Investorenfindung

Was: Eigenkapital vs. Fremdmittel

Immer wieder werde ich gefragt, welchen Investor ich denn für dieses oder jenes Thema empfehlen würde. Am Ende des Tages ist dies zumeist eine sehr individuelle Frage, die auch stark von den beteiligten Charakteren und dem Thema abhängt. Dennoch möchte ich mit diesem Beitrag ein paar Anregungen geben, welche Schritte bei der Investorenwahl wichtig und sinnvoll zu beachten sind. Dazu ist es vor allem notwendig, sich klar zu werden, was man will. Deshalb werde ich einen großen Teil dieses Beitrags der Betrachtung der unterschiedlichen Investorenarten widmen und welche Implikationen diese mitbringen.

Zur Finanzierung der eigenen Gründung sind unterschiedliche Wege denkbar. Viele Gründer greifen instinktiv sicher zu einer Finanzierung aus Eigenmitteln, was den Vorteil der völligen Unabhängigkeit bedeutet und häufig dazu führt, dass wesentlich sparsamer mit dem eigenen Kapital umgegangen wird. Doch nicht ein jeder verfügt über große Kapitalmengen und gleichzeitig bieten externe Geldgeber einen weiteren wichtigen Wert: Tempo. Mit ausreichend Kapital können die gleichen Entwicklungen in weniger Zeit vorgenommen werden.

Ein guter Zwischenschritt vor der Aufnahme von Kapital sind Fördermittel, die zumeist von staatlichen Einrichtungen vergeben werden und ohne eine Aufforderung zur Rückzahlung vergeben werden. Fördermittel sind also ein monetäres Geschenk, für dessen Erhalt in der Regel aber auch einige (bürokratische) Hürden genommen werden müssen. Oftmals stellt sich bei Fördermitteln die Frage, ob der Aufwand den Nutzen lohnt. Denn für gewöhnlich binden die entsprechenden Anträge einiges an Zeit und Management-Kapazität. Schnell landet ein ambitionierter Gründer so also doch bei externen Finanzierungen.

Monetarisierungswege

Externe Mittel können etwa als Kredit von Banken oder Freunden aufgenommen werden. Doch während Banken häufig kein Verständnis für Startup-Belange aufbringen und durch das zu hohe Risiko eine Finanzierung meist ablehnen, verbindet sich mit einem Kredit auch stets das Risiko von Schulden, wenn das eigene Unternehmen floppt. Bis zu einem gewissen Punkt können Geldanleihen bei Freunden und der eigenen Familie Abhilfe schaffen, allerdings ist der damit verbundene soziale Druck sicher nicht für jeden angenehm.

Womit wir beim Thema Venture Capital oder zu Deutsch Risikokapital wären. Venture Capital meint eine Finanzierungsform, bei der ein Geldgeber Kapital im Austausch gegen Firmenanteile vergibt. Es besteht darüber hinaus kein Schuldverhältnis, sondern ein Risikokapital-Investment trägt sich allein aus der Aussicht auf einen attraktiven Wertzuwachs im Erfolgsfall. Wegen des geringeren Risikos entscheiden sich daher viele Startup-Gründer für eine Finanzierung durch Venture Capital.

Wen: Arten von VC-Investoren

Wenn wir uns jetzt nur einmal dem Bereich Venture Capital widmen, gibt es dort unterschiedliche Investorentypen:

