Max Wittrock gründete zusammen mit Hubertus Bessau und Philipp Kraiss MyMuesli

Es ist eine der großen Erfolgsgeschichten der deutschen Startup-Szene: Der erstaunliche Aufstieg der Passauer Müsli-Mixer MyMuesli. Zahlreiche Gründer in Deutschland blicken auf zu Max Wittrock, Hubertus Bessau und Philipp Kraiss, die im Studium auf die Idee zu ihrem Startup kamen.

Das war vor neun Jahren. Und MyMuesli wächst weiter, von Beginn an profitabel – und immer noch geführt von den Gründern. Heute hat das Unternehmen 650 Mitarbeiter in Passau und Berlin. Neben Müsli verkaufen die Gründer mittlerweile Saftorangen über Oh!saft, Kaffee über Green Cup Coffee oder Bio-Tee von Tree of Tea.

Das Beeindruckende: Noch Ende vergangenen Jahres gehörte MyMuesli ausschließlich den Gründern. Bis auf zwei Business Angels, Lukasz Gadowski und Kolja Hebenstreit, die die Gründer im Jahr 2013 wieder aus ihrem Startup heraus kauften, hatten sie nie Investoren an Bord – und finanzierten sich ausschließlich mit Bank-Krediten und Geld von Gründerwettbewerben.

Vor einer Woche gab MyMuesli bekannt, rund ein Drittel der Anteile an den Hamburger Investor Genui verkauft zu haben. Ein großer und überraschender Schritt. Wir haben Gründer Max Wittrock interviewt und ihn zu den Hintergründen und seinen Tipps für junge Gründer befragt.

Max, warum habt ihr ausgerechnet jetzt ein Drittel der Anteile verkauft?

Wir kennen Genui und vor allem deren Partner Patrick Gehlen schon sehr lange. Wir haben mit ihm erst einmal relativ ausführlich nur über unsere Strategie gesprochen, weil wir ja gar nicht aktiv auf der Suche nach einem Investor waren. Dann haben wir aber gemeinsam eine gute langfristige Vision entwickelt und die Partnerschaft beschlossen.

Wie viel Geld habt ihr für die verkauften Anteile bekommen?

Dazu kann ich leider nichts sagen.

Ihr habt nun neues Kapital und einen neuen Partner. Was passiert jetzt?

Wir wachsen immer noch sehr stark und wollen diesen Kurs beibehalten. Wir sind am 30. April dann neun Jahre am Markt, deswegen müssen wir einige Investitionen tätigen, um das Wachstum aufrecht zu halten. Beispielsweise bei unserer Produktion, wo wir neue Maschinen und Logistikstrukturen aufbauen, was sehr teuer ist. Außerdem wollen wir international wachsen, zuerst in den Niederlanden und Schweden. Außerdem benötigen wir das Kapital, um weitere Stores zu eröffnen.

Wie viele Geschäfte plant ihr in Deutschland?

Aktuell haben wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz 36 Läden, von denen wir 20 im vergangenen Jahr eröffnet haben. Ende dieses Jahres wollen wir mindestens 50 Läden betreiben, wenn wir gute Objekte finden.

Seid ihr überhaupt noch ein Online-Unternehmen?

Wir trennen nicht so strikt zwischen Online und Offline, sondern nur zwischen unseren eigenen Kanälen und fremden, wie beispielsweise den Supermärkten. Wir können also sagen, dass wir deutlich mehr als die Hälfte des Umsatzes über den Onlineshop und die eigenen Stores machen. Das ist auch gewollt und das wird auch so bleiben.

Seid ihr schon ein Mittelständler?

Naja (lacht). Wir sehen uns schon noch als Startup, weil wir einfach noch sehr viel lernen müssen und es auch gut ist, wenn vieles unfertig ist. Aber natürlich wären wir auch gerne ein Mittelständler, weil der Mittelstand ja den Wirtschaftsstandort Deutschland prägt. Und da gibt es schließlich einige Vorbilder und Unternehmen, die Weltmarktführer in ihrem Bereich sind.

