Jahresrückblick, Jahresrückklick, 2010, drittes Quartal, Q3

Unternehmertum heißt immer auch Wettkampf, Konkurrenz, wer hat den längsten Atem. Dass stark kompetitiv veranlagte Gründer sich und ihre StartUps gerne auf den ersten Plätzen einschlägiger Ranglisten wiederfinden, ist somit nicht weiter verwunderlich. Doch wer besetzte die Top-Ränge 2010?

Von Engeln, Würsten und Moneten

Diese Frage beantwortet Gründerszene schon seit längerem mit der Beitragsreihe „Die beliebtesten Datenbankprofile“, die zu Anfang des dritten Quartals von Andre Alpar, Zalando und Rocket Internet angeführt wurden. Na, fällt was auf? Ja richtig! Alles ein Verein – Andre Alpar ist bei Rocket Internet fürs Online-Marketing zuständig, und Rocket ist Hauptanteilseigner von Zalando (www.zalando.de). Ein Samwer-Verein also, der das Jahr 2010 zu starken Teilen dominieren sollte.

Jetzt den Blick im Ranking weiter runter schweifen lassen. Genau so. Und Stopp! Da fällt einem auf Platz Fünf in feurigem Rot der Sexpartnerclub (www.sexpartnerclub.de) ins Auge. Wie bitte? Mit der Suche nach Bettbekanntschaften Geld verdienen? Ist doch nichts dabei, denn immerhin sind neben dem Samwer-Umfeld ja auch andere prominente Business-Angels mehr oder minder schamlos investiert.

Wachstum und Minus-Wachstum im deutschen Web

Nun aber genug der Schweinereien. Hopp hopp, weg von der Swingerplattform und rüber zur Fleischplatte. Oder: Was haben Wursthändler mit E-Commerce am Hut? Auch hier kommt einem als erstes das Maßband in den Sinn… Nix da, Haltung wahren, hier geht‘s um Cash. Einen anderen Grund wird es für Reinhold Zimmermann wohl nicht gegeben haben, einen Teil seines Vermögens bei dem Nischenshopbetreiber FP Commerce zu investieren. Immer wieder spannend zu sehen jedenfalls, wie an einer Stelle ordentlich Venture-Capital eingesammelt, und an anderer Mitarbeiter entlassen werden.

„Aber die Samwers sind bei CityDeal doch längst raus“, weiß der aufmerksame Gründerszene-Leser. Nun, alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei, das wusste schon Stephan Remmler. Und so kam es nach einem der potentesten Exits des Jahres zu Massenentlassungen bei Groupon CityDeal (www.groupon.de), dessen Ursache beim großen amerikanischen Bruder gesucht wurde.

Der Blick in die Kristallkugel

Doch auch andernorts wurde die Ausgangstür weit geöffnet: Swoopo (www.swoopo.de) zog nach und entließ 25 Prozent seiner Mitarbeiter. Stimmte die Performance nicht? Kränkelt das Geschäftsmodell? Joel Kaczmarek fand fünf Probleme, mit denen Swoopo zu kämpfen haben dürfte. Und konnte gleichzeitig ein neues Alter-Ego erschaffen: Den kontroversen Branchen-Analysten, der in seine Kristallkugel schaut und die Zukunft der Internetbranche vorhersagt. Alles Hokuspokus? Denken viele sicher auch, wenn sie von klimaneutralem Autofahren hören. Dass das aber längst möglich ist, erklärte Florian Skiba von Arktik ausführlich in einem Interview.

Wer sich jetzt ärgert, dass er auf diese Idee nicht selbst gekommen ist, der sollte vielleicht ein paar neue Kreativitätstechniken verinnerlichen. Dann klappt‘s in Zukunft vielleicht auch mit dem Vorhaben, Offline-Geschäftsmodelle in Form von E-Commerce-Plattformen im Netz zu etablieren. Und sollten alle Stricke reißen, bleibt immer noch der Notausgang – der so genannte Handtuchwurf. Passiert den Besten, ist aber vielleicht zu umgehen, indem man sich selbst die Frage stellt, ob man als Internet-Unternehmer überhaupt was taugt.

Die zehn Anzeichen eines Non-Gründers waren auf Seiten der Gründerszene-Macher zum Glück nicht zutreffend, und so erblickte im September die kleine Schwester HRinside das Licht der Internetwelt. In diesem Falle alles andere als eine schwere Geburt, sondern eine echte Bereicherung, pünktlich zum Ende des dritten Quartals.