Beim weltweiten Zugang zu digitalen Inhalten von Apple, Amazon und Google gibt es – je nach Art des Contents – starke Schwankungen. (Quelle)

Die Dominanz von Apples iPad ist bei Tablets nach wie vor ungebrochen. Die Geräte von Amazon und Google könnten aber langfristig an den satten Marktanteilen nagen, weshalb Apple nun mit dem iPad mini gegenzusteuern versucht. (Quelle)

Kindle Fire und Nexus 7 zum Selbstkostenpreis

Android mag das mit Abstand am weitesten verbreitete Smartphone-Betriebssystem sein, bei Tablets geben Apples iPad respektive iOS aber klar den Ton an. So waren durchschnittlich 60 bis 70 Prozent der weltweit in den vergangenen zwei Jahren verkauften Tablets iPads. Augenscheinlich gibt es für Hersteller von Android-Tablets im Preissegment jenseits des iPad-Startpreises von 499 Euro nicht viel zu holen. Während des US-Weihnachtsgeschäfts 2011 allerdings stahl Amazon mit dem Kindle Fire in den USA allen anderen Android-Tablets die Show und verkaufte sich blendend. Mittlerweile verfolgt Google mit seinem Nexus 7 eine ganz ähnliche Strategie wie Amazon. Apple hat jüngst mit dem iPad mini auf die günstige Konkurrenz mit kleinerem Formfaktor reagiert.

“Wir verkaufen die Hardware zum Selbstkostenpreis”, sagte Amazon-Chef Jeff Bezos in einem kürzlich aufgezeichneten BBC-Interview. “Wir wollen erst dann Geld verdienen, wenn Menschen unsere Geräte benutzen und nicht schon dann, wenn sie diese kaufen”, gab Bezos offen zu Protokoll. Google verfolgt mit dem Nexus 7 eine sehr ähnliche Strategie und verkauft das von Asus gefertigte Gerät ebenfalls nur knapp über den Herstellungskosten. Etwas Gewinn wirft das Gerät laut einem Forbes-Artikel nur in der größeren Version mit 16 GB Speicher ab.

Apple verfolgt seit jeher eine deutlich andere Strategie und verkauft seine Geräte mit weitaus höheren Gewinnmargen als die Konkurrenz. Das wird am Beispiel des iPad mini ebenfalls ersichtlich: Laut Appleinsider.com belaufen sich die Herstellungkosten des iPad mini beim günstigsten Modell auf 195 US-Dollar und beim teuersten Modell auf 254 US-Dollar. Verkauft wird das Tablet in der günstigsten Variante für 329 Euro (respektive 1 zu 1 umgerechnet in US-Dollar) und in der teuersten (64 GB , 3G + LTE) für 659 Euro. Verglichen mit dem iPhone 5, welches durchschnittliche Gewinnmargen von etwa 70 Prozent abwerfen soll, ist das iPad mini für Apple-Verhältnisse aber ein Produkt mit einer vergleichsweise niedrigen Gewinnspanne.

Digitaler Content als virtuelle Goldgrube

Apple und in noch viel größerem Maße Amazon und Google wollen mit ihren günstigen Tablets vor allem eines: Kunden für ihre eigenen digitalen Ökosysteme gewinnen und langfristig an diese binden. Die Hardware, also die Tablets selbst, sind dabei bloß Mittel zum Zweck. Die eigentlichen Schlachtfelder, auf denen um zahlungswillige Kunden gefochten wird, sind die digitalen Marktplätze von Amazon, Apple und Google. Diese sind im Falle von Apple und Google quantitativ mittlerweile nahezu gleichauf: im Apple App Store gibt es derzeit rund 700.000 Apps (Stand: September 2012), im Google Play Store waren es im September 2012 rund 675.000. Im Amazon Appstore gibt es aktuell (Ende Oktober 2012) rund 57.000 Applikationen. Hinzu kommt, dass es in allen drei digitalen Stores neben Apps auch digitale Inhalte wie Musik, eBooks, Filme oder TV-Serien gibt.

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Das Problemkind ist in Sachen Content der Google Play Store: Während in den USA oder England ein breites Angebot aus Apps, Musik, Filmen, TV-Serien, Büchern oder Magazinen zur Verfügung steht, gehen Nutzer in den meisten Staaten der Welt leer aus oder können die Angebote nur sehr eingeschränkt nutzen. In Deutschland wurde immerhin vor einiger Zeit der Video-Dienst gestartet und auch eBooks sind mittlerweile verfügbar. Am 13. November soll außerdem Google Music nach langem Warten endlich starten. Düster sieht es diesbezüglich hingegen in Österreich oder der Schweiz aus, wo es im Play Store nach wie vor nur Apps zu sehen gibt. Dieses Problem betrifft natürlich nicht nur das Nexus 7, sondern alle Android-Geräte im Allgemeinen.

