Bibi, eigentlich Bianca Heinicke, ist den Hype um ihre Person gewohnt. Die 22-Jährige ist die erfolgreichste deutsche Frau auf Youtube. Rund 2,6 Millionen Menschen haben ihren Kanal abonniert. Die Fans sind vor allem Teenager, sie kreischen und heulen, wenn sie Bibi auf der Straße sehen, für viele ist sie ein Vorbild.

Als ich Bibi bei einer Influencer-Konferenz in Berlin zum Interview treffe, sieht sie aus wie das nette Mädchen von nebenan. Die Haare blond, der Ansatz – so will es der Teenie-Trend – auffällig dunkel, die Lippen knallrot. Neben ihr sitzt Julian Claßen, ihr Freund, der auch einen eigenen Youtube-Kanal hat. Von welchem Medium ich komme, hat Bianca vergessen. Ihr Manager wiederholt es noch einmal, Bianca hat heute ein Interview nach dem nächsten. Ich habe 15 Minuten Zeit.

Während Julian schweigend auf seinem Handy daddelt, gibt Bibi die strahlende Youtuberin, ganz professionell. Denn die Videos sind für Bianca Heinicke längst zum Geschäft geworden. Fragen zu ihrem Einkommen möchte sie allerdings nicht beantworten.

Bianca, warum bist ausgerechnet du die erfolgreichste Deutsche auf Youtube?

(lacht) Diese Frage kann ich eigentlich nicht beantworten. Das einzige, das ich sagen kann, ist: Ich bin immer ich selbst geblieben. Ich habe einfach versucht, vor der Kamera Spaß zu vermitteln und Dinge auszuprobieren, die meiner Zielgruppe gefallen.

Und? Was gefällt deiner Zielgruppe am besten?

Wir haben wirklich schon viel ausprobiert. Außerdem frage ich immer direkt bei meinen Zuschauern, was sie sehen wollen. Deswegen habe ich immer ein gutes Gefühl dafür. Die Video-Reihe mit den „10 Arten“ und alle Videos mit Julian kommen sehr gut an.

Dennoch mag nicht jeder deine Videos. Für die sogenannte Song Challenge mit der Boyband One Direction hagelte es beispielsweise harsche Kritik. Nimmst du dir das zu Herzen?

Ich gucke mir die Kritik immer an, aber glücklicherweise überwiegt das positive Feedback sehr stark. Beleidigungen kann ich sehr gut überlesen. Konstruktive Kritik lese ich hingegen gerne – und überlege dann auch, ob ich da tatsächlich etwas ändern muss.

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Fast jedes deiner Videos wird mehr als zwei Millionen Mal angeschaut, die meisten deutschen Teenager kennen dein Gesicht. Gab es Momente, in denen dich das überfordert hat und du alles hinschmeißen wolltest?

Gar nicht. Natürlich stören einen manchmal die Hater, aber im Internet fühlen sich Menschen immer stärker als sie eigentlich sind. Auf der Straße kam zum Glück fast noch nie ein Hater zu mir. Manchmal hört man von Gruppen: „Ah, guck mal, da ist doch diese Bibi!“ Und dann lachen alle. Aber ansonsten hat mir persönlich nie jemand etwas schlimmes gesagt. Von daher komme ich damit sehr gut zurecht, weil es mir auch Spaß macht, mit Fans Fotos auf der Straße zu machen und mit ihnen zu quatschen.

Du bist hauptberuflich Youtuberin. Wie verdienst du dein Geld?

Natürlich zum einen durch die Youtube-Monetarisierung, also durch Werbung vor und während der Clips. Außerdem verdiene ich durch Kooperationen mit Partnern.

Mehreren Youtubern wird Schleichwerbung vorgeworfen, weil sie es nicht klar genug kennzeichnen, wenn sie von einer Firma Geld für ein Video bekommen – beispielsweise, wenn bestimmte Produkte gezeigt werden. Kennzeichnest du deine Videos klar genug oder bleibt Youtube eine Grauzone?

