Leetchi-Gründerin Celine Lazorthes

Leetchi-Gründerin Celine Lazorthes

 „Viele junge Unternehmer scheitern, weil ihr Ego zu groß ist“

Mit 26 gründete die Französin Celine Lazorthes eines der heute erfolgreichsten Startups aus Frankreich: Leetchi. Auf Leetchi.com können Familien, Freunde oder Vereine gemeinsam Geld sammeln – beispielsweise für Geburtstagsgeschenke oder Wochenendtrips.

Mittlerweile hat Leetchi weltweit über eine Million Nutzer, die meisten davon kommen aus Frankreich. 50 Millionen Euro wurden 2013 auf der Seite gesammelt, rund acht bis zehn Prozent davon landen als Vermittlungsgebühr bei Leetchi. Bisher konnte das in Paris ansässige Startup 5,6 Millionen an Risikokapital einsammeln, unter anderem von Capital Partners, IDInvest, Kima Ventures und dem berühmten Businessangel Xavier Niel. Wir trafen Celine Lazorthes in Paris.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Leetchi?

Bei Leetchi wird das Geld, beispielsweise für Geburtstagsgeschenke, Gruppenreisen oder wohltätige Zwecke, in einem Pool gesammelt. Wir haben über hundert Partner, Amazon etwa, bei denen das Geld dann ausgegeben werden kann. Unsere Partner müssen einen Teil der bei ihnen ausgegeben Summe an uns abtreten – meistens sind es etwa acht bis zehn Prozent, abhängig von dem Partner und den Produkten. Bei technischen Produkten beispielsweise bekommen wir nur einen geringen Anteil, weil die Margen in dem Bereich so klein sind. Der Kunde kann das gesammeltes Geld aber auch bar ausgezahlt bekommen, dann behalten wir vier Prozent des Betrags ein. So oder so kommt eine Menge Geld dabei rum, weil im Schnitt vierhundert Euro über Leetchi gesammelt werden.

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Wie kamst du auf die Idee für Leetchi?

Während meines Master an der HEC-Business-School, musste ich das Abschlusswochenende organisieren. Dafür musste ich von allen Studenten Geld einsammeln – ein totaler Albtraum, ich bin komplett wahnsinnig geworden! Da habe ich nach einer Plattform gesucht, auf der man Geld sammeln kann und habe nichts dergleichen gefunden. 2008 habe ich dann Leetchi gegründet und 2009 sind wir online gegangen. Unser Service wird besonders häufig für Gruppengeschenke genutzt – in Frankreich machen die Leute immer Gruppengeschenke, das ist schon fast ein ungeschriebenes Gesetz.

Was war die größte Herausforderung für dich seit der Gründung 2008?

Es gibt immer wieder sehr große Herausforderungen. Anfangs habe ich gar nicht realisiert, wie schwierig es wirklich ist, seine eigene Firma zu gründen und beispielsweise die passenden Mitarbeiter zu finden. Andererseits ist es für mich eine tolle, sehr befriedigende Erfahrung, meine eigene Firma zu leiten.

In Deutschland gibt es bisher nicht viele Gründerinnen. Wie sieht’s in Frankreich aus?

Leider ist es genauso. Eine aktuelle Studie besagt, dass 89 Prozent der Unternehmen von Männern gegründet werden.

Hast du eine Erklärung dafür?

Ich schätze, dass viele Frauen Angst davor haben, eine Führungsposition zu übernehmen. Außerdem interessieren sich vermutlich weniger Frauen für die Tech-Szene, was aber sehr wichtig ist, weil es gerade bei Internetunternehmen so viele technische Herausforderungen gibt.

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Ist es ein Vor- oder Nachteil in der Tech-Branche eine Frau zu sein?

Wir Frauen haben einen großen Vorteil, weil uns viel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ich glaube allerdings, dass einige Leute mich nicht so ernst nehmen und mich für weniger clever halten. Ich finde das gut, so hatte nie jemand Angst vor mir. Das hat mir geholfen. Was die Familienplanung betrifft: Ich habe mehrere Freundinnen, die eine eigene Firma gegründet haben und gleichzeitig ihre Kinder großziehen – das klappt prima.

Führen Frauen anders?

Definitiv. Frauen sind weniger risikobereit und haben nicht so einen großen Ego – das hilft. Ich bin der Überzeugung, dass viele junge Unternehmer gescheitert sind, weil ihr Ego zu groß war. Sie sind übermütig, stellen zu viele Leute ein und denken nicht darüber nach, was in ihrem Unternehmen tatsächlich falsch oder richtig läuft.

Wie hoch ist die Frauenquote bei Leetchi?

30 Prozent.

Hast du einen Tipp für junge Frauen, die überlegen, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Wer eine gute Idee hat, wie er bestehende Probleme lösen kann, der sollte es einfach machen. Als ich die Idee für Leetchi hatte, bin ich nachts ständig aufgewacht, weil mir die Idee im Kopf herumgeschwirrt ist. Ich musste diese Firma einfach gründen. Außerdem habe ich so viele Dinge gelernt, die ich in einem traditionellen Konzern niemals gelernt hätte.

Bild: Leetchi