Apple hat bei der internationalen Verfügbarkeit seines digitalen Contents klar die Nase vorn, was natürlich auch damit zu tun hat, dass Apple durch iTunes schon weitaus länger im digitalen Contentverkauf tätig ist als Amazon und Google. Dafür kann Amazon mit der Verfügbarkeit von eBooks punkten, schlecht sieht es hingegen mit den Amazon-Apps aus, die nur in den wenigsten Ländern wirklich zu haben sind (siehe Grafik).

Nexus 7: 100 Prozent Android

Mit dem Nexus 7 erweiterte Google seine lange Zeit auf Smartphones beschränkte Nexus-Produktlinie auf Tablets und verfolgt dabei eine ähnliche Strategie wie Amazon mit seinen Kindle Fire-Geräten. Das Besondere am Nexus 7 ist, dass trotz des sehr günstigen Startpreises von 200 Euro Top-Hardware verbaut wurde. Dazu zählen etwa ein Tegra 3 Quad Core-Prozessor von Nvidia und ein in dieser Preisklasse überdurchschnittlich guter 7-Zoll-HD-IPS-Bildschirm mit einer Auflösung von 1.280 mal 800 Pixel. Verglichen mit den Bildschirmen des Kindle Fire HD oder des iPad mini ist dieser beim Nexus 7 aber etwas blasser.

Obwohl das Tablet “nur” aus Plastik gefertigt ist, vermittelt es einen hochwertigen Eindruck. Das liegt vor allem an der Rückseite, welche aus einem gummiartigen Material besteht und dem Nexus 7 dadurch eine Griffigkeit verleiht, welche man beim Lesen im Hochformat zu lieben lernt. Abstriche muss man hingegen bei der Ausstattung hinnehmen: Eine Rückkamera fehlt, ebenso Anschlüsse wie HDMI oder Slots für eine microSD-Karte. Die 16 GB-Version des Nexus 7 kostet 199 Euro, die größere 32 GB-Variante schlägt mit 249 Euro zu Buche. Neu hinzugekommen ist nun auch ein 32-GB-Modell mit 3G-Modul für mobile Daten, welches für 299 Euro zu haben ist.

Das Nexus 7 ist Android pur, verpackt in ein kompaktes, günstiges Tablet. Anders als das Kindle Fire HD hat man mit diesem Gerät Zugriff auf das komplette Android-Ökosystem, zudem werden dank des für Spiele optimierten Tegra-3-Chips von Nvidia auch die grafisch aufwändigsten Android-Games unterstützt. Das Nexus 7 richtet sich deshalb an jene, die gerne auf dem Tablet spielen, Wert auf ein stets aktuelles und “pures” Android-OS legen und mit Abstrichen bei der Ausstattung leben können.

Kindle Fire HD: Das Tor zu digitalen Amazon-Inhalten

Der Nachfolger des vor gut einem Jahr erschienenen Kindle Fire ist noch ein ganzes Stück ambitionierter. Das machte Amazon-CEO Jeff Bezos schon bei der Präsentation des Kindle Fire HD klar, als er vom “besten Tablet, egal in welcher Preisklasse” sprach. Diesem Anspruch wird das Gerät zwar nicht gerecht, für einen Verkaufspreis von 199 Euro (16-GB-Version mit Wifi) kann sich das Kindle Fire HD aber wirklich sehen lassen. Die 1,2-GHz-Dual-Core-CPU und der zugehörige Grafikchip sind zwar weniger gut für aufwändige Spiele geeignet wie die Hardware eines Nexus 7 oder iPad mini, zur Wiedergabe des digitalen Amazon-Contents reicht die Leistung aber allemal.

Eines der Vorzeige-Feature in Sachen Hardware ist auf jeden Fall der Bildschirm: Dieser löst wie beim Nexus 7 mit 1.280 mal 800 Pixel auf, bietet aber ein kontrastreicheres und helleres Bild mit besserem Schwarzwert. Die gebotene Bildqualität bewegt sich auf iPad-Niveau, dank einer speziellen Anti-Spiegelungs-Beschichtung ist das Display des Kindle Fire HD im Freien außerdem etwas besser lesbar als jene der Konkurrenz.

Ähnlich wie das Nexus 7 ist das Kindle Fire HD komplett aus Plastik gefertigt. Verglichen mit dem Vorgänger ist es deutlich weniger klobig und in Sachen Formfaktor ähnelt es stark dem Google-Tablet. Das Plastikgehäuse ist robust verarbeitet und beherbergt einige coole Features, wie etwa tolle Stereo-Lautsprecher, Dualband-WLAN mit zwei Antennen oder einen Micro-HDMI-Anschluss. Ein Rückkamera ist wie beim Nexus 7 ebenfalls nicht verbaut, GPS und NFC bietet das Amazon-Gerät im Gegensatz zum Google-Tablet nicht.