  • Business Angel: Ein Business Angel investiert in frühen Phasen eher kleinere Beträge (typischerweise zwischen 10.000 und 100.000 Euro), hilft darüber hinaus aber aktiv, indem er sein Netzwerk und Know-how einbringt.
  • Accelerator: Acceleratoren sind Mentoren-Programme mit begrenzter Laufzeit, die ebenfalls in frühen Phasen kleinere Summen (typischerweise zwischen 50.000 und 250.000 Euro) investieren und über ihr Investment hinaus mit Kontakten und operativ-strategischer Anleitung unterstützen.
  • Inkubator: Ein Inkubator ist eine Art Startup-Fabrik, die Ideen, Teams, Prozesse und Ideenkontakte im Austausch gegen höhere Beteiligungen liefert. Inkubatoren investieren selbst auch Kapital (typischerweise zwischen 25.000 und 500.000 Euro), zeichnen sich aber vor allem dadurch aus, dass sie operativ bei der Umsetzung einer Idee unterstützen und wie eine Art Full-Service-Dienstleister auftreten.
  • Venture Capitalist: Bei einem Venture Capitalist handelt es sich um einen institutionellen Geldgeber, dessen Geschäft darin besteht, dass er zumeist gepoolte Gelder investiert und mit entsprechendem Wertzuwachs seine Beteiligungen wieder veräußert. Venture Capitalists investieren für gewöhnlich deutlich höhere Summen (typischerweise zwischen 500.000 und vier Millionen Euro oder mehr) und werden in späteren Phasen aktiv. Venture Capitalists bringen ein höheres Maß an Professionalität in ein Unternehmen und fordern zumeist umfangreiche Mitbestimmungsrechte ein. Ihr Aktivitätsgrad im operativen Geschäft bleibt aber zumeist begrenzt.
  • Crowdfunding: Beim Crowdfunding handelt es sich um eine Finanzierung durch viele Privatanleger, die über eine Plattform gebündelt werden, die dann stellvertretend für seine partizipierenden Nutzer Anteile hält. Über eine Crowdfunding-Kampagne können Startups Gelder für sich einwerben, was gleichzeitig einen nicht unerheblichen PR-Effekt bedeutet.

Welcher dieser Investorentypen sich am besten eignet, hängt letztlich vom Status der eigenen Gründung und dessen jeweiliger Phase ab.

Wann: Gründungsphasen

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Am anschaulichsten lässt sich die Bedeutung der einzelnen Investorentypen mit Blick auf die unterschiedlichen Finanzierungsphasen nachvollziehen. In der frühen Phase einer Gründung (Early Stage), zu der in der Regel nur ein Gründungsteam und eine vage Geschäftsidee vorhanden sind, ist das mit der Finanzierung des Unternehmens verbundene Risiko sehr hoch, zumal es an Marktkenntnis und Wertschöpfung fehlt. Dementsprechend fällt die zugrunde liegende Unternehmensbewertung deutlich niedriger aus, als dies zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist. Ein Startup gibt zu diesem frühen Zeitpunkt also verhältnismäßig viele Firmenanteile ab und erhält kleinere Kapitalsummen zu niedrigen Bewertungen.

Entwicklung Finanzierungsaspekte

Für gewöhnlich werden jene frühen Finanzierungen deshalb von Business-Angels, Acceleratoren oder Inkubatoren getragen, da es diesen in der Regel nicht möglich ist, hohe Kapitalsummen aufzubringen, sie dies aber durch Mentoring, Kontaktanbahnungen und Wissenstransfer kompensieren können. Ihr Partizipationsgrad ist also ungleich höher und erstreckt sich über die reine Finanzierung hinaus auch auf die operative Unterstützung bei der Geschäftsentwicklung.

Mit der Zeit blickt ein Startup schließlich auf eine gewissen Wertschöpfung, was einerseits ein wachsendes Verständnis für das eigene Geschäft(smodell) meint, vor allem aber Assets wie Kapital, Umsatzsteigerungen oder Sicherheiten wie Einrichtungen und IP (Intellectual Property). In späteren Phasen (Later Stage) sinkt also das Risiko, während gleichzeitig der Finanzierungsbedarf steigt, zumal ein größeres Unternehmen auch größerer Kapitalmengen bedarf, um im gleichen Tempo wachsen zu können.

Finanzierungsphasen

In späteren Finanzierungsphasen treten Inkubatoren, Acceleratoren und Business-Angel also zumeist zurück und lassen Venture-Capitalists den Vortritt, weil diese größere Tickets beisteuern können und über ein breites Kontaktnetzwerk verfügen. Über das Vermitteln von Kontakten hinaus bleiben VCs aber meist sehr passiv und konzentrieren sich auf die Zahlenanalyse anhand der regelmäßigen Investoren- und Boardmeetings mit den unterschiedlichen Startups.

Mit diesem Schritt steigt die Professionalisierung eines Unternehmens und es werden zumeist umfangreiche Mitbestimmungsrechte abgegeben. Ich habe dieses Zusammenspiel der unterschiedlichen Finanzieruntsphasen kürzlich auch in einem etwa einstündigen Vortrag erläutert.

