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Eine Stelle, zwei Mitarbeiter

Im Jobsharing-Arbeitsmodell teilen sich klassischerweise zwei Menschen eine Stelle. Anders als bei reiner Teilzeitarbeit arbeiten sie dabei eng als Team zusammen. Durch das Teamwork werden Stellen teilzeittauglich, die es zuvor nicht waren – auch und gerade sehr komplexe Aufgaben bis in die Führungsetage.

Jobsharing ist dadurch zu einem attraktiven Modell für all jene hochqualifizierten Fach- und Führungskräfte geworden, die einen anspruchsvollen, erfüllenden Job suchen – diesen aber nur in Teilzeit ausüben möchten oder können.

Mittlerweile bieten bereits 20,4 Prozent der Unternehmen in Deutschland Jobsharing an, Tendenz steigend. Das hat das Institut der Deutschen Wirtschaft in seinem Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit ermittelt. Überwiegend findet man Jobsharing-Paare bisher in großen Konzernen. Allerdings lohnt es sich auch für kleinere Unternehmen, das Modell einmal genauer anzusehen.

Jobsharing kann Startup-Probleme lösen

Für viele Herausforderungen im Personalwesen, mit denen Startups zu kämpfen haben, bietet Jobsharing kreative und praktikable Lösungen.

In Startups tummeln sich junge Professionals, für die die Familienplanung in den nächsten Jahren zum Thema werden wird. Um jungen Eltern eine Perspektive im Unternehmen geben zu können, ist Jobsharing ein attraktives Modell. Viele Positionen in Startups sind einfach nicht in Teilzeit umwandelbar, sie erfordern schlicht volle Manpower und vielleicht auch mal die eine oder andere Überstunde. Mit Jobsharing können junge Mütter und Väter ihre eigentlich nicht teilzeittauglichen Aufgaben trotzdem in Teilzeit weiter ausüben – mit einem Sparringspartner an ihrer Seite.

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Ebenso relevant ist Jobsharing für viele weitere gut ausgebildete Talente der Generation Y, die aus vielfältigen Gründen keine Vollzeitstelle mehr anstreben, zum Beispiel, weil sie parallel noch andere Projekte haben oder sich nebenbei weiterbilden möchten.

Eine weitere spannende Perspektive für Startups: In kleinen Teams hat jede Neueinstellung einen besonders hohen Stellenwert, viele Kompetenzen werden dringend benötigt, um das Geschäftsmodell voranzutreiben – und doch ist das Geld für weitere Einstellungen meist knapp. Mit Jobsharing eröffnen sich Startups die Möglichkeit, zwei Köpfe, zwei Kompetenzen und zwei Erfahrungen für eine Stelle einzukaufen.

Auch für die Rekrutierung von Internationals bietet sich Jobsharing an: So können ausländische Mitarbeiter in interkulturellen Jobsharing-Tandems besonders schnell ins Team integriert werden und gegebenenfalls noch fehlende Deutschkenntnisse durch den Tandempartner aufgefangen werden.

Natürlich profitieren Startups auch von den generellen Vorteilen, die Jobsharing für Unternehmen jeder Größe mitbringt, insbesondere von der höheren Produktivität der Jobsharer in Teilzeit, wegfallenden Kosten durch Krankheitstage (bei gegenseitiger Vertretung ist immer einer da!), von gestiegener Loyalität, Motivation und besserer Gesundheit.

Voraussetzungen fürs Gelingen

Um Jobsharing im eigenen Unternehmen erfolgreich umzusetzen, gibt es vorab einige Dinge zu bedenken. Zwei Mitarbeiter benötigen, je nach Aufgabe und Infrastruktur im Unternehmen, zwei Computer und zwei Arbeitsbereiche.

Wichtiger noch als die Anpassung des Arbeitsplatzes ist jedoch die Akzeptanz im Unternehmen. Jobsharing muss zur Unternehmenskultur passen und von allen beteiligten Akteuren (Geschäftsführung, HR, Team) akzeptiert werden.

Von Seiten des Managements sollte bei der Einführung die Bereitschaft bestehen, Mitarbeitergespräche den Besonderheiten des Jobsharing anzupassen. Dafür sind nicht nur Teamgespräche, sondern auch Einzelgespräche ratsam, die natürlich einen Mehraufwand darstellen.

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Das mit einer Position verbundene Gehalt ist übrigens kein ausschlaggebendes Argument für oder gegen Jobsharing. Es muss nicht zwangsläufig so hoch sein, dass jeder Jobsharer auch von der Hälfte leben könnte. Viele Jobsharer wollen gerade deswegen in diesem Modell arbeiten, weil sie noch weitere Einnahmequellen haben. Das im Jobsharing erworbene Gehalt ist in vielen Fällen nicht das einzige Einkommen. Und wenn doch, entscheiden sich die Jobsharer bewusst für die Arbeit in Teilzeit und für das damit einhergehende geringere Einkommen.

Fazit

Tatsächlich haben Startups in vielerlei Hinsicht sogar bessere Startbedingungen für die Einführung von Jobsharing als große Konzerne. Probleme, mit denen sich die Großen herumschlagen müssen (Headcount-Vorgaben, starre HR-Prozesse, die nicht auf Jobsharing ausgelegt sind, lange Entscheidungsprozesse) haben sie schlicht nicht und können weitaus flexibler ein neues Arbeitsmodell einfach einmal ausprobieren. Die positive Überraschung bei potentiellen Bewerbern und bereits vorhandenen Mitarbeitern dürfte umso größer sein.

Bild: PantherMedia, adrenalinapura

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