Das versprechen sich Startups vom neuen iOS 7

iOS 7: „Eine ganze Menge neuer und interessanter Features“

Was bringt Apples neues iOS außer neuen, bunten Icons und vielen grafischen Spielereien? Hat sich der ganze Trubel der vergangenen Wochen gelohnt oder finden die Neuerungen nur an der Oberfläche statt? Und haben Software-Anbieter etwas von den neuen iPhones? Gründerszene fragte einige iOS-Entwickler. Hier sind ihre Antworten:

Alexander Mamontov, Product Manager Diamond Dash bei Wooga

„iOS7 bietet für die Spiele-Industrie in der Tat eine ganze Menge neuer und interessanter Features, zum Beispiel neue UI Kits, mit denen man deutlich einfacher Menü-Animationen programmieren kann. Die große Neuerung ist aber wahrscheinlich, dass Apps automatisch aktualisiert werden: der Nutzer muss nicht mehr manuell Updates aus dem App Store laden.

Auch andere Updates, mit denen man zum Beispiel neue Levels oder Szenen laden kann, werden im Hintergrund durchgeführt. Im Spiel Diamond Dash heißt das, dass Highscorelisten mit den Punktzahlen der Freunde schon aktualisiert sind, wenn man die App startet und man nicht erst darauf warten muss.“

Johannes Marquart, Product Manager Mobile bei Meinestadt.de

„Für uns als Entwickler ist iOS immer noch eine der wichtigsten Plattformen – iOS 7 hält allerdings kaum interessante neue Zutaten bereit. Eventuell sind es kleine Ideen wie ein Fingerprint-Sensor, die perspektivisch neue Möglichkeiten schaffen. Ob iOS 7 neue Reichweite bringt, bleibt offen, schon allein aus dem Paradigmenwechsel beim Design. Und ohne die neuen Geräte wie iPhone 5C oder S genauer zu kennen ist hier auch wenig Schwung zu erwarten.

Apple hat im Mobilfunk schon immer drei Geräteklassen parallel angeboten – defakto ändert sich also nicht viel am Angebot. Wichtiger sind hier eher die Modelle der Mobilfunkprovider und deren Antwort auf die neue Palette. Apples Stärke liegt seither in einfacher Usability und wenig differenziertem Produktportfolio. Wie die Konsumenten auf Änderungen in diesen Bereichen reagieren ist fraglich, meiner Meinung nach werden wir allerdings keine erheblichen Auswirkungen sehen.“

Stefan Damm, Head of iOS Development bei Runtastic

„Die Einführung der sogenannten „iBeacons“ ist eine große Neuerung von iOS7. Dabei handelt es sich um einen speziellen Location Based Service auf Basis von Bluetooth Low Energy. Damit wird es in engen geografischen Räumen möglich, LBS in Anspruch zu nehmen. Beispielsweise kann dies von einem Retail Store dazu genutzt werden, iPhone Usern direkt im Geschäft Informationen zu Produkten anzuzeigen, in deren Nähe sie sich gerade befinden. Das heißt, dass diese User über die iBeacons etwa Informationen zu Uhren bekommen, wenn sie sich auch in der Uhrenabteilung befinden.

Anzeige
Für uns als Entwickler ist es besonders wichtig, dass auch die Developer-Tools für iOS7 deutlich verbessert wurden. Dadurch kann das UI dynamischer gestaltet und die Apps besser nach Sprachen oder unterschiedlichen Devices getargeted werden. Außerdem gibt es neue Maps API, anhand derer auch unterschiedliche Map-Anbieter und deren Services in die eigenen Apps integriert werden können. Für uns mit unseren vielen unterschiedlichen GPS-Tracking Apps ist das natürlich auch besonders wichtig.

Das iPhone 5S ist schneller und leistungsfähiger und verfügt über einen Fingerabdrucksensor. Wir sind der Meinung, dass hier eher die Kernzielgruppe von Apple angesprochen wird und hier nicht wirklich neue Schichten erschlossen werden können. Anders wird das möglicherweise mit dem iPhone 5C sein, wobei man nicht genau weiß, wofür das „C“ steht (Cheap, China, Children, Colour, …).

Auffallend ist aber, dass Apple zum ersten Mal neben Cupertino auch direkt in China die neuen Produkte vorstellt. Es liegt also Nahe, dass Apple mit dem iPhone 5C ganz stark den chinesischen Markt bearbeiten will. Für uns als Entwickler liefert das natürlich auch große Möglichkeiten, weil China ein unglaublich großes Potential birgt. Wir bearbeiten China schon seit längerem, mit dem iPhone 5C würde es aber eine weit größere potentielle Usergruppe geben, die wir dann auch aktiv ansprechen könnten.“

Lorenz Aschoff, Head of Product bei EyeEm

Update: In einem Video erklärt Lorenz Aschoff von EyeEm anhand einer neuen Version, wie das Berliner Foto-App-Startup die Benutzeroberfläche auf Basis der neuen Möglichkeiten von iOS 7 vollständig neu gestaltet hat.

Luis-Daniel Alegría, CEO bei Vamos

Technisch wird es uns die Einführung der sogenannten „iBeacons“ ermöglichen, ortsbasierte Veranstaltungshinweise granularer und genauer auszugeben, indem wir die Nutzer benachrichtigen, sobald ihre Freunde nahegelegene Veranstaltungsorte besuchen. Am konkreten Beispiel: Ein Nutzer kommt an einem Veranstaltungsort vorbei, an dem ein Freund einmal ein Event besuchte. Mit den neuen technischen Möglichkeiten können wir ihn das über eine Push-Meldung wissen lassen – solange beide die Funktion zugelassen haben.“

Kaya Taner, CEO bei Applift

„Was Mobile Marketing betrifft, muss iOS 7 im weiteren Kontext der Evolution von Apple’s Developer und App Store Policy betrachtet werden. Der erste Faktor ist eine neue Schwerpunktlegung auf die Privatsphäre der Nutzer. Nachdem zunächst die Verwendung von UDID’s und danach die von MAC-Adressen beanstandet wurde, bleibt nur noch der Apple eigene IDFA (anonymer Identifikator) als letzte Tracking-Möglichkeit auf Basis der Device-ID.

Ein weiterer Faktor ist Apple’s Versuch App Discovery, und damit das gesamte Developer-Ökosystem, zu verbessern. Mit iOS 7 wird der App Store um einen neuen, organischen Kanal für Discovery ergänzt. Dieser richtet sich nach Downloads und Nutzung (Apps Near Me). Gleichzeitig sieht es danach aus, dass qualitative Faktoren wie Retention und Bewertungen im Ranking-Algorithmus der App-Charts zunehmend an Gewicht gewinnen, auch wenn dies nicht direkt mit dem neuen OS zusammenhängt.

Insgesamt deutet alles auf eine nachhaltigere und reifere Herangehensweise zum Thema App Discovery hin, bei der Qualität mindestens genauso wichtig ist wie Quantität. Die App-Vermarkter müssen diese Änderungen jetzt schnell verstehen und sich auf die neue Situation einstellen.“

Bild: Apple