Die Jury der ZDF-Show „Kampf der Startups“: Metrigo-Gründer Philipp Westermeyer, Skater-Legende Titus Dittmann und Investmentmanagerin Sandra Fisher.

Moped-Chopper, Online-Merkzettel und Fahrrad-Freisprecheinrichtung

Fünf Startups pitchen im Fernsehen um die Wette – im Finale winkt die heißersehnte Finanzspritze. Kein unbekanntes Format. Die Rede ist aber nicht von einer weiteren Startup-Casting-Show à la „Dragon’s Den“ oder ihren zahlreichen internationalen Ablegern wie der deutschen Vox-Show „Die Höhle der Löwen“. Stattdessen hat sich das ZDF dem Thema Startups im Rahmen einer sogenannten Coaching-Doku-Show angenommen. Im Gegensatz zur achtteiligen Löwen-Show mit angekündigter zweiter Staffel, gibt es beim ZDF jedoch nur eine einzelne, 44-minütige Sendung. Heute Vormitttag wurde „Kampf der Startups“ – produziert vom Verbrauchermagazin WISO – auf ZDFinfo ausgestrahlt, in der Mediathek lässt sich die Show noch 12 Monate lang abrufen.

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Die Gründerteams präsentieren sich in der Sendung in 40-Sekunden-Pitches vor den drei Juroren. Zentraler Kopf der Jury ist Titus Dittmann, Urgestein der deutschen Skaterszene und nach eigener Aussage Gründer von über 100 Unternehmen. „Der Kick beim Gründen ist, immer wieder etwas Neues anzufangen“, sagt er. „Die Idee, die man hat, auf den Prüfstein zu setzen – ob wirklich was daraus wird. Die ganze Energie da reinzustecken und dann hoffentlich irgendwann den Erfolg zu spüren.“

Neben Seriengründer Dittmann sitzen zwei Investoren in der Jury: Sandra Fisher, Investmentmanagerin bei iVentureCapital, und Philipp Westermeyer. Westermeyer hat bereits vier Unternehmen gegründet und mit zweien davon, Metrigo und Adyard, erfolgreiche Exits hingelegt. Inzwischen betätigt sich Westermeyer auch als Investor und hält nach eigenen Angaben bereits Beteiligungen an fünf Unternehmen.

  • Als erstes Gründerteam tritt „Chi-nesisch“ vor die Investoren, ein Startup, das es mit einer Online-Sprachschule und einer neuen Lernmethode ermöglichen will, in nur zwölf Wochen Chinesisch zu lernen. 200.000 Euro brauchen die Gründer – hauptsächlich fürs Marketing, wie sie sagen. Die Idee gefällt den Juroren, sie sind dennoch skeptisch.
  • Das zweite Gründerteam baut Leichtkrafträder, die aussehen und sich anfühlen sollen wie echte Motorräder – sich aber mit dem klassischen Auto-Führerschein fahren lassen. Insgesamt eine Million Euro benötigt Liberta Motorcycles. Die Jury kritisiert die niedrigen Verkaufszahlen und den Businessplan, dennoch ist Dittmann von den beiden Gründern angetan: „Die leben das. Das ist für mich das A und O.“
  • Hinter dem Startup Sminno stecken zwei Brüder, die gemeinsam den CESA-Cruise entwickelt haben – eine universelle Smartphone-Freisprecheinrichtung für Fahrräder. 250.000 Euro brauchen sie, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Die Jury erachtet den angestrebten Produktpreis von 60 Euro zwar als zu hoch, dennoch findet Westermeyer: „Eine der Top-Ideen des Tages.“
  • Als viertes Startup stellt sich die FahrradGarderobe der Jury: Durch einen mobilen, bewachten Fahrradparkplatz soll das Problem von Fahrrad-Diebstählen bei Veranstaltungen in den Griff bekommen werden. Für die Entwicklung und Produktion des dafür benötigten Fahrradständers braucht das Startup 50.000 bis 70.000 Euro. Der Pitch des Hamburger Gründerteams läuft etwas holprig, aber auch die Idee überzeugt die Jury nicht: Westermeyer fragt: „Wo ist eigentlich das echte Geschäft?“
  • Wesentlich selbstbewusster präsentiert sich Spottster. Dieser Merkzettel für Onlineshops informiert Nutzer über Preissenkungen eines favorisierten Produkts. So soll der Konsument kein Schnäppchen mehr verpassen. Bisher seien 1.300 Shops angeschlossen, nun benötigt das Startup, das bereits eine Angel-Finanzierungsrunde abgeschlossen hat, eine Wachstumsfinanzierung in Höhe von 500.000 Euro.

Keine Gewinner, keine Verlierer

Drei der fünf Startups können die Jury von ihrer Idee überzeugen: Liberta, Sminno und Spottster. Bevor die Gründer jedoch ins Finale einziehen, erhalten sie ein Coaching von Dittmann, der allerlei Tipps und Vorschläge zu Vertriebswegen, Markenbildung und Finanzplanung parat hat. Fünf Wochen später präsentieren sich die Gründerteams erneut vor der Jury und sollen beweisen, ob und wie sie sich weiterentwickelt haben.

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Bei Liberta hagelt es jedoch weiterhin Kritik am Businessplan, die Gehälter seien zu hoch angesetzt, die Durststrecke, in der das Unternehmen kein Geld verdienen würde, zu lang. Die Gründer setzen entgegen: Sie wollten lieber organisch und langsam wachsen. Auch bei Spottster sieht die Jury ein Hindernis: Wie will das Startup einen kritischen Markt erreichen? Das sei nicht so easy, sagt Westermeyer, sondern „auf jeden Fall ein enges Höschen“. Bei Sminno schließlich ist die Problematik völlig anders gelagert: Eigentlich braucht das Startup gar kein Investment, meint die Jury.

Das Finale ist – anders als bei der „Höhle der Löwen“ oder weiteren bekannten Show-Formaten – eher quick and dirty umgesetzt. Kein Trommelwirbel, keine beklommenen Mienen, kein in die Länge gezogenes Schweigen der Beteiligten, keine erzwungene Spannung. In 44 Minuten wäre eine solche dramatische Inszenierung wohl auch schwerlich umzusetzen gewesen. Trotzdem mutet der unaufgeregte Abschluss der Show erfrischend an: Keines der Startups erhält das gewünschte Investment.

Es geht aber auch keines völlig leer aus. Philipp Westermeyer bietet Liberta seine Hilfe bei einer Crowdfunding-Kampagne an. iVentureCapital-Frau Sandra Fisher schlägt Spottster weitere Gespräche zu einem möglichen Investment vor und Sminno erhält statt eines Investments ein Darlehen von Westermeyer, mit dem sie ihr Geschäft vorfinanzieren können.

Alles in allem ist „Kampf der Startups“ genau das, was es sein will: eine Coaching-Doku-Show.

Bild: Screenshot/ „Kampf der Start-ups“, ZDF