Die drei Gründer von Kickstarter: Charles Adler, Perry Chen und Yancey Strickler (v.l.)

Update vom 28. April 2015: Bereits vor einigen Wochen wurde gemunkelt, dass Kickstarter am 28. April in Deutschland an den Start gehen wolle. Offenbar war der Termin nicht nur ein Gerücht: Heute launcht Kickstarter offiziell in Deutschland. Ab dem 12. Mai – wie ebenfalls bereits zuvor durchsickerte – können deutsche Gründer ihre Projekte auf der Crowdfunding-Plattform starten und mit der weltweiten Community teilen.

Die erste Version dieses Artikels erschien am 8. April 2015.

Vor ziemlich genau sechs Jahren wurde die US-Crowdfunding-Plattform Kickstarter gegründet. Über Kickstarter können kreative Projekte von der Crowd finanziert werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Projektgründer etwas Neues erstellen, um es am Ende mit anderen Menschen zu teilen. Das kann zum Beispiel eine Kunstausstellung, ein Pancake-Printer, ein animierter Horrorfilm oder gar eine Hillary-Clinton-Actionfigur sein. Nach eigenen Angaben wurden bisher mehr als 80.000 Projekte mit insgesamt mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar finanziert.

Im Gegensatz zum Crowdinvesting, wie es zum Beispiel Plattformen wie Seedmatch oder Companisto betreiben, erhalten die Unterstützer jedoch für ihr Geld keine Anteile, sondern einen eher symbolischen Gegenwert. Für ein Filmprojekt kann dies zum Beispiel ein Filmposter oder eine DVD mit dem fertigen Film sein. Kommt die angestrebte Funding-Summe zusammen, erhebt Kickstarter eine Gebühr von fünf Prozent. Kommt die Summe nicht zusammen, werden auch keine Gebühren erhoben.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Crowdfunding-Studie: Deutsche investieren nur wenig Geld über die Crowd

Für die Finanzierung einzelner Projekte spielt es keine Rolle, aus welchem Land der jeweilige Unterstützer kommt. Allerdings ist die Plattform derzeit für Projektgründer noch räumlich begrenzt. Wer ein Projekt bei Kickstarter einstellen will, muss aus einem der zehn Kickstarter-Länder stammen. Die Plattform agiert aktuell in den USA, Australien, Neuseeland, Kanada, Großbritannien und den Niederlanden, zudem öffnete sie sich im Herbst 2014 auch für Dänemark, Norwegen, Schweden und Irland.

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Der Grund für die bisher sehr zögerliche Europa-Expansion waren Probleme mit der Zahlungsabwicklung: Projektgründer mussten ein US-Konto vorweisen können, das Einsammeln des Geldes erfolgte über den Bezahldienstleister Amazon Payments. Zwar konnten über Umwege auch deutsche Startups Geld über die Plattform sammeln – allerdings nur mit einem US-Partner. Eine Hürde, die nun überwunden werden soll. Bereits Anfang 2015 teilte Kickstarter mit, sich von Amazon getrennt und zum US-Payment-Anbieter Stripe gewechselt zu haben.

Das soll sich nun alles ändern. Künftig werden auch deutsche Gründer die Möglichkeit erhalten, ohne diese Hindernisse Geld für ihre Projekte einzusammeln: Am 28. April soll Kickstarter nun endlich hierzulande starten, wie Gizmodo aus „unternehmensnahen Kreisen“ erfahren haben will. Die ersten deutschen Kampagnen sollen demnach ab dem 12. Mai anlaufen. Zudem wolle die US-Plattform kurze Zeit später auch in weiteren Ländern wie Italien und Spanien starten. Kickstarter selbst hält sich jedoch bedeckt, auf Anfrage von Gründerszene wollte sich Kickstarter nicht zu einem konkreten Termin für den Deutschlandstart äußern.

Starke Wettbewerber im deutschen Crowdfunding-Markt

Eines der Startups, das pünktlich zum deutschen Start von Kickstarter seine Kampagne angehen will, ist StoryHome. Das Münchner Startup entwickelt ein Gerät, das Geschichten für Kinder abspielen kann – die zuvor beispielsweise von den Großeltern eingesprochen wurden und über die Cloud auf das Gerät gelangen.

Warum das Jungunternehmen ausgerechnet auf Kickstarter Geld einsammeln will? Noch ist ja nicht absehbar, ob die Crowdfunding-Plattform hierzulande mit ähnlich großem Erfolg rechnen kann wie in den USA. Die US-Crowdfunding-Plattform Indiegogo beispielsweise ist schon seit Längerem auch für deutsche Projekte geöffnet und ist damit ein starker Wettbewerber im Markt. Mit der Dresdner Plattform Startnext gibt es zudem auch Konkurrenz aus Deutschland.

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„Wir haben alle unsere Möglichkeiten untersucht und denken, dass Kickstarter besser zu unserem Startup passt als andere Plattformen wie zum Beispiel Indiegogo“, sagt David Lees, Mitgründer von StoryHome. „Startnext zum Beispiel kennen wir noch nicht so gut. Und Kickstarter ist eine sehr starke, weltweit agierende Plattform.“ Für die Zukunft könne es sich das Startup jedoch auch vorstellen, eine Crowdinvesting-Kampagne durchzuführen, zum Beispiel auf Seedmatch.

Der Kontakt zu Kickstarter kam allerdings eher zufällig zustande: Bei einem Startup-Event des Berliner Hardware.co-Accelerators lernten die StoryHome-Gründer einen der Mitarbeiter der Crowdfunding-Plattform kennen. „Da haben wir uns schon gedacht, dass etwas an den Gerüchten dran sein muss, dass Kickstarter nun bald nach Deutschland kommt“, erzählt StoryHome-Mitgründer Thomas Pannek.

Wann genau die Plattform in Deutschland launchen will, wissen die StoryHome-Gründer nach eigenen Angaben zwar auch noch nicht – dass es aber tatsächlich passiert, dessen sind sie sich inzwischen sicher. „Wir sind mitten in den Vorbereitungen für unsere Kampagne, sodass wir jederzeit damit loslegen können“, sagt Pannek.

Bild:  Kickstarter