candy crush king.com

King.com will an die Börse

Der schwedisch-britische Spiele-Gigant King.com will an die New Yorker Börse und damit eine halbe Milliarde US-Dollar einnehmen. Damit geht das Unternehmen nun den Schritt, den Haupt-Mittbewerber Zynga bereits vor zwei Jahren machte. Zynga startete furios und fiel dann genauso schnell wieder. Der Aktienwert liegt heute ungefähr bei der Hälfte des Ausgabepreises – immerhin mit leichter Tendenz nach oben.

Update vom 27. März 2014: King.com hat es nun offiziell an die Börse geschafft – und floppte. Der Ausgabepreis von 22,50 US-Dollar pro Aktie lag am Ende des ersten Handestages bei nur noch 19 US-Dollar und verlor damit satte 16 Prozent, schreibt Meedia. Damit legte King.com den schlechtesten Börsenstart des Jahres hin. Anleger dürften damit vorallem auf die riskante Ein-Spiel-Politik des Candy-Crush-Machers reagieren, die schon Zyngas Börsenfiasko verursachte.

Update vom 12. März 2014: In einer aktualisierten Fassung des Börsenpapiers F-1 ist nun von einer Summe von 532,8 Millionen US-Dollar – 22,2 Millionen Aktien zu je zwischen 21 und 24 US-Dollar – die Rede, die King.com einnehmen will. Das Unternehmen ist mit 7,6 Milliarden US-Dollar bewertet, berichtet TechCrunch.

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Sowohl King als auch Zynga konnten sich schnell als Social-Games-Größen etablieren. King schaffte den Aufsprung auf den Mobile-Zug aber sehr viel schneller als sein Konkurrent und ist dort unter anderem mit dem Dauerbrenner Candy Crush Saga sehr erfolgreich. Zynga portierte zwar seinen Spielehit Farmville auf mobile Geräte, musste ihn dann aber im Januar dieses Jahres wieder einstellen, offenbar kam die Mobilvariante bei den Kunden nicht an. Geblieben ist unter anderem die With-Friends-Reihe (die übrigens als Vorbild für die Spaß-App Bang with Friends diente) oder Zynga Poker, die dennoch respektable Nutzerzahlen aufweisen.

Auf der Ursprungs-Plattform Facebook liegt King derzeit vor dem ehemaligen Primus Zynga. Laut dem Analysetool Metricsmonk belegt King.com mit über 83 Millionen monatlich aktiven Nutzern hier klar Platz eins, während Zynga nur noch auf 18 Millionen kommt. Die Berliner Spieleschmiede Wooga schafft es hier immerhin auf fast acht Millionen und Platz vier.

Eine Milliarde Candy-Crush-Spiele täglich

Laut SEC-Papier spielen auf allen Plattformen 93 Millionen Menschen die unvorstellbare Anzahl von einer Milliarde Candy-Crush-Spielen täglich. King hat zwar auch weitere Titel im Programm, diese kommen aber nicht an das Vorzeigeprodukt heran – die Folgeplätze zwei bis fünf summiert ergeben lediglich ungefähr ein Drittel des Candy-Crush-Erfolgs an täglich aktiven Spielern.

Candy Crush macht zudem auch einen Großteil des Umsatzes aus: Laut SEC-Papier erwirtschaftete das Spieleunternehmen im letzten Jahr einen Gewinn von 568 Millionen US-Dollar, wovon 78 Prozent auf das Konto des King-Hits gingen. Beachtlich dabei: Candy Crush Saga basiert auf dem Freemium-Modell und finanziert sich einzig über vier Prozent seiner Nutzer, die kostenpflichtige Premium-Features in Anspruch nehmen.

King.com – ein langfristiger Erfolg?

Diese 78 Prozent könnten für King langfristig allerdings zum Problem werden. Candy Crush ist bereits knapp zwei Jahre am Markt. Zum einen ist es durchaus als Erfolg zu werten, dass der Hype um dieses Spiel schon so lange anhält, gehört es damit in der Social-Mobile-Games-Zeitrechnung doch längst zum alten Eisen. Zum anderen heißt es aber auch, dass King.com mit einem Portfolio von insgesamt über 150 Spielen schon zwei Jahre lang nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen konnte. Seither lebt die Spieleschmiede hauptsächlich davon, ein einziges Spiel zu melken und damit Folgetitel quer zu vermarkten.

