Jessica Alba gehört zu den Frauen, die Millionen Menschen beneiden. Sie ist schön, hat eine intakte Familie, hunderte Millionen US-Dollar auf dem Konto und ist extrem erfolgreich. Nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Unternehmerin. Seit dem Sommer vergangenen Jahres gehört sie laut Forbes zu den reichsten Self-Made-Millionärinnen der USA – noch vor Beyoncé und kurz hinter Yahoo-CEO Marissa Mayer.

Denn Jessica Alba ist schon lange nicht mehr nur ein Sexsymbol, das im Bikini oder knallengen Catsuit für Schlangen an der Kinokasse sorgt, sondern eine viel beachtete Gründerin. Das von ihr gestartete E-Commerce-Unternehmen The Honest Company konnte im vergangenen August 100 Millionen US-Dollar in der Serie-D-Finanzierung einsammeln – bei einer Bewertung von 1,7 Milliarden US-Dollar. Alba soll noch immer 20 Prozent an der Firma halten, wonach ihre Anteile 340 Millionen US-Dollar wert sind.

Inspiriert zu der Idee für The Honest Company wurde die Hollywood-Schauspielerin von ihrer ersten Tochter Honor, die 2008 zur Welt kam. Alba, die als Kind unter schwerem Asthma, Zwangs- und Essstörungen litt und ihre Kindheit als „Hölle“ bezeichnet, wollte ihrer Tochter dieses Leid ersparen. Nach der Geburt versuchte sie, Baby-Pflegeprodukte und Putzmittel mit chemischen Zusätzen zu vermeiden. Doch die Suche nach solchen Produkten war schwieriger als gedacht. Die Schauspielerin soll sogar versucht haben, ihr Putzmittel selbst zu mischen – aus Backpulver, Essig und Ölen. Ohne Erfolg.

Also entschied Jessica Alba, diese Produkte selbst auf den Markt zu bringen. Doch mit ihrer Idee kam sie zunächst nicht weit. Ingesamt drei Jahre dauerte es, bis sie ihre drei Mitgründer zusammen hatte. Zuerst lernte sie Christopher Gavigan, Leiter der Nonprofit-Organisation namens Healthy Child Healthy World, kennen. Auch Gavigan bestätigte Alba, dass es zu wenige dieser natürlichen Produkte am Markt gebe, wollte aber zunächst kein Business daraus machen. Ein Jahr lang nervte Alba ihn mit Mails und Anrufen. Schließlich bastelten sie gemeinsam an einem Businessplan, gestalteten eine aufwendige Power-Point-Präsentation für Investoren und Business-Partner.

Diese Promis investieren in Startups

Doch die Suche nach Partnern und Investoren blieb zunächst erfolglos. „Die Leute haben in mir nur das Mädchen aus dem Film gesehen, das Bikinis trägt“, sagte Jessica Alba beim Forbes Women Summit in New York. Auf einer anderen Konferenz ergänzte sie: „Es war einfach so außerhalb des Rahmens. Niemand in meiner Position aus dem Unterhaltungsbereich hatte jemals so etwas gemacht.“ Die meisten Prominenten hätten, wenn überhaupt, Produkte unter ihrem eigenen Namen vermarktet.

Börsengang mit Goldman Sachs und Morgan Stanley geplant

Schließlich fand Alba neben Gavigan doch noch zwei Mitstreiter: LegalZoom-Gründer Brian Lee, den sie über ihren Ehemann kennenlernte, und Sean Kane, der zuvor jahrelang Discounter-Produkte über Pricegrabber.com verkauft hatte. 2011 ging The Honest Company live – mit Geld von der US-Investmentfirma General Catalysts Partners. Im Sortiment: Windeln und Feuchttücher aus pflanzlichen Materialien oder Shampoos ohne chemische Zusätze. Dazu: Reinigungsmittel für Böden oder Glasflächen – ebenfalls ohne Chemikalien.

Bereits im ersten Jahr macht The Honest Company zehn Millionen US-Dollar Umsatz. 2013 nahmen die riesigen US-Händler Target, Whole Foods, Costco und Nordstrom die Produkte in das Sortiment auf. „Der größte Unterschied zwischen uns und vielen großen anderen Firmen ist, dass die anderen Firmen sehr viel Geld ausgeben, um am Ende das günstigste Produkt zu haben. Wir geben sehr viel Geld aus, um am Ende ein gesundes Produkt zu haben“, fasste Alba schon 2012 zusammen. 2014 stieg der Jahresumsatz auf 150 Millionen US-Dollar. 122 Millionen US-Dollar sammelte das Unternehmen mit Sitz in Santa Monica in den ersten drei Jahren ein. Im Sommer folgte die 100-Millionen-Dollar-Finanzierung, die zu einer Bewertung von 1,7 Milliarden US-Dollar führte.

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Jetzt will das Unternehmen an die Börse gehen. Goldman Sachs und Morgan Stanley sollen The Honest Company bei dem IPO begleiten, wie Bloomberg Ende vergangener Woche berichtete. In diesem Jahr will Honest nach China expandieren, außerdem ist der Umzug nach L.A. geplant. Doch auch The Honest Company blieb in den vergangenen Jahren nicht von Skandalen verschont: Die Firma wurde angeklagt, wirkungslose Sonnencremes zu verkaufen und bei einigen Produkten sehr wohl Chemikalien unterzumischen.

„Ich dachte sehr lange, dass ich gar nicht klug bin“

Wirklich geschadet haben diese Vorwürfe nie. Rund fünf Jahre nach dem Start gehört The Honest Company zu den US-Erfolgsgeschichten im E-Commerce-Bereich – rund 75 Prozent der Umsätze macht das Unternehmen immer noch online. Und Jessica Alba kann von sich behaupten, die Initiatorin zu sein. Natürlich bleibt die Frage, wie intensiv Alba operativ bei ihrer Firma involviert ist, schließlich hat die Schauspielerin in den vergangenen Jahren noch mehrere Filme gedreht und ist in der ganzen Welt unterwegs gewesen. Bei Instagram lässt sich ihr Leben gut verfolgen. Jessica Alba in New York, Jessica Alba in Paris – mit Taylor Swift, mit Jack Ma, mit Tory Burch. In einer Talkshow sagte sie, sie sei für Design, Produktentwicklung und das Marketing zuständig und fast täglich im Büro.

Fest steht: Jessica Alba ist das Gesicht der Honest Company. Besseres Marketing kann es für ein Unternehmen, das junge, gesundheitsbewusste und wohlhabende Eltern als Kundschaft anstrebt, nicht geben. Als zweifache Mutter ist die Schauspielerin authentisch und charmant. Und sie gibt gerne offen zu, wie holprig ihr Weg als Gründerin war. „Ich dachte sehr lange, dass ich gar nicht klug bin“, sagte Alba im vergangenen Sommer noch vor einem großen Publikum. Auf die Frage, ob sie sich mittlerweile für klug hält, sagte sie: „Naja, ich bin nicht die Klügste, aber ich gebe mir Mühe.“


Einblicke in die Anfänge von The Honest Company: 2012 wurden Jessica Alba und ihr Mitgründer Christopher Gavigan zu ihrem Business Modell befragt.

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