David Croyé, Gründer und CEO der Film-Suchmaschine Just Watch

Just Watch: Gründung vor vier Monaten – Start vergangene Woche

Netflix, Maxdome oder Watchever? Wo finde ich günstig Filme in guter Qualität? Die Suchmaschine von David Croyé soll helfen: Just Watch ist vergangene Woche in den USA und Deutschland gestartet und vergleicht die Angebote verschiedener Streaming-Anbieter. Neben Filmen kommen bald Serien hinzu.

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Vor vier Monaten ging es mit dem Startup so richtig los. Seit Herbst zimmert das Team die Seite zusammen. Wie das so schnell ging? „Fokus“, sagt Croyé, „Überflüssiges weglassen, das Wichtige fertig machen.“ Denn: Ewig Zeit, um das Modell seines Startups zu testen, hat er nicht. Croyé finanziert sich selbst, das Geld reicht erst mal für ein Jahr.

Der Gründer hofft aber auf einen schnellen Break Even: „Wir sind eine Ad-Tech-Firma“, sagt er. Das Geld verdient Just Watch mit Audience-Targeting für Filmkunden: Dabei sollen Zielgruppen erschlossen werden, die eine bestimmte Webseite noch nicht besucht haben, aber wahrscheinlich Kunden werden könnten. Im Interview mit Gründerszene erzählt David Croyé, wie Just Watch erfolgreich werden soll.

David, wo siehst du Just Watch in einem Jahr und was sind die Herausforderungen?

Mein Ziel ist, dass wir in einem Jahr ein noch besseres und größeres Team auf die Beine gestellt haben und es uns in mehr Ländern geben wird. Als nächstes starten wir in Brasilien. Langfristig wollen wir englischsprachige Märkte erschließen, denn dort sind Streaming-Dienste besonders verbreitet. Danach wären Skandinavien und die Niederlande dran. Zunächst müssen wir aber die richtigen Entwickler finden. Wir entwickeln unser Backend in Go(lang) und unser Frontend in AngularJS und dafür gibt es noch nicht so viele mit Erfahrung. Dann müssen wir natürlich international viele Nutzer erreichen und binden.

Wie soll das klappen?

Wichtig ist, mit dem Angebot zu überzeugen. Wir haben 37.000 Filme in unserer Datenbank und 500.000 Angebote, also im Schnitt 13 Möglichkeiten, einen Film zu streamen. In den letzten Tagen konnten wir sehen, dass 60 Prozent des Traffics Nutzer sind, die auf Just Watch zurückkehren. Das ist schon mal ein guter Start für den B2C-Bereich.

Und B2B?

Wir müssen es mit unserer Technologie schaffen, Nutzern Werbung anzuzeigen, die sie tatsächlich anspricht. Nur dann können wir für unsere Kunden, die Produktionsfirmen, effizientere Kampagnen erzeugen. Erste Tests mit 60.000 Nutzern vor dem Just-Watch-Start haben gezeigt, dass wir das schaffen können. Die Ergebnisse waren besser als die von Googles zielgruppenorientiertem Marketing für Filmfans. Unsere Banner wurden mehr als doppelt so häufig geklickt. Um die Hälfte mehr Nutzer klickten außerdem Trailer an und die Verweildauer bei den Videos war höher.

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Einige deutsche Startups haben es schon in den USA versucht – und kamen erfolglos zurück.

Die USA sind der wichtigste Filmmarkt weltweit. Außerdem sind Streaming-Dienste dort besonders populär. Zwei Drittel aller Netflix-Nutzer kommen zum Beispiel immer noch aus den Staaten, obwohl es den Dienst schon in über 50 Ländern gibt. Aus den Gründen sind wir dort zuerst gestartet.

Wie wollt ihr die Distanz von Berlin aus überbrücken?

Für die Entwicklung ist Berlin ein guter Standort, aber wir wollen uns möglichst international aufstellen. Wir planen, mittelfristig ein Büro in Los Angeles aufzumachen. Bis das soweit ist, knüpfen wir Kontakte zu großen Firmen wie Warner und Disney in Deutschland, denn der Markt hier ist für Studios und Verleiher wichtig.

Und wie soll sich Just Watch gegen die Konkurrenz durchsetzen?

Unsere größte Konkurrenz sind illegale Streaming-Portale. Uns hilft, dass Google die künftig nicht mehr so prominent bei den Suchergebnissen anzeigen will. Was andere Meta-Suchmaschinen angeht, nun, da müssen wir die schnellste und beste Seite haben und über die besten Nutzerdaten verfügen, damit das B2B-Geschäft funktioniert.

Wohin siehst Du denn die Streaming-Trends gehen?

Momentan haben die meisten Nutzer noch zwei oder drei Streaming-Abos. Langfristig geht meiner Meinung nach alles zu Netflix und Amazon Prime, die werden sich international als Hauptanbieter durchsetzen. Allerdings sehe ich auch Platz für starke lokale und Nischenanbieter.

Braucht man dann überhaupt noch eine Suchmaschine?

Wahrscheinlich nicht. Bis das aber so weit ist, wollen wir die so genannten Poweruser erschlossen haben. Das sind die, die intensiv Filme und Serien über mehrere Flatrates streamen, häufig für Downloads bezahlen und viel ins Kino gehen. In Deutschland sind das zwischen vier bis sieben Millionen, in den USA etwa zehn Mal so viel. Natürlich ist der nächste Schritt auch vom „Wo kann ich was gucken?“ zum „Was soll ich anschauen?“

Wie finanziert ihr euch, um so lang durchzuhalten?

Das erste Jahr können wir selbst finanzieren, das hat uns in eine angenehme Lage gebracht. Wir können erst einmal machen und dann zeigen, dass es funktioniert – statt sechs Monate lang mit Power-Point-Folien in der Hand zu versuchen, andere von der Idee zu überzeugen. Nun hoffen wir, dass alles gut anläuft und wir in Zukunft interessante Investoren finden können. Zudem ist das Geschäftsmodell eines, bei dem sehr schnell der Break Even erreicht werden kann.

Verrätst Du uns noch, was Deine Lieblingsfilme sind?

Das ändert sich oft! Aber wenn ich mich jetzt festlegen muss, sind The Avengers und Good Will Hunting gerade ganz vorne dabei. Ich stehe grundsätzlich eher auf Popcorn-Kino und schaue Filme meist zur Unterhaltung und Entspannung.

Bild: Just Watch