Die Nachricht kam ebenso überraschend wie unerwartet: Das amerikanische Sozialnetzwerk Facebook wurde sich letzte Woche mit der Holtzbrinck Networks-Gruppe über eine Eingliederung der VZ-Portale (MeinVZ, StudiVZ, SchuelerVZ) in den amerikanischen Marktführer einig. Bereits auf der diesjährigen Burda-Digitalkonferenz DLD überraschte Mark Zuckerberg, Gründer und CEO von Facebook, die Szene mit seiner Nachricht über die Vervierfachung von Facebooks Nutzerzahlen in Deutschland. Mit der Akquirierung der StudiVZ Limited soll Facebooks Wachstumsexplosion in Europa weiter vorangetrieben werden, um mit anderen Sozialnetzwerken wie Wer-kennt-wen.de mithalten zu können.

Bisher wurde eine Eingliederung der VZ-Portale von Facebook mit eben jenem Erfolg von  konkurrierenden Social Networks wie Wer-kennt-wen.de als nicht sinnvoll begründet. Zu stark hatte das am 03. Oktober 2006 in Köln gegründete Unternehmen den Markt für sich gewinnen können. Gleichzeitig stand Holtzbrinck für das für 85 Millionen Euro erstandene Studentenverzeichnis in der Kritik: Seit Monaten waren die Klickzahlen rückläufig, das Portal gelangte zu einem schlechten Image und eine Vermarktung gelang nur schleppend. Eine weite Interessen-Diskrepanz schien Facebook und Holtzbrinck von einander zu trennen. Umso überraschender kam die heute aus Kreisen beider Unternehmen verlautete Aussage, man wolle in Zukunft seine Geschicke bündeln.

„Es war für beide Seiten ein absolut logischer Schritt, weil sich der Markt in Richtung weniger großer Social Networks wandeln wird.“, sagt ein Holtzbrinck-Mitarbeiter, der namentlich nicht erwähnt werden möchte. „Facebook hat eine unglaubliche Wachstumsrate, die es aufrecht zu erhalten gedenkt und die VZ-Gruppe hatte es zuletzt mit starker Konkurrenz zu tun.“ Gemeinsam könne man den Herausforderungen des Marktes effizienter begegnen. Auch Holtzbrinck bleibt damit seiner Web-Strategie treu: Bis 2011 soll etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes der Holtzbrinck-Mediengruppe im Internet erzielt werden, wobei StudiVZ bisher von vielen als Symbol des Versagens gesehen wurde. 

Darf man den vom SPIEGEL (Ausgabe 10/09) erhobenen Zahlen glauben, kämen Facebook (2 Mio. Mitglieder in Deutschland) und die VZ-Portale (über 13,1 Mio. Mitglieder) auf rund 15 Millionen Mitglieder und könnten damit den Markt gegenüber StayFriends (7,5 Mio. ), Xing (7 Mio.),  Wer-kennt-wen.de (5,5 Mio.) und Lokalisten.de (2,85 Mio.) weiter dominieren. Klar ist, dass bei dem Joint Venture kein Geld geflossen ist. Facebooks Burn Rate ist nach wie vor hoch und schwarze Zahlen sind noch nicht erreicht. Holtzbrinck hat die StudiVZ-Limited für Shareholder-Anteile an Facebook abgegeben. Wie viele Prozente dies sind, wird hingegen tot geschwiegen. Kenner der Branche spekulieren auf 3,5 bis 5 Prozent. In den nächsten Wochen werden sich Techniker und Strategen beider Unternehmen zusammensetzen und eine Zusammenführung der Portale diskutieren. Bis dahin soll alles beim Alten bleiben. Beide Unternehmen betonten, dass User beider Portale vorerst nicht mit Unannehmlichkeiten zu rechnen haben. Die Zusammenführung wird vorsausichtlich erst im Oktober 2009 technisch realisiert. Bis dahin sollen verschiedene Überführungsszenarios durchgespielt werden.