Ein Beitrag von Rike Doepgen. Sie ist Coach für intuitive Selbstführung und berät Menschen in Veränderungsprozessen.

Weniger rauchen und mehr Sport treiben? So oder ähnlich lauten Silvester-Vorsätze. „Zu banal“, meinte ein junger CEO eines Online-Startups kürzlich zu mir. „Ich brauche etwas, an dem ich mich hochziehen kann, was mich persönlich weiterbringt.“ Auf der Suche danach, was das wohl sein könnte, betrachteten wir seine Hobbies, seine Fähigkeiten und seine Karrierepläne. Wir stellten fest, wenn es etwas wäre, das seine Persönlichkeit beträfe, dann wären alle anderen Felder auch davon betroffen. Im positivem Sinne. Aber der Reihe nach.

Jedes Jahr das selbe Szenario

Anzeige
Zur Jahreswende fassen wir gute Vorsätze und unsere Liste ist mehr als lang: mehr Sport, weniger Stress, mit dem Rauchen aufhören, eine gesündere Ernährung anfangen und mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Doch warum versuchen wir eigentlich immer wieder, zu Beginn eines neuen Jahres unser Leben komplett umzukrempeln? Und warum scheitern wir regelmäßig und nicht ein Vorsatz aus dem Vorjahr ist umgesetzt?! Und dann kommt Neujahr: Die Vorstellung, dass etwas Altes zu Ende geht und dass nun ein ganz neues, noch unbelastetes Jahr beginnt, spielt bei neuen Entschlüssen eine große Rolle. Vorsätze machen natürlich Sinn, aber sie sind so kurzlebig.

Dieses Phänomen hat verschiedene Ursachen. Zum einen die schon genannte unrealistische Vorstellung, man würde unbelastet ins neue Jahr gehen. Richtig ist, dass der Mensch recht fest eingeschliffene Denkweisen und Gewohnheiten hat, die sich nicht einfach durch einen guten Vorsatz verändern lassen.

Schnelle Vorsätze und ihre Tücken

Denn spätestens jetzt, im Februar, drehen wir uns um und stellen fest: Autsch, schon ein Monat her und noch gar nix gemacht! Das kann auch gar nicht gut gehen, weil einfache Vorsätze tückischen Fallen unterworfen sind. Da wäre der „vernünftige Vorsatz“, zum Beispiel mindestens bis eine Stunde nach dem offiziellen Feierabend zu arbeiten, um möglichst viel aus einem Arbeitstag rauszuholen. Schon mal das Gefühl gefragt? Das will spielerisch lernen, braucht den Kollegenaustausch, um weiterzudenken, benötigt einen lässigen, kreativen Stil. Wer sich täglich bis aufs Hemd auspowert, der hat im nächsten Meeting auch keinen Humor mehr auf den Lippen. Merke: Sich zwingen geht nicht.

Dann sind da die Multivorsätze, die sich alle schön anhören, die aber nicht alle gleichzeitig vom Gehirn bedient werden können. Außer vielleicht von hauptberuflichen „Vorsatz-Erfüllern“. Man kann viele gute Vorsätze sammeln, wir brauchen aber nur einen einzigen. Ein Vorhaben ist gefragt – eines allein, das sich auf alle anderen auswirken kann. Ein Vorsatz, auf den man sich konzentrieren kann.

Und dann sind da noch diejenigen mit den Siebenmeilenstiefeln, die schneller sind und vor den anderen am Ziel sein wollen. Und was macht man dann da so allein, nass geschwitzt und ausgemergelt? Mal ehrlich, Riesenschritte bringen nur eins: die Verzweiflung, weil man danach wieder fünf Schritte zurückfallen könnte. Wie also, wenn nicht so?

Von reinen Vorsätzen halte ich nicht viel. Als Coach, der sich in verschiedenen Disziplinen der Persönlichkeitsentwicklung auskennt, sind sie für mich nicht nah genug am Menschen dran. Allgemeine Vorhaben wie „weniger arbeiten“ sind für eingefleischte Workaholics beispielsweise nichts als heiße Luft. Dennoch möchte ich zum Thema „Vorsätze“ etwas anderes, viel Wirkungsvolleres anbieten.