Tatsächlich ist Youtube eine Grauzone. Momentan will man die Regeln schärfen, deswegen wurden gerade auch von der Landesmedienanstalt neue Richtlinien aufgestellt. Wir nehmen uns das alles sehr zu Herzen. Das heißt, wir versuchen, alles korrekt zu kennzeichnen und beschäftigen auch Anwälte, die uns dabei unterstützen. Meine regelmäßigen Zuschauer wissen, dass ich da sehr darauf achte. In jedem Video, für das ich unterstützt werde, sage ich das verbal, vermerke es an mehreren Stellen und schreibe es noch mal in die Infobox. Insofern mache ich mir hier keine Sorgen, dass wir hier etwas falsch machen. Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass Kritiker den Unterschied zwischen Schleichwerbung und Produktplatzierung nicht kennen.

Es gibt mehrere Videos mit DM-Hauls oder Primark-Hauls, also Videos, in denen du große Einkäufe vor der Kamera auspackst und deinen Zuschauern die Produkte zeigst. Diese Videos sind nicht gekennzeichnet. Machst du also tatsächlich kostenlose Werbung für diese Unternehmen?

Ja. Das hat auch nichts mit den Marken zu tun, das ist keine Kooperation. Ich habe einfach Dinge gekauft, die mir gut gefallen.

Also bekommst du weder von DM noch von Primark Geld?

Genau.

Für die Unternehmen ist das ein super Deal… Haben die dich schon angeschrieben?

Nein. Das mache ich ja aus eigenem Interesse. Dabei sind die Produkte nur Mittel zum Zweck. Wenn ich beispielsweise zeigen soll, wie man seine Lippen richtig schminkt, brauche ich dafür einen Lippenstift. Das sind nicht immer alles Kooperationen…

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Youtuber haben eine sehr starke Vorbild-Funktion für ihre Zuschauer. Es heißt, für Teenager ersetze Youtube das Fernsehen. Spürst du deswegen eine Verantwortung, immer die richtigen Dinge zu sagen und zu tun?

Ich verspüre tatsächlich eine sehr starke Verantwortung, auch weil ich schon mehrmals erlebt habe, wie jung meine Zuschauer sind. Wenn ich beispielsweise an einem Kinderwagen vorbeilaufe und ein kleines Mädchen, das eigentlich noch gar nicht richtig sprechen kann, auf mich zeigt und „Bibi!“ sagt, ist das schon krass. Deswegen versuche ich auch, Werte und Normen zu vermitteln, die mir persönlich ganz wichtig sind. Ich setzte mich beispielsweise für die Akzeptanz von Schwulen ein und habe dafür ein Video mit einem befreundeten schwulen Pärchen gedreht, in dem wir die Fragen der Zuschauer geklärt haben. Aber natürlich achte ich immer darauf, was ich sage und tue, weil die Zuschauer mir viele Dinge nachmachen.

Du wirst älter, deine Themen verändern sich. Was für Videos wirst du in drei Jahren machen?

Das lässt sich schwer sagen. Anfangs habe ich beispielsweise mehr Beauty gemacht, mittlerweile mache ich mehr Comedy. Mal sehen, was sich da noch ändert.

Wie unterscheiden sich die Youtube-Bibi und der Privatmensch Bianca?

Das vermischt sich sehr stark. Wenn ich privat auf der Straße bin, kommen Fans auf mich zugestürmt und wenn ich Freizeit habe, bin ich trotzdem auf Youtube unterwegs. Das kann ich nicht trennen und will es auch nicht. Youtube ist Teil meines Lebens – ich wache damit auf und gehe damit spät ins Bett.

Danke für das Interview, Bianca.

Dieses Video von Bianca und Julian wurde mehr als 6,7 Millionen Mal angeklickt.

Ein DM-Haul mit Bibi ist die beste Werbung für DM – und laut Bianca auch noch kostenlos.

Die Reise auf die Malediven hat der Reiseveranstalter Neckermann bezahlt.

Bild: Instagram