Die beiden Einhorn-Gründer Philip Siefer (vermutlich links) und Waldemar Zeiler

„Du willst den Mädchen imponieren“, trällert Christopher Fellehner, Mitgründer von Neue Freunde, zu den Klängen einer E-Gitarre. „Rosen sind zu langweilig, Juwelen sind zu teuer – nimm einfach unseren Woodrocker und starte das Feuer!“ Fellehners hat mit seinen Mitgründern den Woodrocker erfunden, eine Luftgitarren-App. In der ersten Folge von „Kampf der Startups“, die gestern Nacht im ZDF lief, pitcht der Gründer seine Idee – und kommt bei der Jury mit seinem besonderen Vortrag gut an. Juror Titus Dittmann witzelt: „Vielleicht wird mein Traum, Rockstar zu werden, nun doch noch wahr.“

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Beim „Kampf der Startups“ winkt genau wie bei der „Höhle der Löwen“ Geld von Investoren – Deals nur fürs Fernsehen soll es jedoch nicht geben. In der Jury sitzen neben Skaterlegende und Seriengründer Titus Dittmann die iVentureCapital-Investmentmanagerin Sandra Fisher und Philipp Westermeyer, der selbst bereits vier Unternehmen (mit-)gegründet und mit zweien davon, Metrigo und Adyard, erfolgreiche Exits hingelegt hat.

Freundlich, kompetent und kritisch

Wer die Jury überzeugt, hat die Chance auf ein Coaching mit Dittmann – und pitcht dann möglicherweise im Finale um das erhoffte Investment. Wenn der Startup-Kandidat kein schlüssiges Konzept vorweist, kann die freundliche Jury jedoch auch anders. Bei der Bildungsplattform Meetucate ist vor allem Fisher sichtlich skeptisch, denn statt auf den wachsenden Trend von E-Learning zu setzen, wollen die beiden Gründer Dozenten über ihre Plattform buchen lassen. „Ich könnte hinter so einem Thema, das einen Schritt zurückgeht, nicht stehen“, kritisiert Fisher.

Auch Vanity – Bags4rent, ein Luxushandtaschen-Verleiher, Wildling Shoes, ein Kinderschuh-Startup, und Bücher anwenden, das Videotrainings für Business-Bücher anbietet, können die Juroren beim Pitch nicht überzeugen. Zuviele Ecken und Kanten, befinden Dittmann, Fisher und Westermeyer.

Beim Pitch der Familien-App Familonet lassen sich die Juroren dagegen nicht in die Karten schauen. Eine Million Euro wollen die Gründer Hauke Windmüller und Michael Asshauer einsammeln – keine Reaktion. Auch die Juice Dudes aus Berlin haben große Ziele: Bis 2016 wollen sie der größte Anbieter für kaltgepresste Säfte in Deutschland sein. Der Geschmackstest fällt zwar positiv aus, an der Präsentation des Produkts missfällt der Jury jedoch einiges.

Keybone-Gründer Renke Eilers

Renke Eilers, ein tätowierter Bastler aus Jever, hinterlässt einen positiven Eindruck: „Geiler Typ“, findet Westermeyer. Eilers will mit Keybone den Schlüsselbund überflüssig machen. Seine Lösung sieht aus wie ein Taschenmeser, Schlüssel lassen sich damit leicht ein- und ausklappen, ganz ohne Geklimper. Aber: „Du brauchst kein Geld, du brauchst einen Partner“, glaubt Westermeyer. „Jemanden, der ein Geschäft daraus macht.“

Ebenfalls in der Sendung vertreten sind zwei bekannte Köpfe aus der Berliner Szene: Die „Einhörner“ Philip Siefer und Waldemar Zeiler wollen nachhaltige Kondome verkaufen – und daraus ein Lifestyleprodukt machen. Die Gründer haben bereits eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich abgeschlossen und die Männer in der Jury sind sofort angetan. Fisher hingegen zeigt sich noch nicht so recht überzeugt. „Frau Fisher hat mir zugewinkert“, behauptet Einhorn-Gründer Zeiler einfach. Und tatsächlich lässt sie sich am Ende breitschlagen – Einhorn bekommt das Coaching und ist einer der Finalisten.

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Zweiter Teilnehmer im Finale wird Eatclever aus Hamburg: Marco Langhoff und Mohamed Chahin haben einen Lieferdienst für gesundes und leckeres Essen gestartet. Fünf Partner-Restaurants haben die Jungunternehmer, Geld verdienen sie über Provisionen. Der Geschmackstest des mitgebrachten Essens fällt bei der Jury sehr positiv aus und auch der Auftritt der Günder überzeugt.

Schampus, aber kein Geld

Beim Coaching mit Dittmann werden allerdings bei beiden Startups noch Schwachstellen sichtbar. Einhorn kann zwar mit einer schicken Verpackung punkten – aber warum soll der Vertrieb nur online laufen? Eine spontane Straßenumfrage zeigt: Die meisten Leute wollen Kondome wohl lieber offline einkaufen. Die Einhörner bekommen Hausaufgaben: Bis zum Pitch-Finale gute Ideen für den Vertrieb entwickeln. Auch bei Eatclever gibt es kritische Punkte. Dittmann bemäkelt die Aufbereitung der Zahlen und auch mit dem Kundenservice zeigt er sich unzufrieden.

Beim finalen Pitch dürfen sich beide Gründerteams noch einmal für anderthalb Minuten präsentieren. Danach ist die Jury sichtlich hin- und hergerissen: „Ich bin unschlüssig, beides ist schon echt gut“, meint Westermeyer. Eine letzte Beratung der Jury, dann wird Einhorn offiziell zum Gewinner erklärt. Und auch Eatclever steht irgendwie mit auf dem Siegertreppchen: Fisher hat mit Tamedia gesprochen – und der Schweizer Verlag will Eatclever gerne kennenlernen. Am Ende: Schampus für alle, obwohl es kein Investment gab.

In der ZDF-Mediathek könnt Ihr Euch die erste Folge von „Kampf der Startups“ in voller Länge anschauen.

Bilder: Screenshots/ „Kampf der Startups“, Folge 1, ZDF