Die Firma gehörte euch im Herbst noch zu 100 Prozent. Fühlt es sich anders an, weil ihr ein Drittel verkauft habt?

Es fühlt sich noch sehr frisch an, insofern könnte ich die Frage in einem halben Jahr besser beantworten. Ich bin gespannt, wie die Zusammenarbeit funktioniert, wenn die ersten Probleme aufkommen oder unangenehme Entscheidungen getroffen werden müssen. Aber da habe ich ein sehr gutes Gefühl.

Du hast schon mehreren Gründern davon abgeraten, zu früh Investoren an Bord zu holen. Wieso?

Ich muss vorweg sagen, dass ich kein Experte für Startup-Investments bin. Aber für uns war es eine sehr gute Entscheidung, dass wir so lange mit der ersten Finanzierung gewartet haben. Ich kann also mit gutem Gewissen sagen, dass jeder Gründer immer den Proof of Concept abwarten sollte.

Was meinst du konkret damit?

Ich meine damit, dass man sich nicht zu früh unter Wert verkaufen sollte. Wichtig ist immer, dass man bei Gesprächen mit Investoren nicht mit dem Rücken zur Wand steht, sondern eine freie Entscheidung treffen kann, die auch zu der Strategie passt. Das kann man meines Wissens nur, wenn man weiß, wie gut das eigene Produkt funktioniert und ob die eigenen Ziele erreicht werden konnten. Natürlich ist die Bewertung, zu der Investoren einsteigen, viel höher, wenn man anfangs aus eigener Kraft wächst. Außerdem ist man immer selbstbewusster in Gesprächen – das ist auch wichtig.

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Wie lange sollten Startups also warten, bis sie Investoren an Bord holen?

Das lässt sich schlecht verallgemeinern. Einige Startups starten sofort durch und zeigen sehr schnell, dass ihr Modell funktioniert. Andere brauchen dafür länger. Und einige funktionieren am Anfang super, aber dann flacht der Hype schnell ab. Allerdings darf man nicht unterschätzen, dass Investoren und Angels auch gute Berater sind, die einem wirklich weiterhelfen können.

Ihr habt vor neun Jahren gegründet. Seid ihr noch so motiviert wie am Anfang?

Tatsächlich hatten wir drei vor einigen Jahren, so etwa 2012 oder 2013, mal eine Phase, in der wir uns gefragt haben, wohin das alles eigentlich führt. Das war vor dem Storewachstum und bevor es MyMuesli in Supermärkten gab. Da haben wir gemerkt, dass wir immer dringender einen konkreten Plan und Ziele brauchen und die Lernkurve für die eigene Motivation weiterhin extrem hoch sein muss. Das haben wir hinbekommen.

Gibt es Momente, in denen ihr selbst überrascht seid, dass es so gut funktioniert hat?

Ja, klar! Ständig! Wir waren zwar überzeugt, dass wir ein cooles Produkt haben, aber wussten nicht, ob wir nun 10 oder 10.000 Dosen verkaufen würden in den ersten Wochen. Und besonders krass ist es, wenn man nach all den Jahren einen Laden betritt, wo nur die eigenen Produkte stehen. Das ist unglaublich!

Habt ihr euch den Aufgaben immer gewachsen gefühlt? Oder wart ihr als Chefs von hunderten Mitarbeitern auch mal überfordert?

Ich glaube, wir bekommen es ganz gut hin, eine klare Vision für uns und das Team zu formulieren. Und wir blicken alle drei gerne in die Zukunft und treffen mutige Entscheidungen – das müssen Gründer können. Bei anderen Themen, die wir nicht so gut beherrschen, haben wir uns passende Mitarbeiter an Bord geholt – ohne ein richtig gutes Team funktioniert’s nicht.

Danke für das Interview, Max.

Bild: Victor Strasse