einzelnen Events können wir da nicht rausfiltern.

Wie viele Kunden nutzen euren Service denn regelmäßig?

Wir sind in 8.000 Online-Shops und zahlreichen Unternehmen im Einsatz und sind mit der Entwicklung der Kundenzahlen sehr zufrieden, geben allerdings keine Zahlen dazu heraus.

Die Liebe zum Bargeld ist eine deutsche Eigenheit. Gibt es in anderen Ländern überhaupt Nachfrage nach eurem Produkt?

In Südeuropa schauen wir uns Länder an, etwa Italien. Auch in Osteuropa gibt es Länder, in denen der Gebrauch von Bargeld durchaus üblich ist. Unser Vorteil ist: Einige unserer Handelspartner sind dort vertreten. Eine Expansion wäre also denkbar.

Vor allem in skandinavischen Ländern ist das bargeldlose Bezahlen verbreitet, etwa durch Kreditkarten oder Mobile Payment. Auch in den USA ist es üblich kleine Beträge per Karte zu bezahlen. Wie kommt euer Pitch in diesen Ländern an?

In Schweden haben wir noch nie gepitcht, da gibt es keinen Markt für uns. Aber du wirst dich wundern: Zum Beispiel in Großbritannien existiert ein ähnlicher Anbieter, der heißt Paypoint. Obwohl die Verbreitung von bargeldlosem Zahlen sehr viel höher ist, gibt es die Nachfrage dort wohl doch.

Vor den Investoren kam es zu lustigen Situation, als wir mit unserem Bargeld-Produkt ankamen – drei Jungs, Anfang 20. Die Geldgeber stellten schonmal ungläubige Fragen. Manchen Investoren dachten: „Die haben doch die Welt nicht verstanden“. Doch dann haben wir die Zahlen auf den Tisch gelegt: Knapp 70 Prozent der Deutschen besitzt keine Kreditkarte, 50 Prozent nutzen kein Online-Banking. Danach waren die meisten überzeugt.

Hat man euch damals mit Anfang 20 denn ernst genommen?

Irgendwer belächelt dich immer, klar. Andererseits spielte uns das junge Alter auch in die Karten. Wir hatten keine Angst, bei Einzelhandelsriesen einfach mal durchzurufen.

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Als Erstes hattet ihr die Drogeriekette dm als Händler mit an Bord – eine wichtiges Signal für weitere Partner. Wie ist es euch gelungen, den Gründer Götz Werner zu überzeugen?

Tatsächlich haben wir uns die Telefonnummer aus dem Impressum rausgesucht. Ein paar mal haben sie uns abgewimmelt. Doch dann bekamen wir einen Termin mit dem Sohn von Götz Werner, der war damals gerade in den Vorstand aufgestiegen. Er hat erkannt, dass es für die dm-Kunden einen Mehrwert bietet, wenn die Drogerie den Barzahlen-Service anbietet.

Seit Kurzem habt ihr ein weiteres Produkt auf den Markt gebracht: Number26-Kunden können über eure Händler Geld auf ihr Konto einzahlen. Was ist eure Bilanz bislang?

Wir sind von Monat zu Monat stark gewachsen. Genaue Zahlen darf ich nicht nennen. Es hat aber offensichtlich den Nerv der Number26-Kunden getroffen. Wir befinden uns für diesen Service gerade in Verhandlungen mit zwei großen Direktbanken, die Namen darf ich auch noch nicht verraten.

Number26 hat für den Service bei einer Einzahlung von mehr als 100 Euro pro Monat Gebühren eingeführt. Und auch Kritik dafür bekommen. Wie erklärt ihr euch den Schritt?

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Jedes Startup muss nach seinem Geschäftsmodell suchen, um irgendwann die Kosten zu decken. Wir sind gespannt, wie sich der Service mit den Gebühren entwickelt.

Wie steht es bei euch um die Finanzierung drei Jahre nach dem Start?

Ende des vergangenen Jahres haben wir ja von der Grenke Bank eine Finanzierung erhalten. Mit diesem Geld können wir in den nächsten Jahren gut arbeiten – und wollen damit auch die Profitabilität erreichen.

Wie geht es im nächsten Jahr bei euch weiter, Florian?

Wir wollen die Verfügbarkeit weiter erhöhen. Zum Beispiel sollen Kioske mit an Bord kommen, damit die Leute auch am Wochenende unseren Service nutzen können. Und wir möchten unseren Barcode auf möglichst viele Überweisungsträger bringen, damit die Leute ganz bequem ihre Rechnungen beim Einkaufen bezahlen können.

Ein paar Einblicke in das Kundenprofil von Barzahlen gibt diese Grafik: 

Bild und Grafik: Barzahlen