Die Schwierigkeit für Folgetitel besteht darin, dass diese einen gewissen Mindestumsatz erreichen müssen, um die Entwicklungs-/Marketingkosten, sowie die laufenden Kosten für unter anderem Server, Live-Teams und die Provisionen der Veröffentlichungs-Plattformen zu decken. Facebook (von 2011 bis September 2013 mit Credits, danach durch eine API für Landeswährungen ersetzt), Apple mit iTunes und Google mit Play verdienen jeweils zu zirca 30 Prozent mit.

King steht aber noch vor einem größeren Problem: Es konnte bisher keine Marke aufbauen. Casual-Games-Kollege Rovio dürfte ebenfalls fast ausschließlich für das mittlerweile bald fünf Jahre alte Angry Birds bekannt sein. Folgetitel wie unter anderem Bad Piggies (2012) feierten allenfalls Achtungserfolge. Angry Birds hat aber im Gegensatz zu Candy Crush Persönlichkeit. Eine bunte Welt, verschiedene Charaktere mit Wiedererkennungswert und die Möglichkeit, diese immer wieder auszuschlachten. Und genau das tut Rovio: Es gibt mittlerweile mehr Angry-Birds-Erweiterungen als eigenständige Titel. Zudem machte das finnische Unternehmen 2012 knapp die Hälfte seines Umsatzes mit Merchandising – etwa mit dem Verkauf von Plüschfiguren. Rovio geht den Weg, den auch die anderen Großen Spieleschmieden wie EA mit FIFA, Blizzard mit World of Warcraft oder Rockstar Games mit GTA gehen: Sie bauen erst eine fantastische Welt und darauf aufbauend eine Marke auf.

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Candy Crush – und damit King – wird das nicht ohne Weiteres gelingen. Denn hier wird das Spielprinzip und nicht die Welt oder deren Charaktere in den Fokus gestellt. Dieses One-Hit-Wonder-Szenario ohne Persönlichkeit spielte schon Zynga mit Farmville durch – und scheiterte. Dass die Wenig-Spiele-Politik aber auch langfristig Erfolg haben könnte, will derzeit unter anderem auch Supercell – der Entwickler des Spiele-Erfolgs „Clash of Clans“ – beweisen, die mit ihrem 1,5-Milliarden-Deal und anschließender Asien-Expansion Ende 2013 auf einem sehr guten Weg sind. Im Gegensatz zur Konkurrenz besitzt das Spiel neben seinem Casual-Games-Charakter auch Elemente, um Spieler länger zu binden, wie etwa ein Echtzeit- und Clansystem. Zudem verfügt Clash of Clans über eine eigene, wenn auch nicht einzigartige Spielewelt, die sich für Sequels anbietet. Zur Info: Supercell vertreibt mit HayDay einen weiteren Spitzentitel (Top 6 der iOS-Grossing-Apps in den USA) und ist mit dem Spiel Boom Beach gerade erfolgreich im Softlaunch gestartet.

Ein börsennotiertes King müsste dringenst einen entsprechenden Titel nachlegen, um die Börsianer auf Dauer glücklich zu stimmen. Derweil will der Spieleanbieter die Gunst der Stunde nutzen: Momentan ist die Bewertung noch so gut wie nie, ein IPO bietet sich an. Ein passender Käufer für das Gesamtunternehmen würde sich schwer finden lassen.

Gegenüber Gründerszene äußert sich Wooga-Gründer und -CEO Jens Begemann zum King-Börsengang und dessen Auswirkungen auf die Spielebranche neutral: „Der Supercell-Deal aus dem vergangenen Jahr, der Verkauf von Natural Motion [an Zynga für 527 Millionen US-Dollar, um Mobile stärker zu werden] und jetzt der King-IPO zeigen, wie groß Mobile Games mittlerweile geworden sind.“ Wooga launchte zuletzt erfolgreich das Mobile Game Jelly Splash.

King.com in Zahlen

King lieferte beim SEC-Papier die folgenden drei Infografiken mit. Die letzte zeigt im letzten Quartal des Jahres 2013 einen leichten Rückgang des Umsatzes/Gewinns zum Vormonat, trotz gestiegener Nutzerzahlen (monatlich wie täglich aktiver). Werte für 2012 veröffentlichte King derweil nicht. Dafür aber bunte Infografiken.



Bilder: King.com; Originalfassung vom 18. Februar 2014