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Der junge Gründer plant bereits die erste Crowdfundingkampagne für seine App

Egal wie alt man ist, jeder kennt es noch aus seiner eigenen Schulzeit: Man steht früh auf, schleppt sich müde zur Schule und dann fällt die Stunde aus. Das Problem kannte Marius Schönefeld bis zu seinem 15. Lebensjahr auch. Doch anders als die leiderprobten Generationen vor ihm, hat er eine Lösung dafür gefunden. Statt auf Anrufketten und unkoordiniertes Hin- und Herschreiben zwischen Schülern, Eltern und Lehrern zu setzen, hat er eine App programmiert. Und zwar mit den Programmierkenntnissen, die er sich selbst beigebracht hat.

Das Startup des nun 17-Jährigen heißt Schönefeld Class. Seine App wird bereits von 700 Schülern und Lehrern an der Europaschule in Dortmund täglich verwendet. Andere Schulen haben schon angefragt, doch Marius will erst die Entwicklungsphase abschließen, bevor auch sie die Vertretungs- und Organizer-App benutzen dürfen.

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Über die Schönefeld Class können Schulstundenvertretungen frühzeitig angekündigt und organisiert werden: Push-Nachrichten machen auf Änderungen aufmerksam, im Feed lassen sich die Neuigkeiten an der Schule einsehen. Daneben gibt es auch eine Protokoll-Funktion, damit der Vertretungslehrer weiß, auf welchem Stand sich die Klasse befindet und der Unterricht dementsprechend angepasst werden kann.

Zum bisherigen Wettbewerb gehören Timetable-Lösungen von Digitales Schwarzes Brett oder Untis. Das  Funktionsspektrum von Schönefeld Class soll aber weiter ausgebaut werden. Gerade arbeitet Marius an einer Erweiterung, um auch das Lernen an der Schule zu vereinfachen. Anders als viele Lernhilfe-Startups wie qLearning oder SchulLV kann er aus seinen direkten Erfahrungen als Schüler schöpfen.

Im Interview erklärt er, wie alles angefangen hat und wo die Reise mit seinem jungen Unternehmergeist hingehen soll. Wir sind beeindruckt: Wie ein 17-Jähriger spricht Marius in dem Gespräch nicht.

Wie bist Du zum Programmieren gekommen?

Ich habe mir mit YouTube-Videos zuerst Visual Basic beigebracht und habe mit HTML und Java experimentiert. Eigentlich hat es dann mit der Langeweile angefangen, dass ich Sachen programmiert habe, die irgendwie fürs Leben praktisch sind. Ich habe mit Spielen begonnen. Danach immer wieder mal für Bekannte Internetseiten gebaut und auch einen Online-Shop eingerichtet. Dafür gab’s dann auch mal eine kleine Aufwandsentschädigung. Dann kam die Welle mit den Smartphones und Apps, was ich ganz besonders interessant fand. Mittlerweile beherrsche ich die Programmiersprachen Visual Basic, Objective-c, Swift, Java für Android, HTML und ein bisschen PHP.

Und wie bist Du dann auf die Idee gekommen, eine eigene App zu machen?

Man quält sich früh morgens zur Schule, dann sitzt du da und wartest – aber kein Lehrer kommt. Löcher im Stundenplan gehörten zu meinem Alltag. Da war der Frust groß. Ich habe ich mir gesagt: Das muss auch anders gehen. Mit ein paar Mockups bin ich dann zum Schulleiter gegangen und hab ihm meine Idee für die Vertretungsapp vorgestellt. Beim ersten Versuch war er nicht allzu begeistert. Als ich dann ein zweites Mal zu ihm ging und die App-Entwürfe in den Schulfarben vorstellte, war er angetan. Seitdem ist er einer meiner Förderer. Ich habe gleich angefangen die Vertretungs-App zu schreiben.

Wie ging’s dann weiter?

Zuerst kam die Lokalpresse auf mich zu, danach die Wirtschaftsförderung von Dortmund. Darüber bin ich dann auf das Förderprogramm Start2grow gestoßen. Die begleitet einen in der kompletten Zeit von der Idee bis zur Gründung und darüber hinaus. Dort habe ich zum Beispiel Eva Ihnenfeldt, eine Social Media Expertin, kennengelernt, welche mich anfangs begleitet hat. Danach habe ich die Gründer von Veemotion kennengelernt, von denen ich auch heute noch eine Riesenunterstützung bekomme. Zu der Zeit war ich 15 Jahre alt. Heute schaue ich mir regelmäßig die Online-Trainings von StartupTeens an und husche von Networking-Abend zu Networking-Abend.

