Das Intranet ist für viele Unternehmen das wichtigste interne Kommunikationsinstrument. Bisher meist als reine Mitteilungsplattform verwendet, wird der Ruf nach Kollaboration und Interaktion zunehmend lauter. Personalisierte Inhalte, offene Beitragsmöglichkeiten und Soziale Netzwerke sollen die Kommunikation im Unternehmen stärken. Man spricht in diesem Zusammenhang vom Intranet 2.0. 

IBM hat als Technologievorreiter den Schritt gewagt und sein Intranet zu einer kollaborativen, demokratischen Plattform umgebaut. Mitarbeiter können nun das Erscheinungsbild des Intranets je nach Interessen und Wünschen individuell gestalten. Sie können sich im firmeninternen sozialen Netzwerk verknüpfen, Lesezeichen austauschen sowie durch Blogging-Funktionen, Wikis und Foren aktiv an den Inhalten des Intranets beteiligen. 

Bevor Unternehmen allerdings ihr Intranet mit Web 2.0-Applikationen bereichern können, stehen sie vor der Frage, welche Art von System sie verwenden sollen. Ein traditionelles Web CMS (http://de.wikipedia.org/wiki/Web_Content_Management_System) oder moderne Soziale Software (http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Software). 

 

Web CMS vs. Soziale Software

Soziale Software (oder Enterprise 2.0) sind Plattformen, die der menschlichen Kommunikation und der Zusammenarbeit dienen und häufig eine Mischform aus CMS, Wiki und sozialem Netzwerk darstellen. Sie erzeugen einen Mehrwert aus der Kombination der drei Basisfunktionen Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement. Auch klassische Web CMS orientieren sich an diesem Trend und bieten offene Schnittstellen, die es ermöglichen, Web 2.0-Applikationen anzubinden. 

Soziale Software ist nicht als direkter Konkurrent zu Web CMS zu sehen. Vielmehr decken Web CMS und Soziale Software unterschiedliche Aufgabenbereiche ab und bieten verschiedene Vorteile. Web CMS ist für das zentrale erarbeiten und verwalten von Inhalten nach wie vor die erste Wahl, da Workflows, Prozesse und Versionstracking unterstützt werden. Soziale Software ist stark in der Kombination verschiedener Web 2.0-Technologien, Kollaboration und Interaktion stehen hier an erster Stelle.

Unternehmen müssen entscheiden worauf sie im Intranet das Hauptaugenmerk legen. Zwar mögen einige Mitarbeiter nach einer Intranet 2.0-Plattform rufen, in einem Unternehmen muss dies jedoch nicht automatisch heißen, dass es von der Mehrheit der Mitarbeiter unterstützt wird. Investiert man in eine Lösung die vom Beitrag seiner Benutzer lebt und wird diese nicht angenommen kann das neue Intranet schnell ein Fluch werden. Ein leeres Wiki ist bekanntlich schlimmer als gar kein Wiki. Eine gründliche Anforderungsanalyse mit ausführlichen Interviews und Use Cases ist Voraussetzung für ein erfolgreiches Intranet 2.0.

 

Möglichkeiten für Startups

Viele Startups bieten Web 2.0-Applikationen, die sich wunderbar für das Intranet eignen und Unternehmen einen echten Mehrwert bieten. Leider konzentrieren sich Startups häufig auf das Internet als alleinige Vertriebsplattform und lassen die Möglichkeit völlig außer Acht, ihre Lösungen auch für Unternehmen zu öffnen. Dabei bieten diese nicht nur finanzielle Sicherheiten, sondern auch eine gute Plattform, um das Produkt an neue User heranzutragen. Während man im Internet aufgrund der starken Konkurrenz um jeden User buhlen muss, sind Mitarbeiter im Unternehmen dankbar für jede im Intranet vorhandene Lösung.

Auch bieten Intranets noch Märkte, wo im Internet schon lange die Schlacht geschlagen ist. Hier möchte ich als Beispiel Soziale Netzwerke wie Xing oder Facebook nennen. Viele Unternehmen würden gerne direkt an deren Systeme andocken, selbige bieten aber keine Schnittstellen oder gar dedizierte Lösungen für Unternehmen. Nischenprodukte haben hier also durchaus Aussicht auf Erfolg, solange sie sich gut anbinden/integrieren lassen und offene Schnittstellen anbieten. 

Neben offenen Schnittstellen spielt die Anpassung an unternehmensspezifische Ansprüche eine wichtige Rolle. Folgende Punkte sind dabei besonders zu beachten:

 

1. (Daten) Sicherheit: Ein Intranet beinhaltet businesskritische Inhalte, welche unter keinen Umständen das Unternehmen verlassen dürfen. Somit müssen Infrastruktur und Applikation den Sicherheitsansprüchen des Unternehmens entsprechen.

2. Kontrolle: Ein Unternehmen wird eine Applikation nur dann einsetzen, wenn diese von intern kontrollierbar ist. Der reibungslose Ablauf des Tagesgeschäfts muss gewährleistet sein.

3. Erscheinungsbild: Auf Corporate Identity (CI) wird viel Wert gelegt, eine Anpassung des Erscheinungsbildes sollte daher gegeben sein. Wer geschickt ist verkauft diese Dienstleistung zusammen mit dem Produkt und schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe.

 

Diese drei Punkte sehe ich als Grundvoraussetzung, um ein Unternehmen für sich zu gewinnen. Startups, die ihre Applikationen für Unternehmen öffnen wollen, rate ich sich genau zu überlegen, welchen Mehrwert sie einem Unternehmen bieten. Je besser und überzeugender die Begründung desto aussichtsreicher die Chancen. 

Auch rate ich dazu, sich an den führenden Anbietern von Web CMS und Sozialer Software zu orientieren und eine Anbindung an deren Systeme zu gewährleisten. Noch besser ist es eine Zusammenarbeit zu forcieren, um so eine Win-Win-Situation zu erzeugen. Während das Startup davon profitiert einen starken (Vertriebs)Partner zu haben, profitiert der Anbieter von der Erweiterung des Portfolios. 

Ich hoffe mit dem Artikel hilfreiche Einblicke und Möglichkeiten zum Thema Intranet 2.0 aufgezeigt zu haben. Fragen, Anregungen, und Kritik sind herzlich willkommen. 

 

Über den Autor

Daniel arbeitete zwischen 2001 und 2008 als selbständiger Projektmanager im Bereich eMarketing. Seit Anfang 2008 ist er Management-Trainee bei der adidas-Group und hat die Konzept- und Evaluierungsphase für das Intranet der adidas-Group begleitet.  Er hat Computer Science und Media Technology an der Växjö University (Schweden) und der TU Wien studiert.
Kontakt zu Daniel könnt ihr über www.danielputz.de herstellen.