Paula Schwarz lässt nicht locker. Erst im August bekam die 25-jährige Berliner Gründerin viel Aufmerksamkeit für ihre Initiative Startup Boat, bei der Startup-Gründer, Mitarbeiter und Berater zusammen auf einem Boot in Griechenland nach Lösungen für die Flüchtlingskrise tüftelten. Im Oktober wird das zweite Boot unterwegs sein.

Doch zunächst startet Schwarz erst einmal ihre nächste Initiative: Am Samstag eröffnet sie gemeinsam mit Henrik Matthies und Katharina Dermühl, die bei der ersten Tour mit auf dem Startup Boat waren, sowie Tillmann Dietrich und Lisanne Raderschall den Berliner Migration Hub. In dem Coworking-Space sollen Startups Arbeitsplätze bekommen, die sich mit Flüchtlingskrise und Integration von Einwanderern beschäftigen.

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Das sind die bekannten Eckdaten. Da bleiben einige Fragen offen. Paula Schwarz hat sie uns beantwortet.

Paula, wie ist die Idee für den Migration Hub entstanden?

Nachdem die Crew des Startup Boat wieder heimgekehrt war, wurden wir von Mitgliedern vieler Initiativen kontaktiert, die an spannenden Ansätzen zur Verbesserung der Migrationskrise in und um Europa arbeiteten. Viele der Teams sitzen bisher nicht zusammen in einem Büro. Oft haben wir aber starke Überschneidungen in den Vorhaben einzelner Aktivisten und Unternehmer. Deswegen haben wir beschlossen, einen Raum zu schaffen, in dem sich Engagierte begegnen, austauschen und kennenlernen können, um Synergien zu schaffen und gemeinsam mehr zu erreichen.

Müssen sich passende Projekte bei Euch bewerben oder wie läuft die Aufnahme ab?

Allgemein wird im Migration Hub eine Open Door Policy hochgehalten. Das heißt: Alle Projekte, Unternehmen und Initiativen, die die Räumlichkeiten nutzen möchten, sollten einen nachvollziehbaren Bezug zum Thema Migration oder der Flüchtlingskrise in Europa haben. Wir können nicht versprechen, rund um die Uhr geöffnet zu bleiben, tun aber unser Möglichstes, um Mittel und Wege zu finden, den Ort so lange wie möglich für Engagierte nutzbar zu machen.

Wie groß sind die Räumlichkeiten in der Potsdamer Straße?

Insgesamt bietet der Migration Hub auf einer großen Arbeitsfläche Platz für etwa 20 bis ­30 Arbeitsplätze. Es gibt einen großen Meeting-Raum mit 45 Quadratmetern, sowie einen mittelgroßen Raum mit 25 Quadratmetern und eine kleinen mit 20 Quadratmetern. Interessierte können die Räume auch im vorhinein per Email buchen.

Wie finanziert Ihr den Migration Hub?

Wir arbeiten alle ehrenamtlich, das ist unser zivilgesellschaftliches Engagement. Wir glauben, dass sich jeder mit seinen Fähigkeiten in die Bewältigung der Flüchtlingskrise einbringen soll. Wir sind gut darin, Menschen zu verbinden, Synergien aufzuzeigen und Geschäftsmodelle zu entwickeln, damit Initiativen autark bestehen können und über Berlin und Deutschland hinaus wachsen können. Die Räume in Berlin werden von meinem Unternehmen Exponential Network bis Ende 2015 finanziert. Ab 2016 werden wir in ein neues Büro ziehen. Zu gegebener Zeit werden wir eine Fundraising-Kampagne starten und hoffen auch jetzt schon auf viel Unterstützung aus der deutschen Unternehmerlandschaft und Politik.

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Ihr wollt weitere Migration Hubs aufbauen. Wo soll der nächste Coworking-Space entstehen?

Der jetzige Migration Hub ist ein Pop-up-Workspace, dessen Aufbau innerhalb von wenigen Tagen beschlossen wurde. Wir werden uns dafür einsetzen, dass besonders an jenen Orten
Migration Hubs entstehen, an denen die im Berliner Hub ansässigen Initiativen wirken möchten oder weiter aufgebaut werden, um das Wachstum von Projekten und den Austausch von Teams überregional zu fördern. Aktivisten in Athen und Istanbul, beides zentrale Knotenpunkte für die Ankunft von Flüchtlingen in Europa, haben bereits großes Interesse am Konzept des Migration Hub in Berlin gezeigt. Momentan sind wir allerdings darauf fokussiert, das Konzept rund um die Migration Hubs noch weiter auszubauen. Beispielsweise möchten wir für spannende Veranstaltungen und Aktionen zu uns einladen.

Braucht Ihr noch Unterstützung?

Aktuelle koordiniere ich den Migration Hub gemeinsam mit Henrik Matthies, Katharina Dermühl, Tillmann Dietrich und Lisanne Raderschall. Wir freuen uns über weitere Menschen, die sich organisatorisch einbringen wollen.

Vielen Dank für das Interview, Paula.

Der Migration Hub wird am Samstag, 19. September 2015, in der Potsdamer Straße 144 um 17 Uhr eröffnet. Hier geht’s zu der Facebook-Seite des Events. 

Bild: Migration Hub