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Die Gründerinnen Verena Hubertz (links) und Mengting Gao

„Wir sehen uns als hochwertiges Kochbuch 2.0“

Verena Hubertz und Mengting Gao betreiben unter Kitchen Stories (www.kitchenstories.de) eine Kochbuch-App für iOS-Geräte, die Rezepte in eigens erstellten Videos sowie in Bilderstrecken erläutert. Im Interview mit Gründerszene verrät Co-Geschäftsführerin Gao, was Kitchen Stories ausmacht und warum sie denkt, dass sich die aufwändigen Rezeptvideos auf Dauer rechnen werden.

Bei all den Online-Koch-Communities, Essensblogs und Rezepte-Apps da draußen: Warum braucht man Kitchen Stories? Und wie seid ihr auf die Idee gestoßen?

Wir haben während unseres Studiums gerne zusammen gekocht, wurden allerdings bei der Rezeptsuche immer wieder vom Angebot und der Nutzerfreundlichkeit enttäuscht. Es gibt zwar viele Food-Blogs mit super schönen Bildern, allerdings richten die sich größtenteils an erprobte Köche. Ansonsten wird die Koch-Welt von kaum Mehrwert stiftenden Werbeapplikationen und nutzergenerierten Formaten bestimmt.

Wir wollten daher das Feeling der Food-Blogs übernehmen und in ein zeitgemäßes Format überführen. So kamen wir auf die Idee mit Kitchen Stories die erste video-basierte, nutzeroptimierte Koch-App in hochwertigem Design ins Leben zu rufen. Die emotionalen Rezeptvideos dienen der Kochinspiration und werden durch viele hochauflösende Schritt-für-Schritt-Bilder und Küchentricks komplettiert. So kann jeder Nutzer einfach und schnell ein leckeres Gericht zubereiten. Wir starten zunächst auf dem iPad, werden allerdings Ende März eine iPhone-Version launchen.

Was hast du vor Kitchen Stories gemacht und wer ist noch an Bord?

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Kitchen Stories habe ich im Anschluss an mein WHU-Studium gegründet. Davor habe ich klassischerweise Stationen in der Unternehmenberatung, im Investmentbanking und auch im Konzern durchlaufen, aber relativ früh festgestellt, dass ich die Startup-Welt einfach viel spannender finde. Ich habe dann bei verschiedensten Startups in ihrer Frühphase gearbeitet und für mich festgestellt, dass ich auf jeden Fall selbst gründen möchte. Kitchen Stories habe ich gemeinsam mit meiner Freundin und Kommilitonin Verena ins Leben gerufen. Des Weiteren besteht unser Team aus einem iOS-Entwickler sowie einem Designer. Wir arbeiten zudem eng mit Profiköchen und einem Design-Studio zusammen.

Zum Business: Wie funktioniert das Geschäftsmodell?

Unsere Vision ist es, uns vom Kochbuch 2.0 zur Content-based-Shopping-Plattform mit aktiver Community rund um das Thema Food zu entwickeln. Derzeit monetarisieren wir über In-App-Käufe einzelner Rezepte sowie Rezeptpakete. Hinzu kommt, dass wir starke B2B-Kooperationen im Rahmen von Produktplatzierungen zu einem signifikanten weiteren Umsatz-Kanal wandeln konnten. Bei unserer Release-Version sind namhafte Partner wie zum Beispiel KitchenAid, Le Creuset und Rosenthal platziert.

Über Surface Tagging innerhalb unserer Videos, welches derzeit integriert wird, schaffen wir die Brücke hin zum Content-based Shopping. Nutzer können die gezeigten Produkte direkt anklicken, weitere Informationen erhalten sowie in Shops geleitet werden. Die frei zugänglichen Videoinhalte aus der App werden wir außerdem an Content-Plattformen lizenzieren und so neben Reichweite weitere Umsätze generieren.