Wie: Worauf es bei Investoren zu achten gilt

Stefan Glänzer hat auf der Heureka das Verhältnis zum eigenen Investor einmal sehr passend zusammen gefasst: „It’s harder to get rid of your investor than your wife.“ Sprich: Die Verbindung mit einem Investor ist eine Gemeinschaft auf Lebenszeit – zumindest für das Unternehmen. Ein Investor sollte daher mit Bedacht gewählt werden, wobei ich die folgenden Aspekte abprüfen würde:

  • Netzwerk: Ein Investor sollte immer relevante Kontakte für ein Startup mitbringen können, dies können Geschäftspartner, andere Investoren, Medien, Kundensegmente, Dienstleister und einiges mehr sein.
  • Kompetenz: Da euer Geldgeber immer auch Sparringspartner für eure tägliche Arbeit sein wird, sollte er eure Tätigkeit auch verstehen. Seht zu, dass ihr immer mindestens einen Investor habt, der euch inhaltlich mit Erfahrung zur Seite stehen kann.
  • Track-Record: Machen wir uns nichts vor – mit einem Investor erhaltet ihr vor allem auch eine Bestätigung eures Geschäftsmodells und insofern dieser als euer Testimonial herhält, sollte er Standing haben. Dies kann sich an einem attraktiven Portfolio, ausgewiesener Kompetenz oder guten Kontakten festmachen.
  • Arbeitsweise: Interessiert euch immer dafür, wie ein Investor mit seinen Startups umgeht und seine Arbeit gestaltet – immerhin werdet ihr perspektivisch ein Teil dieser Arbeit sein.
  • Moral & Krisenverhalten: Erst in wirklichen Krisenzeiten zeigen viele Menschen ihr wahres Gesicht, versucht also ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Moralvorstellungen euer Investor hat und wie er sich wohl verhalten wird, wenn die Kacke am Dampfen ist.
  • Sympathiegrad: Einer der wichtigsten Punkte ist die Sympathie. Ihr werdet viel Zeit mit eurem Investor verbringen also sucht euch jemanden, der auch angenehm im Umgang ist und mit dem ihr kompatibel seid.
  • Finanzmittel: Ihr merkt es, die Frage, wie tief die Tasche des eigenen Geldgebers ist, steht am Ende, insofern es schon relevant ist, dass ein Geldgeber euch gegebenenfalls auch weitere Phasen finanzieren kann, zentral sollte aber die Frage nach den „weichen Faktoren“ oben sein.

Nun lautet die große Frage, wie sich diese Aspekte abfragen lassen. Ich würde folgende Vorgehensweisen vorschlagen:

  • Selbstdarstellung: Ein zentraler Punkt liegt darin, seine Hausaufgaben zu machen und die Webseite des betreffenden Investors aufmerksam zu lesen. Dies mag banal klingen, aber viele Gründer übersehen diesen Punkt und pitchen dann nicht selten mit Themen, die nicht einmal im Fokus des betreffenden Investors liegen.
  • Portfolio: Befragt andere Startups aus dem Portfolio des Investors zu diesen Punkten.
  • Events: unterhaltet euch auch mit anderen Akteuren in der Szene, indem ihr auf Events geht und dort das Thema Investoren zur Sprache bringt, nicht selten haben auch andere Gründer eine Meinung zu so manchem Investor.
  • Social-Media-Check: Wen hat der Betroffene Investor als Kontakte bei Facebook, Twitter oder Facebook? Wie inszeniert er sich?
  • Videos suchen: Praktisch jeder Investor sitzt dann und wann mal auf einem Panel oder ist Teil einer Startup-Jury. Durchforstet das Netz nach Videoaufzeichnungen oder Textdokumentationen dieser Auftritte, um euch ein Bild zu machen. Und wenn alle Stricke reißen, hat Gründerszene ja nahezu jeden Investor interviewt :-).
  • Fragen stellen: Viele Gründer freuen sich, wenn sie überhaupt jemand finanziert, doch der Austausch mit einem Investor bildet eine Beziehung, in der beide Seiten zufrieden sein sollten; deshalb traut euch ruhig, direkte Fragen nach den oben genannten Punkten zu stellen.
Bildmaterial: Gabi Schoenemann / pixelio.de

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