Von links: Knut Blind (Gründer & Business Advisor), Tim Pohlmann (Gründer & CEO), Dmitri Gerats (CTO), Rosann Brandt (COO)

Spätestens seit dem langwierigen Rechtsstreit zwischen Apple und Samsung ist die Aufmerksamkeit für das Thema Patente geschärft. Eine aktuelle Analyse des Berliner Startups IPlytics ergibt etwa, dass Tech-Unternehmen wie Dropbox oder Evernote zunehmend Patente anmelden oder kaufen – auch vor dem Hintergrund, nicht verklagt werden zu wollen. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Uber und Airbnb haben ihre Patente fast alle in den USA, Europa, China und Korea angemeldet, während sich Twitter und Snapchat nur auf die USA konzentrieren.

Schon diese zwei Ergebnisse verdeutlichen, dass sich aus der Patentstrategie eines Unternehmens wichtige Schlüsse ziehen lassen, etwa über die Kernmärkte oder die Technologie. IPlytics gibt mit seiner Big-Data-Lösung einen Überblick über Märkte und ihre Patente. Die Nutzer können sich die Ergebnisse auf der Software-as-a-Service-Plattform visualisieren lassen.

Anzeige
Vor etwas mehr als einem Jahr hat Gründer Tim Pohlmann das Unternehmen angemeldet – und das Startup arbeitet nach eigenen Angaben bereits profitabel. Nun investiert der High-Tech Gründerfonds eine halbe Million Euro in das Spin-off der TU Berlin, der halbstaatliche Fonds erhält dafür 15 Prozent der Anteile. An der Seedrunde beteiligen sich außerdem zwei Business Angels.

Pohlmann hat bereits für seine Doktorarbeit an Trends im Zusammenspiel von Standards und Patenten geforscht. So erstellte der Ökonom etwa für die Europäische Kommission eine Studie zu dem Thema. „Das hat uns mit vielen Unternehmen in Kontakt gebracht, die sehr an derartigen Analysen interessiert waren“, so Pohlmann in einem Zeitungsbericht. Letztlich habe dies den Anstoß für die Unternehmensgründung gegeben. Im Gründerzentrum der Universität startete er mit seiner Idee – und gewann bereits 2013 den Gründerwettbewerb IKT innovativ.

Marktpotential von 40 Milliarden US-Dollar

Mit dem Seedinvestment plant das Startup das Produkt weiterzuentwickeln und den Aufbau einer internationale Vertriebsstruktur, teilt das Unternehmen auf Nachfrage von Gründerszene mit. Den Markt schätzen die Berliner entsprechend groß ein: Erst kürzlich habe das vergleichbare kalifornische Market-Intelligence-Startup Quid eine Finanzierungsrunde in Höhe von 39 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Nach Schätzungen liege das globale Marktpotential bei 40 Milliarden US-Dollar, heißt es vom Unternehmen.

In einem monatlichen Abo können Nutzer auf die Online-Plattform von IPlytics zugreifen – und sich zu Technologietrends und Unternehmensaktivitäten informieren. Bei seiner Datenanalyse greift das Startup in Echtzeit auf öffentlich zugängliche Quellen wie Patentdatenbanken zurück. „Wir verstehen uns nicht als Datenanbieter, sondern als Lieferant von entscheidungsrelevanten Analyseergebnissen“, sagt CEO und Gründer Pohlmann.

Zu den Kunden gehören Siemens und LG

Vom HTGF-Investment erhofft sich der Gründer auch neue Kunden. „Die verschiedenen Industrieunternehmen des Investmentfonds stellen zu einem großen Teil unsere Kernzielgruppe“, sagt Pohlmann. Potentielle Kunden der SaaS-Lösungen würden aus ganz unterschiedlichen Branchen kommen, beispielsweise der Automobilindustrie oder aus dem IKT-Umfeld. Zu den Kunden gehören etwa Qualcomm, LG und Siemens. Für die Arbeit holt es sich das Startup wissenschaftliche Unterstützung: Die Berliner kooperieren mit Forschungseinrichtungen wie der Fraunhofer Gesellschaft, der TU Berlin, Paristech und der Northwestern University in Chicago.

Bild: IPlytics