Die Sieger von Coldplasmatech: Carsten Mahrenholz, Stephan Krafczyk und René „Dr. Plasma“ Bussiahn

„Die besten Steaks der Welt“

„Hat jemand zufällig einen Lötkolben dabei?“ Maik-Julian Büker von der WiTech GmbH stellt ein blinkendes, sehr handgemacht wirkendes Gerät auf den Tisch der Jury. Doch irgendetwas blinkt wohl nicht so, wie es soll. Bei der Invention, dem Gründerpreis der deutschen Familienunternehmen, ging es eher rustikal zu. Nur eines der acht Startup-Unternehmen, die es bis in das Finale im Axel-Springer-Haus in Berlin geschafft hatten, stellt ein digitales Produkt her. WiTech bastelt an einer kabellosen Zukunft – und will es ermöglichen, dass elektronische Geräte schon bald ohne Kabel mit Strom und Daten versorgt werden. Sie werden einfach nur auf einer Tischfläche abgelegt und werden per Induktion versorgt.

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Ein paar Minuten zuvor stand ein Gerät auf dem Tisch, das entfernt an eine Kaffeemaschine erinnerte. Mit dem sogenannten Beefer soll es möglich sein, in zwei Mal 45 Sekunden ein perfektes Steak zu grillen. Der Anspruch der Beefer Grillgeräte GmbH ist hoch: „Mit dem Beefer grillen Sie die besten Steaks der Welt“, versprechen die drei Macher. Bis jetzt sind 800 Grad Temperatur und diese Geschwindigkeiten nur mit speziellen und sehr teuren Geräten möglich, die in der gehobenen Gastronomie eingesetzt werden. Ihre Anregung bekamen das Beefer-Team bei einem guten Stück Fleisch in einem feudalen New Yorker Steakhaus. Die hohe Temperatur sorgt für eine Karamellisierung der Fleischoberfläche und Knusprigkeit, die man auf dem normalen Grill oder in der Pfanne nicht hinbekommt. Der Jury lief schon das Wasser im Munde zusammen. Leider musste auf Kostproben in der Kürze der Zeit – jedes Team hatte nur 10 Minuten für den Pitch – verzichtet werden.

Sieger und Jurymitglieder: Marius Rosenberg, CEO der Medical Adhesive Revolution GmbH, Jurymitglied Lencke Steiner, geschäftsführende Gesellschafterin der W-Pack GmbH und Bundesvorsitzende des Wirtschaftsverbandes Die Jungen Unternehmer, Dirk Müller-Remus, Gründer und Geschäftsführer der Auticon GmbH, die drei Chefs der Siegerfirma Coldplasmatech, Jurymitglied Beat Balzli, Chefredaktion der Welt

Eine weitere eindrucksvolle Gerätschaft präsentierte Sinn Power Wave Technology. Mit Hilfe einer beweglichen Schwimmboje will Chef und Erfinder Philipp Sinn aus der Kraft der Wellen Energie für Küstenregionen gewinnen. Das Mini-Modell seiner Technik konnte sofort überzeugen und warf lediglich die Frage auf, warum noch niemand zuvor auf diese Lösung gekommen war. Die Boje läuft durch die Kraft der Wellen an einer Stange auf und ab und erzeugt wie ein Dynamo am Fahrrad Strom. Das erste modulare System soll bereits Ende kommenden Jahres im Meer schwimmen. Kunden sollen zunächst Hotelanlagen in abgelegenen Gebieten sein, die sich bis jetzt mit Dieselgeneratoren versorgen.

Doch diese drei tollen Ideen reichten nicht aus, um auf das Siegertreppchen der Invention zu gelangen. Die Konkurrenz war noch eine Spur stärker. Sieger und damit Gewinner von 20.000 Euro wurde Coldplasmatech aus Greifswald. Mit einer neuen Technik machen es die Plasmatechniker möglich, chronische Wunden zu heilen, die heute als kaum noch therapierbar angesehen werden. Dabei werden die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt. Außerdem soll es mit kaltem Plasma möglich sein, multiresistente Keime zu töten. Diese Keime sind vor allem in Krankenhäusern ein Problem und durch Antiobiotika immer schwieriger in den Griff zu bekommen. Die Gründer der Firma, René Bussiahn, Stephan Krafczyk und Carsten Mahrenholz, waren überrascht über ihren Sieg. Mahrenholz: „Es handelt sich um komplizierte Technik, die nicht so leicht zu verstehen ist. Die Phantasie der Jury reichte offenbar trotzdem aus, um zu verstehen, dass dieses Produkt helfen kann Leiden zu verringern und Menschen zu heilen.

Auf dem zweiten Platz landete die Auticon GmbH. Auticon beschäftigt als Beratungsunternehmen ausschließlich Menschen mit autistischen Störungen wie zum Beispiel dem Asperger Syndrom. Diese Menschen haben häufig einen sehr hohen Intelligenzquotienten oder Spezialbegabungen, können sich aber in einem sozialen Umfeld wie einer Firma nur schlecht bewegen. Dabei helfen ihnen Coaches. Besonders für die Bereiche IT und Big Data vermittelt Auticon jetzt schon sehr erfolgreich Mitarbeiter.

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Bronze ging an ein weiteres Unternehmen aus dem Bereich Medizintechnik: Medical Adhsive Revolution GmbH. Mit einem neuen Kleber soll es möglich sein, Wunden im und am Körper besser zu schließen. Es werden weniger Narben hinterlassen und der Kleber baut sich je nach Zusammensetzung nach Tagen oder Wochen wieder ab und hinterlässt keine Rückstände im Körper. Kunden sind Krankenhäuser, plastische Chirurgen und Rettungsdienste. CEO Marius Rosenberg klebte vor den Augen der Jury zwei Fleischstücke zusammen.

Außerdem im Finale dabei waren die Gini GmbH, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz die wichtigsten Daten aus Papierdokumenten auslesen und digital weiterverarbeitbar machen will. Die Firma Tado setzt auf das Internet der Dinge und beschäftigt sich mit intelligenter Heiztechnik. Der smarte Thermostat von Tado erkennt, wo die Bewohner des Hauses sich gerade aufhalten, berücksichtigt Wetterdaten und soll so für Wohnkomfort und Energieersparnis sorgen.

Wunderkleber, Schwimmbojen, schweres Grillgerät, Plasmawundauflagen, Thermostaten – bei der Invention wehte eher der Geist von Daniel Düsentrieb als der von Steve Jobs durch die Räume. Die Siegerfirma Plasmatech will mit ihrer Erfindung jedenfalls helfen, diese Welt, gerade für kranke Menschen, zu einem besseren Ort zu machen. Hoffentlich können die 20.000 Euro Siegerprämie ein bisschen dazu beitragen.

Disclaimer: Der Autor war Mitglied der Jury; Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media GmbH, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media GmbH hier: www.vmpublishing.com; Foto: Invention