Nach dem Tinder-Prinzip soll jetzt auch ein neuer Job gesucht und gefunden werden.

„It’s a match!“

Tinder ist nicht nur einfach eine Dating-App. Tinder ist ein Prinzip. Links wischen heißt Nein, rechts wischen ist ein Ja. So wischt man sich durch die Smartphone-App und findet vielleicht neue Bekanntschaften. In der Tinder-Sprache heißt es „Match“, wenn zwei Menschen sich nach Ansicht von ein paar Fotos sympathisch finden und Lust auf ein Date haben. Dieser einfache aber unterhaltsame Mechanismus hat sich rasend verbreitet. In den USA spricht man deshalb schon von „Tinderisation“. Jetzt gibt es auch ein Jobportal, das auf dem Tinder-Prinzip beruht.

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Diese neue App heißt Truffls, ist ab sofort für iOS und Android erhältlich und will nach Aussage der Macher aus Berlin „die Jobsuche neu definieren“. Die Nutzer melden sich mit ihrem Xing- oder LinkedIn-Profil an. Truffls liest die dort hinterlegten Daten aus und liefert sofort passende Jobangebote auf das Handy. Wischt der Nutzer nach links, lehnt er den vorgeschlagenen Job ab. Ein lernender Algorithmus soll in Echtzeit dafür sorgen, dass das nächste Angebot noch besser zu den Anforderungen des Jobsuchenden passt. „Selbstlernende Empfehlungsalgorithmen werden zukünftig auch im Recruiting große Zustimmung finden“, ist sich Mitgründer Tobias Krönke sicher. Wischt der Nutzer nach rechts, signalisiert er, dass ihn die Stelle interessiert.

Mitgründer Matthes Dohmeyer: „Das Unternehmen erhält dann das anonyme Kurzprofil des Suchenden und entscheidet, ob es ebenfalls Interesse hat.“ Falls ja, erhält der Jobsuchende eine Benachrichtigung. Eben so wie auf Tinder: „It’s a match!“ Durch diese erste positive Rückmeldung kann sich der Truffls-Nutzer dann gezielt bei Firmen bewerben, die sich wirklich für ihn interessieren.

Wir haben die App kurz getestet und Truffls liefert schon eine Menge Jobangebote. 30.000 sollen es derzeit sein. Die Anmeldung läuft problemlos. Nur ein paar Minuten und man kann sich durch die Anzeigen wischen. Das macht Spaß und man bekommt schnell einen Eindruck, ob man als Arbeitnehmer gefragt ist und ob es interessante Angebote gibt. Die drei Gründer setzen auch auf die Zielgruppe der passiv Suchenden. Also Leute, die in ihrem Job nicht so richtig zufrieden sind, aber noch nicht offensiv auf Jobbörsen unterwegs sind. Auch für die Personalverantwortlichen in Firmen soll die Erstellung von Jobangeboten sehr einfach sein, versprechen die Macher.

Die Idee, die Matchingtechnologie für Jobsuchende und Verantwortliche im Bereich Personal einzusetzen, hatten die drei Gründer Clemens Dittrich, Matthes Dohmeyer und Tobias Krönke im Jahr 2013. Die technische Grundlage wurde mit Hilfe eines EXIST Gründerstipendiums des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie gebaut. Danach nahm das Team am Accelerator-Programm von Axel Springer Plug and Play teil. Für das Jahr 2015 ist eine englischsprachige Version geplant, um in das europäische Ausland zu expandieren.

Mal schauen, ob es genug Menschen gibt, die sich mal eben zwischendurch im Bus per Handy einen neuen Job suchen wollen.

Foto: Screenshot / Tinder