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Rocket-Chef Oliver Samwer

Lange Zeit war das schwedische Investmentunternehmen Kinnevik der Haus- und Hoffinanzier von Rocket Internet. Zahlreiche Deals gingen die beiden Konzerne gemeinsam ein – zum Beispiel investierten sie Millionen in Home24, Westwing oder die zuletzt massiv abgewertete Global Fashion Group.

In der einst so engen Verbindung zeichnen sich allerdings seit einiger Zeit Risse ab: Im Juni 2016 gab Kinnevik seine zwei Rocket-Aufsichtsratssitze auf, bereits Ende 2015 hatte der damalige Kinnevik-CEO Lorenzo Grabau sein Amt als Vorsitzender der Rocket-Aufseher niederlegt. Grund für Grabaus Rückzug soll ein Streit über den geplanten Börsengang von HelloFresh gewesen sein, den Rocket-Chef Oliver Samwer forcieren wollte. Laut Manager Magazin soll Kinnevik den Börsengang über Anwälte im Rocket-Aufsichtsrat aufgehalten haben. Darüber hinaus sind die Unternehmen bei der Bewertung ihrer Portfoliounternehmen stets unterschiedlich vorgegangen, wobei Kinnevik den Startups niedrigere Werte zuschrieb.

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Jetzt zeigt sich, wie tief der Vertrauensverlust seitens Kinnevik tatsächlich ist. Obwohl sich die Aktie von Rocket Internet zuletzt leicht erholen konnte, kündigten die Schweden am Mittwochabend an, die Hälfte ihres Anteils an Rocket Internet abstoßen zu wollen – das sind 6,6 Prozent oder 10,9 Millionen der Rocket Aktien. In einer Mitteilung heißt es, man behalte sich vor, diese Zahl noch zu erhöhen. Auch der Angebotspreis stehe noch nicht fest.

Update, 23.2., 9.20 Uhr: Kinnevik verkauft seine Anteile für 19,25 Euro und nimmt damit im Vergleich zum Schlusskurs von gestern Abend einen Abschlag von rund zehn Prozent hin. Der Großinvestor erzielt durch die Transaktion einen Bruttoerlös von 209 Millionen Euro, macht aber keinen Gewinn damit. Kinnevik hat sich verpflichtet, seine übrigen Rocket-Aktien nicht innerhalb der nächsten 90 Tage zu verkaufen.

Dieser Artikel erschien zuerst am 22.2.2017. 

Die Mitteilung kam zum Börsenschluss, bei welchem das Rocket-Papier bei 21,35 Euro notierte. Im Späthandel brach die Aktie – Stand kurz nach 18 Uhr – über zehn Prozent ein. Von Rocket selbst gab es am Mittwoch zunächst keine Stellungnahme zu den Plänen des ehemals wichtigsten Finanziers. Am Donnerstagmorgen heißt es dann in einem Rocket-Statement: „Die Platzierung von 6,6 Prozent der Anteile an Rocket Internet führt zu einer signifikanten Erhöhung des Streubesitz von 22,8% auf 29,4% der Aktien von Rocket Internet.“

Bild: Gründerszene