Wer in der Startup-Szene arbeitet, kennt das Problem. Die Suche nach passenden Entwicklern ist mühsam. Wenn man sich die Zahlen des Staufenbiel-Instituts anschaut, wird deutlich, dass immer noch zu wenig Nachwuchs in diesem Bereich ausgebildet wird und die Nachfrage weiter rasant steigt.

Rund 30.000 IT-Studenten verließen demnach im Jahr 2015 die deutschen Universitäten mit einem Abschluss. Immerhin deutlich mehr als im Jahr 2012. Damals waren es nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit noch 21.000 Absolventen. Jedoch gibt es momentan laut Stufenbiel-Studie rund 40.000 offene Stellen in der Branche. Ein Mangel, der nur schwer auszugleichen ist.

Die Nachfrage, vor allem nach Young Professionals und IT-Uniabsolventen, ist mittlerweile so groß, dass Professoren wie Michael Hendrix von der TH Wildau immer wieder von Unternehmen angesprochen werden, ob sie nicht einige ihrer Studierenden vermitteln können.

Ob die Probleme bei der Suche nach Informatikern sich nur aus der geringen Bewerberzahl ergeben oder auch die Qualität der Ausbildung der aktuellen Generation zu wünschen übrig lässt, versuchte der SIBB im Rahmen einer Diskussionsrunde zu erörtern. Zu Gast waren Vertreter der Hochschulen und deutsche Unternehmer aus der IT-Branche. Im Gespräch wurde deutlich, dass die meisten Studierenden allein durch den Hochschulabschluss nicht qualifiziert genug für den Arbeitsmarkt sind.

Zu wenig Praxis

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Vor allem in den Doppelfächern wie Wirtschaftsinformatik oder Ingenieurinformatik bietet das Studium nicht genügend Raum für tief gehende Wissensvermittlung beim Programmieren. Ein Phänomen, das den Universitäten wohl bekannt ist. „Wir können lediglich ein Grundrüstzeug an die Hand geben“, sagt Claus Lewerentz der BTU Cottbus. Dass die Universitäten ihre Studierenden nicht ausreichend ausbilden können, liege zumindest an der TU Berlin an dem engen Zeitraster der Studierenden durch die Umstellung auf Bachelor und Master und organisatorischen Problemen. Laut Rüdiger Zarnerkow von der TU Berlin müsse man vor allem das Programmieren in Übungsaufgaben vertiefen.

Allerdings fällt es schwer, die Leistung des Einzelnen zu bewerten, da man auf Grund des hohen Studentenaufkommens nur Gruppenübungen anbieten könne. „Meistens läuft das so ab, dass einer allein die Aufgabe für eine Kleingruppe von fünf Studierenden erledigt“, sagt Dr. Rüdiger Zarnerkow.

Unternehmen sind weiter

Ein weiteres Problem ist, dass viele Technologien überhaupt erst von Unternehmen entwickelt und ausgebaut werden. Bis Lehrkräfte für diese spezifischen Felder gefunden sind, braucht es viel Zeit. Dadurch hinken die Universitäten der Wirtschaft hinterher. Rüdiger Zarnerkow von der TU Berlin begrüßt es deshalb sehr, dass seine Studierenden größtenteils nebenbei in Unternehmen und Startups arbeiten und so ihre Kenntnisse ausbauen.

Die Vertreter der Unternehmen sehen das mangelnde Lehrangebot der Universitäten nicht wirklich kritisch. Natürlich seien grundlegende Kenntnisse ein Muss, um in der Szene bestehen zu können, jedoch habe sich das Bild der Informatiker in den letzten Jahren gewandelt. Es ginge nicht mehr nur darum, stur den Code nach den vorgegebenen Anforderungen herunter zu schreiben, sondern selber kreativ zu werden.

Mit Kunden sprechen, Teamarbeit und Projektmanagement sind heutzutage wichtige Komponenten. Da ist sich zumindest Unternehmer Matthes Derdack,Gründer der Derdack GmbH, mit Hinsicht auf sein IT-Team sicher. Oft malen die Entwickler erst einmal auf Whiteboards, um ihre Ideen zu strukturieren. Sie erstellen Moodboards, arbeiten agil und bootstrappen, bevor auch nur eine Zeile Code geschrieben wird.

Bilder: Staufenbiel

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