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Das Startup Genome Project aus dem Silicon Valley will das weltweite Startup-Ökosystem auf die nächste Stufe heben: Aus mehr als 17.000 Datensets entwickelt ein Team aus jungen Gründern Werkzeuge, um datengestützt bessere und schnellere Entscheidung beim Aufbau von Startups zu treffen. Ihr neuester Streich: Der Investor Compass, ein Investorentool zum effizienten Überwachen des Portfolios.

Startup Genome straft Berlin ab

Nicht zuletzt angetrieben durch die weltweiten E-Commerce-Erfolge der Samwer-Brüder stieg Berlin in den letzten Jahren, besonders im Selbstverständnis seiner Bewohner, zur glorreichen Startup-Metropole auf. Drei Jungs aus dem Silicon Valley hielten nicht viel vom Startup-Gossip, erhoben eine Menge Daten und veröffentlichten Anfang April eine Studie, die Berlin wie einen Schlag ins Gesicht traf: Im Startup-Ranking der weltweit besten Tech-Hubs fand sich wie zu erwarten das Valley auf der Top-Position, Berlin folgte auf einem lahmen 17. Platz – noch hinter Madrid und Vancouver.

startup-hubs

Das Startup Genome Project ist ein Forschungsprojekt, das sich zum Ziel gemacht hat, datengestützte Antworten auf die Frage zu finden, wie man Tech-Startups zum Erfolg führt. Ins Leben gerufen wurde das ambitionierte Projekt aus der Bay Area von drei jungen Gründern: Max Marmer, Björn Herrmann (studierte in Mannheim) und Ertan Dogrultan.

Mehr als 17.000 Startups analysiert

74 Prozent aller Gründungen scheitern, weil das Unternehmen zu früh skaliert wird – dies war das Ergebnis des ersten Startup Genome Reports, den die drei Gründer aus der Analyse von mehr als 3200 Startups erstellten. Basierend auf der Annahme, dass sich die Lage eines Startups anhand der fünf Säulen Kunde, Produkt, Team, Geschäftsmodell und Finanzen beurteilen lässt, entwickelte das Team eine Web-App für Startups.

Einmal im Startup Genome Compass angemeldet können junge Unternehmen sehen, wie sie im Vergleich zu anderen Gründungen aufgestellt sind und an welchen Punkten möglicherweise noch gearbeitet werden sollte bevor man das Wachstum mit Risikokapital hebelt.

Ohne Frage bediente das Startup-Genome-Team mit seiner App eine Nachfrage und innerhalb kürzester Zeit sammelten sich in der Datenbank des Startup Compass mehr als 17.000 Datensets – eine Grundlage um durchaus valide Entscheidungshilfen zu entwickeln. In kürze steht das nächste Update für den Startup Compass an: durch eine Schnittstelle zu Google Analytics erhebt der Startup Compass große Mengen an Daten automatisch und erspart den Gründern somit wertvolle Zeit.

Investor Compass unterstützt die Geldgeber

„It takes a village to raise a child and it takes an ecosystem to create a startup“, begründet das Startup Genome Project seinen neuesten Schritt: Um das weltweite Startup-Ökosystem zu stärken, entwickeln Marmer und Herrmann nach dem Erfolg des Startup Compass nun auch ein Werkzeug für Investoren, den Investor Compass:

We built this product because so many startups were sharing their Startup Compass benchmark with their investors to align their strategic decision making. Since the investor-entrepreneur relationship is a big part of startup success, we wanted to build a data driven tool for investors to interact more efficiently with startups.

Der Investor Compass ermöglicht es Investoren, Beratern und Dienstleistern den Fortschritt aller Unternehmen mit denen sie arbeiten zu verfolgen, sofern diese ihre Unternehmenskennzahlen in den Startup Compass eingepflegt haben.

Dashboard of Investor Compass

Das Tool bietet eine Reihe automatisierter Analysen, unter anderem farbcodierte Benchmarks und Risikoanalysen zur Skalierung. Der Überblick per Dashboard soll den Investoren helfen, die Performance des eigenen Portfolios besser zu überblicken um wichtige Entscheidungen schneller treffen zu können.

Es bleibt fraglich, ob sich das Modell des Cloud-basierten Monitoring auch in der Datenschutznation Deutschland durchsetzen wird. Im internationalen vergleich ist Deutschland ein Markt, der prinzipiell lieber gründlich Risiken abwägt, als Chancen schnell zu nutzen. Es scheint somit eher unwahrscheinlich, dass Unternehmen und vor allem tendenziell reserviertere Investoren ihre Assets, die Firmendaten, vermeintlich unsicher auf fremden Servern platzieren, „nur“ um dadurch möglicherweise Fehler zu entdecken, die sie ohne die Auswertungen von Marmer und Herrmann nicht erkannt hätten.

Schon Oliver Samwer wusste in seiner berühmten Blitzkrieg-Mail: „If I see (…)that you are not data driven, (…) then I get angry“– Sind Daten König?

Bildmaterial: michael andre may  / pixelio.de