Für jedes Rezept benötigt ihr einen Koch und ein professionelles Filmteam, am Ende muss das Material geschnitten und aufbereitet werden. Wie rechnet sich das Ganze trotz des hohen Zeit- und Kostenaufwands?

Als Startup können wir sehr flexibel agieren und hochwertige Videoinhalte zu einem Bruchteil des Marktpreises produzieren. Bei den Dreharbeiten sind wir mit dem „No frills-Ansatz“ vorgegangen und konnten so wesentlich günstiger als beispielsweise Verlage in teuren Studios filmen. Wir werden in regelmäßigen Abständen neue Rezepte shooten und die App entsprechend erweitern. Unser Anspruch ist allerdings nicht eine allumfassende Rezeptesammlung zu werden, sondern wir sehen uns eher als hochwertiges Kochbuch 2.0. Wir möchten die Nutzer mit einer gezielten Auswahl zum Nachkochen inspirieren.

Rechnen tut sich das Ganze, da wir die App sehr leicht internationalisieren können. In unseren Videos wird nicht gesprochen, so dass wir mit geringem Übersetzungsaufwand neue Märkte erschließen können. Auf Englisch sind wir bereits verfügbar und schauen uns derzeit das Nutzerverhalten hinsichtlich weiterer Lokalisierungsmöglichkeiten an. Zusätzlich haben wir gegenüber dem klassischen Printprodukt den Vorteil, dass bei uns weder Druck- noch Logistikkosten anfallen und wir die App so leichter skalieren können.

Wie finanziert sich Kitchen Stories?

Wir haben von Anfang an an die Idee geglaubt und zunächst mit unserem eigenen Geld losgelegt. Wir haben später noch ein kleines Angel-Funding mit reingenommen, allerdings bis zum Launch gebootstrapped. Zusätzlich konnten wir über Produktplatzierungen bereits vor Launch Umsatz generieren und uns auf diese Weise refinanzieren.

Gibt es etwas, das Kitchen Stories noch fehlt? Ein Mitarbeiter, ein Investor oder ein Büro?

Wir sind gerade auf der Suche nach weiteren iOS-Entwicklern sowie guten Mitarbeitern für die Bereiche PR und Marketing. Außerdem sehen wir uns gerade nach einem größeren Office mit viel Platz für unsere Showküche um.

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Gibt es ein großes Vorbild für dich?

Ich habe immer Wooga für seine Unternehmenskultur bewundert. In deren Office spürt man die Kreativität, den Teamgeist und die Leidenschaft fürs Produkt. Insbesondere für die Größe des Unternehmens ist es meiner Meinung nach eine großartige Leistung, diesen Spirit aufrecht zu erhalten.

Stell dir vor, du könntest ein Lunch gewinnen. Wen würdest du aus der deutschen Startup-Branche gerne mit an den Tisch holen?

Den Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, weil er es geschafft hat, mit mobilen Apps eine starke Fitnessmarke und Sportcommunity aufzubauen. Auch wenn das Startup aus Österreich stammt, ist das Unternehmen spätestens seit dem Axel-Springer-Deal nicht mehr aus der deutschen Startup-Branche wegzudenken.

Vor welchen Herausforderungen hast du den größten Respekt?

Am meisten Respekt habe ich vor der zunehmenden Steigerung des operationalen Koordinationsaufwands, welcher mit der Integration weiterer externer Partner sowie der Skalierung des Unternehmens einhergehen. Wir sind jedoch zuversichtlich, mit einem starken Team die bevorstehenden Aufgaben zu meistern und unseren Nutzern so einmalige Kocherlebnisse zurück in ihre heimischen Küchen zu bringen.

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Sophie-Cécile Gaulcke gründete 2013 Rebelle, eine Plattform für Second-Hand-Mode. Rebelle konnte bereits mehrere Millionen von verschiedenen Investoren einsammeln. Vorher war Gaulcke CEO bei dem Startup Gigalocal.

Bild: Kitchen Stories