Ganz schön mutig für dein Alter. Konntest Du dann so ohne weiteres Dein Startup gründen?

Nein, leider nicht. Nachdem ich meinen Businessplan bei Start2grow abgegeben hatte und gutes Feedback bekam, war ich bei der Gründung erst mal auf meine Eltern angewiesen. Mein Vater musste als Geschäftsführer eingetragen werden. Nach Paragraph §112 des BGB wurde ich erst nach einem Gespräch im Vormundschaftsgericht mit einem Verantwortlichen vom Jugendamt und einem Rechtspfleger als teilweise geschäftsfähig erklärt. Allerdings konnte ich dann trotzdem nicht mein eigener Chef werden. Das Verrückte ist: Ich könnte nun zwar Einzelhandelskaufmann werden, nicht aber Geschäftsführer meines Startups. Jedoch bekomme ich alle Anteile am Unternehmen noch überschrieben

Du hast mit der App an deiner Schule begonnen – in welcher Entwicklungsphase befindet die sich nun?

Die Vorversion mit der Vertretung ist an meiner Schule schon seit einem Jahr im Einsatz. In den letzten sieben Monaten kam mir aber die Idee, dass ich eine App schaffen will, die den Informationsfluss an Schulen komplett verbessert. Ein ganz neues Lernen soll dadurch möglich werden.

Nun gibt es ja schon recht viele Schul- und Lern-Apps. Was willst du anders angehen?

Ich finde, dass viele Apps an den Bedürfnissen der Schüler vorbei programmiert werden. Ich bin selbst Schüler, ich weiß wie meine App funktionieren soll und bekomme Feedback von Mitschülern. Das fängt schon beim User-Interface an, das sehr viel einfacher sein könnte. Außerdem muss es auch mehr Eyecandy geben.

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Hast Du schon Investoren für Dein Startup finden können?

Bei Start2go habe ich viele Leute kennengelernt, die mir empfohlen haben, es über die Crowd aufzuziehen. Statt Risikokapital soll die Crowd ran. Start ist am 15. September. Wir gehen dann nach dem Dankeschön-Prinzip vor. Wir wollen vor allem Schüler, Eltern und Lehrer damit erreichen – also die, die direkt davon profitieren können. Wir suchen aber auch nach Partnern, die uns unterstützen möchten. Partnerschaften mit dem Bildungsministerium oder der Stadt wären denkbar. Mir ist wichtig, dass nicht der einzelne Schüler als Nutzer auf den Kosten sitzen bleibt.

Du sprichst von „wir“ – wer ist denn noch bei Schönefeld Class dabei?

Momentan mache ich das mit meiner ganzen Familie, auch Tante und Onkel hängen mit drin. Die geplante Crowdfundingkampagne auf Startnext mit Video, PR und Netzwerken kann ich natürlich nicht alleine stemmen. Hier erhalte ich außerdem viel Unterstützung von den drei Veemotion-Gründern Nils Freyberg, Alexander Tschmel und Kevin Mirocha. Neben allgemeinen Marketingthemen bekomme ich von denen auch noch eine Menge Unterstützung auf persönlicher Ebene. Sonst bin ich im operativen und strategischen Bereich meines Unternehmens auf mich gestellt. Hier denke ich mir in manchen Momenten, dass es schön wäre, noch jemanden in meinem Alter zu haben, der so verrückt ist, an einem solchen Projekt arbeiten zu wollen.

Was ist Dein Ziel für die Zeit nach dem Abi?

Mein Ziel ist es, den digitalen Fortschritt an der Schule ankommen zu lassen. Wir erziehen unsere Kinder zu digitalen Analphabeten – dem möchte ich entgegen wirken. Die Barrieren sollen verschwinden. Das Smartphone etwa kann nicht einfach im Unterricht verschwinden, nur weil es auch störend sein kann. Es muss die Frage gestellt werden, wie es im Unterricht sinnvoll zum Einsatz kommen kann. Aber erst mal schauen, wie es mit der App weitergeht. Ich visiere an, nach dem Abi Informatik zu studieren.

Wir wünschen dir auf jeden Fall viel Erfolg für Dein Startup und Deinen weiteren Werdegang. Danke für das Interview.

Gründerszene ist Medienpartner von STARTUP TEENS und stellt Euch in den kommenden Wochen neben Marius noch weitere Jugendliche vor, die schon ihr eigenes Startup gegründet haben. Übrigens: Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren können bis zum 22. Mai ihre Businesspläne bei Startups Teens einreichen, um 7 x 10.000 Euro zu gewinnen. Mehr Informationen dazu gibt es hier.  

Bild: Marius Schönefeld