Viel Wirkungsvoller: Affirmationssätze

Und zwar sind das die sogenannten Affirmationssätze, die, wenn sie auf die Person zugeschnitten sind, supereffektiv sind. Eine begnadete Entwicklerin, die Anfang des Jahres unter einer Auftragsflaute litt, hatte ihren Vorsatz beim ersten Treffen des Jahres gleich parat: „Ich werde noch mehr Akquise betreiben als letztes Jahr.“ Nach einigen Erläuterungen, dass sich das eher wie eine Last denn wie ein Turbo anhören würde, kamen wir in positivere Gewässer: „Ich baue 2015 auf meine Erfolge auf.“ Dieser Satz allein bewirkte, dass sie sich entspannte und lachte.

Anzeige
Wenn es um Vorsätze geht, dann müssen es solche sein: Sie machen die Dinge leichter und beflügeln mich. Sie drücken aus, dass ich in meinem Leben schon etwas erreicht habe und dass ich daran anknüpfen kann. Sie sind machbar, heißt, sie liegen in meiner Macht und Kontrolle. Und sie wirken sich auf mein ganzes Umfeld und Tun aus.

Wie komme ich also dahin, dass ich einen Pusher, einen „nach-vorne-Satz“ für mich selbst finde?

Zwei Varianten, ein Ziel: Stärkung

Eine erste Variante zielt auf die Sehnsucht nach einem erstrebenswerten Zustand ab.

1. Kopfkino: Wie sieht mein idealer Tag aus? Wahrnehmen, was sich für Bilder und Sätze in der eigenen Vorstellung auftun. Und notieren.

2. Sind die Emotionen dabei? Was macht besonders Spaß?

3. Was braucht es, um dorthin zu kommen? Bilden Sie einen positiven, nach vorne gewandten Satz. Beispielsweise: In 2015 werde ich mich selbst überraschen.

Eine zweite Variante birgt den Wunsch, einen Zustand zu verbessern.

1. Man nehme: einen Konflikt der letzten Tage, frisch und unverdaut. Sie haben den Kürzeren gezogen. Warum? Woran lag es? Jetzt den Scheinwerfer auf sich selbst richten. Denn: Konflikte bergen die Chance, etwas zum Besseren zu bewegen.

2. Mal angenommen, es wäre ganz souverän in dem gleichen Konflikt gelaufen. Niemand knickt ein. Auch andere werden nicht geknickt. Was wäre Ihr „Best-of-Verhalten“ gewesen?

3. Bilden Sie einen anspornenden Satz, einen Satz, der Sie pusht. Beispielsweise: „In Konflikten werde ich mir meiner Leitungsrolle erst richtig bewusst.“

Da ist kein Richtig und kein Falsch. Das ist Ihr Satz. Und der ist so individuell, wie es Menschen gibt. Ob er auf das Pinboard oder an den Kühlschrank kommt, ist jedem selbst überlassen. Man kann den Stärkungssatz auch illustrieren, mit einer Zeichnung, einer Postkarte oder einem Foto aus dem Internet versehen. Ich fertige Collagen für wichtige „nach-vorne-Sätze“ an. Damit habe ich meinen Desktop oder meinen Handyhintergrund ausgestattet und werde dadurch mehrmals täglich daran erinnert, was ich eigentlich will.

Party Gag oder Selbst-Turbo?

Vorsätze sind gut als Party Gag. Affirmations- und Stärkungssätze (Affirmation, engl. = Bestätigung, self-affirmation = Selbstbestätigung) wirken tiefer, sind im Bewusstsein verankert, liegen nach einer gewissen Zeit des Selbsttrainings wichtigen Entscheidungen ganz automatisch zugrunde. Das macht sie so wirkungsvoll. Ich stärke meine Souveränität und wachse förmlich in mein Wunschbild hinein. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Wer glücklich im Job, als Gründer und Mensch mit Visionen werden will, kann nur sich selbst motivieren. Nachhaltig zumindest. Der eigene Frust wird in kreative Energie umgewandelt. Denn die alte Weisheit gilt: Man wird größer, indem man Hindernisse überwindet. Dabei geht es eben nicht darum, sich zu zwingen. Fördern Sie sich stattdessen selbst. Wagen Sie 2015 etwas Neues: Seien Sie sich selbst Ihr bester Kollege. Na dann, rein ins Vergnügen!

BILD: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen BESTIMMTE RECHTE VORBEHALTEN VON sfgirlbybay

Anzeige: Ihr wollt eine professionelle Bewerbung, mit der ihr aus der Masse herausstecht? Dann nutzt den Gründerszene Bewerbungsservice, den wir in Kooperation mit Dein-Lebenslauf.com anbieten!