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Jaspr-Marketing-Chef Louis Reinhardt, Freundin Camille Dereux und Produktchef Steve Duncan (v.l.) posieren für die Tausch-App

Das Seltsamste, was der CEO von Jaspr, Noel Wigdor, mal auf seiner Plattform gesehen hat, war das Angebot einer erotischen Massage. „Wenn man das Profilbild des Nutzers gesehen hat, hätte man vermutlich abgelehnt“, sagt Wigdor lachend. Denn darauf sah man den Nutzer, wie er in einem weißen engen Schlüpfer in seiner Wohnung hockte. Von der Jaspr-Community sei das Angebot allerdings gefeiert worden, bevor es von der Plattform genommen worden sei, erzählte der CEO dem Gründermagazin The Heureka.

Jaspr ist ein in Berlin ansässiges Startup, das seine Kunden ermutigt, Produkte und Dienstleistungen miteinander zu tauschen – anstatt sie anderweitig zu verkaufen. „Über das Konzept habe ich bereits als Teenager oft nachgedacht“, erzählt Wigdor. Er habe sich gefragt, wie es sein könne, dass es so viele Webseiten und Plattformen gebe, auf denen man Dinge kaufen könne – und so wenige Tauschbörsen: „Das Tauschen wurde zumindest digital vernachlässigt.“

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Deshalb entwickelte er als 23-Jähriger Student in seiner Bachelor-Arbeit an der Universität in Vancouver die für eine Tauschbörse nötige Technologie. Ein paar Jahre später traf er seine beiden Mitgründer, Tobias Ottenweller and Steve Duncan, als sie alle für Babbel in Berlin arbeiteten. An Jaspr blieb er weiter dran und entschied sich gemeinsam mit Ottenweller und Duncan dann nach einem ersten Testlauf mit 1.000 Menschen in Berlin, die App öffentlich anzubieten.

Die drei kündigten ihre bisherigen Jobs im Mai 2016, um sich dem Projekt in Vollzeit widmen zu können. Heute sitzen sie mit einem insgesamt fünfköpfigen Team in Kreuzberg.

Der Name Jaspr komme von einem persischen Wort für Schatzsucher und sei außerdem der Name eines kleinen Dörfchens in den kanadischen Rocky Mountains, zu dem er „eine romantische Verbindung“ habe, erzählt Wigdor. 

Das Problem: eine kritische Masse erreichen

Finanziell unterstützt werden sie mit dem Exist-Stipendium, daneben fördern ein paar Business-Angels aus Kanada das Startup. Dazu erhielt das Team rund 10.000 Euro von einer Kickstarter-Kampage

„Das Schwierige bei einer App wie der unseren ist, dass man erstmal die kritische Masse erreichen muss“, sagt Wigdor. Sein Team glaube fest daran, dass Tauschhandel Menschen in einer Atmosphäre zusammenbringe könne, die von helfen und helfen lassen geprägt sei. Außerdem spare es Geld und ermögliche ein Leben mit mehr Nachhaltigkeit, so der Gründer.

Laut Wigdor handeln die Nutzer seines Portals auch mit Dingen, die sie niemals kaufen oder verkaufen würden.“ Erst letzte Woche habe er selbst das Fahrrad einer Frau repariert und dafür eine Topfpflanze erhalten, erzählt Wigdor. Andere Tauschgeschäfte drehten sich um eine Wii-Spielestation für Hilfe bei einem Umzug – oder um Brownies für eine Küchenwaage.

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„Man muss Leute nicht groß überreden, damit sie sich so verhalten, wie man es auf einer Taschbörse gerne hätte“, sagt der Gründer. Viele Menschen tauschten dort Kleidung. Einige würden dort aber auch anderen helfen, die kein Deutsch sprechen können, und gingen beispielsweise zum Finanzamt mit ihnen.

Und die Jaspr-App lerne stets über den Kunden dazu. Sie merke sich, was er anbiete und was er dafür im Gegenzug wolle und bringe ihn dann mit geeigneten Tauschpartnern zusammen. 

Seit der vergangenen Woche gibt es die App, und schon bald soll es möglich sein, sie weltweit herunterzuladen.

Dieser Artikel erschien im Original auf Heureka

Bild: Jaspr