Der Kindle Fire HD ist ein günstiger Medienplayer für digitalen Amazon-Content. Beim Betriebssystem ist vom Android-4.0-Grundgerüst nicht mehr viel übrig, die gesamte Oberfläche ist auf den Konsum und Kauf von Apps, Musik, Videos und Büchern aus dem Amazon-Ökosystem ausgelegt. Somit fehlt auch der Zugang zum Google Play Store.

iPad mini: Edel verarbeitetet und Premium-Preis

Apple beherrscht seit über zwei Jahren unangefochten das Tablet-Segment jenseits der 500 Euro Grenze. Der iPad-Formfaktor von 9,7 Zoll galt für Apple lange Zeit als der einzig richtige Weg, zumal Steve Jobs Ende 2010 für damals aktuelle 7-Zoll-Tablets nur den wenig schmeichelhaften Begriff “Totgeburten” (“Dead on Arrival“) übrig hatte.

Der Erfolg der 7-Zöller von Amazon und Google ist aber scheinbar nicht spurlos an den Jungs und Mädels aus Cupertino vorübergegangen, wobei das iPad mini deutlich teurer als das Nexus 7 oder das Kindle Fire HD positioniert wird. In der günstigsten Variante mit 16 GB kostet das iPad mini 329 Euro, also gut 130 Euro beziehungsweise 60 Prozent mehr als die 16-GB-Varianten der beiden Konkurrenten.

Anders als die Tablets von Amazon und Google bietet das iPad mini einen Bildschirm mit 7,9 Zoll Bildschirmdiagonale und einer Auflösung von 1.024 mal 769 Pixel bei einem 4:3-Seitenverhältnis. Die Auflösung entspricht somit jener des iPad 2 und ergibt eine Pixeldichte von 163 PPI. Für das Apple-Marketingschlagwort “Retina” reicht dies nicht aus. Dennoch gehört der Bildschirm zu den besten seiner Art. Im direkten Vergleich liegt er in Sachen Helligkeit und Farbbrillanz auf dem Niveau des Kindle Fire HD oder dem des iPad 2. Das Nexus 7 muss sich hier, trotz der etwas höheren Auflösung, geschlagen geben.

Die restliche Hardware ist nahezu identisch mit jener des mittlerweile etwas angegrauten iPad 2, so kommt auch beim iPad mini ein ARM-Cortex-A9-Dual-Core-Prozessor mit 1 GHz zum Einsatz. Punkten kann das iPad mini wenig überraschend bei der Verarbeitung: Die in ein Alu-Unibody-Gehäuse eingelassene Glasfront erinnert mit seinen abgeschrägten Kanten an die edle Design-Linie des iPhone 5. Verglichen mit den beiden anderen Tablets ist das iPad mini deutlich hochwertiger, vor allem aber auch leichter und dünner.

Das iPad mini ist genau das, was sein Name verspricht: Eine kleinere Variante des erfolgreichsten Tablets der Welt. Apple hat es geschafft, alle Erfolgsfaktoren des 9,7 großen iPads in ein 7,9 kleines Gerät zu packen. Hochwertige Verarbeitung, tolle Performance und ein riesiges Content-Angebot an Musik, Videos, Büchern, Magazinen und speziell für Tablets optimierter Apps und Spiele sprechen für sich. In Sachen Preis sind die Geräte von Amazon und Google attraktiver, das Apple-Ökosystem ist aber nach wie vor unerreicht und der größte Pluspunkt eines technisch weitgehend unspektakulären Tablets.

Fazit: Wer bietet das beste Komplettpaket?

Obwohl die kompakten Tablets von Apple, Amazon und Google auf den ersten Blick sehr ähnlich wirken, gibt es markante Unterschiede in der Zielsetzung der einzelnen Geräte. Das Nexus 7 bietet pures Android – inklusive aller Vor- und Nachteilen des damit verknüpften digitalen Ökosystems – mit sehr guter Hardware, die sich perfekt für Spiele eignet. Amazons Kindle Fire HD ist hingegen mehr ein Medienplayer als ein Tablet im klassischen Sinne. Wer sich dieses Gerät zulegt, muss also gezwungenermaßen im Amazon-Ökosystem heimisch werden, was bei Musik, Videos und Büchern nicht stört, bei den rar gesäten Apps aber schon.

Apple ist in diesem Segment ausnahmsweise der Neueinsteiger, der sich – wie nicht anders zu erwarten – durch mehrere Aspekte von der Konkurrenz abzusetzen versucht – etwa durch eine bessere Verarbeitung und einen deutlich höheren Preis. Letztlich ist das iPad mini eine gelungene Verkleinerung des seit über zwei Jahren höchst erfolgreichen iPads und bietet Zugang zur kompletten Auswahl an digitalen Apple-Content, angefangen von Musik, über Videos bis hin zu unzähligen, speziell für Tablets optimierter Apps.

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