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Ausnahmsweise ohne teuflisches Grinsen: die Gründer Niels Reinhard (links) und Dominik Mauritz.

„Noch bin ich nicht exkommuniziert“, sagt Niels Reinhard und lacht. Zusammen mit Dominik Mauritz gehört er zum Gründer-Team von Dein-Kirchenaustritt.de. Seine Webseite hilft seit gut einem Monat Kirchenmitgliedern, die keine mehr sein wollen, aus der Glaubensgemeinschaft auszutreten.

Dabei hat Reinhard eigentlich gar nichts gegen Religion. Sein Onkel ist Theologieprofessor, seine Mutter stark in der Gemeinde aktiv. Er selbst ist römisch-katholisch – zumindest bisher. Austreten will er, doch geschafft hat er es zeitlich selbst noch nicht. „Dabei haben Kirchen absolut ihre Existenzberechtigung“, sagt Reinhard. „Sie erfüllen viele soziale Aufträge. Wir wollen niemanden zum Austritt bewegen.“ Aber er habe in seinem Bekanntenkreis viele, die die Kirchen aus Überzeugung verlassen wollen, so Reinhard. „Doch keiner weiß, wie ein Austritt abläuft.“

Wie das genau geht, will sein Kirchen-Austritts-Startup erklären – und diese „verlorenen Fälle“ zum Spenden ihrer Kirchensteuer überreden, so der Gründer. Denn jedes Jahr treten in Deutschland rund 400.000 Menschen aus den Kirchen aus, die Kirchensteuer sinkt um bis zu 100 Millionen Euro jährlich. Geld, das zuvor in viele soziale Einrichtungen wie die Caritas floss, nun aber verloren geht.

Der Behördengang bleibt nicht erspart

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Wer sich auf der Webseite des Startups einträgt, bekommt Info-Material zugeschickt. So soll der Austrittsprozess deutlich leichter werden. User müssen sich jedoch bereit erklären, einen selbst gewählten Anteil der eingesparten Kirchensteuer regelmäßig an eine Hilfsorganisation ihrer Wahl zu spenden. Eine Provision wird es nicht geben. Geld verdienen wollen die Gründer mit Gebühren von Hilfsorganisationen, die sich künftig exklusiv auf der Webseite anzeigen lassen können. Derzeit verhandeln die Gründer aber noch mit potentiellen Geschäftspartnern.

Um User zu überreden, Anteile ihrer entfallenen Kirchensteuer guten Zwecken zukommen zu lassen, wollen die Gründer die Austrittsgebühr erstatten. Denn jeder Austritt schlägt mit einer Service-Gebühr zu Buche. In Berlin stellt die Kirche Ex-Mitgliedern beispielsweise 35 Euro in Rechnung. Das Geld für die Rückerstattung wollen die Gründer vorerst aus eigener Tasche zahlen.

Trotz aller Online-Hilfe: Um die Glaubensgemeinschaften zu verlassen, müssen User auch weiterhin zu einer Behörde. Daran führt bisher kein Weg vorbei, sagt Niels Reinhard. „Die Kirchen versuchen den Austrittsprozess so schwer wie möglich zu machen“, so der Unternehmer. Dafür gibt es gute Gründe: In Norwegen ist der Austritt seit einem Monat auch rein digital möglich. Nach Berichten des Independent haben dort am ersten Tag 20.000 Mitglieder der Kirche den Rücken gekehrt.

Bild: Dein-Kirchenaustritt.de