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Ellen Pao im Interview nach dem Urteil auf ABC News

Auf Anfechtung des Urteils verzichten – oder eine Million US-Dollar zahlen: Vor diese Forderung stellt der einflussreiche Risikokapitalgeber Kleiner Perkins seine frühere Investmentmanagerin Ellen Pao. Sie hatte Kleiner zuvor wegen Geschlechterdiskriminierung verklagt und den historischen Prozess im Silicon Valley Ende März verloren. Pao verlangte darin 16 Millionen US-Dollar von Kleiner Perkins – als Entschädigung für entgangene Gelder, da Männer statt ihr bevorzugt befördert worden seien.

Das Angebot wurde vergangene Woche beim zuständigen Gericht in San Francisco eingereicht. Kleiner Perkins begründet es damit, dass der Prozess die Firma 972.815 US-Dollar gekostet habe. Da der legendäre VC als Gewinner aus dem Verfahren hervorgegangen ist, fordert er nun von Pao die Erstattung dieser Kosten. Oder aber bietet an, auf das Geld zu verzichten, sollte Pao eine Wiederaufnahme des Prozesses unterlassen.

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Von Kleiner Perkins heißt es in einem Statement: „Wir glauben, dass Frauen im Tech-Bereich am meisten davon haben, wenn alle Parteien sich darauf konzentrieren, Fortschritte bei dem Thema Geschlechtervielfalt zu erreichen, außerhalb von Rechtsstreitigkeiten.“

Dieser Schritt des VCs, der sein Milliardenvermögen mit frühen Investitionen bei Google und Amazon erwirtschaftete, kam in der US-amerikanischen Öffentlichkeit nicht gut an. Zwar verlor Ellen Pao den Prozess, dennoch waren während der Verhandlungen zahlreiche Punkte ans Licht gekommen, welche ein frauenfeindliches Klima im Silicon Valley bekräftigen – unter anderem entsprechende Aussagen von männlichen Führungskräften („Frauen können nicht erfolgreich sein, weil Frauen ruhig sind“) und Reisen von Kleiner-Managern gemeinsam mit Kunden in die Playboy Mansion. Nach dem Urteil hatte die USA Today kommentiert: „Die Jury hat einen Fehler gemacht.“

Eine Rechtsexpertin für Geschlechterdiskriminierungs-Fragen sagte nun gegenüber der New York Times, dass Kleiner durchaus hätte würdevoller aussehen können, wenn das Unternehmen anders reagiert und beispielsweise gesagt hätte: „Es wurden Lektionen gelernt und wir werden Organisationen finanziell unterstützen, die sich mit dem Problem der Gläsernen Decken beschäftigen.“

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Bislang äußerten sich weder Pao noch ihre Anwälte zu dem vorgeschlagenen Deal. Laut amerikanischen Medienberichten hatte Pao nicht geplant, in Berufung zu gehen. Nach dem Urteilsspruch bedankte sich die 45-Jährige, die mittlerweile Interimschefin bei Reddit ist, bei ihren Unterstützern und sagte: „Es war den Kampf wert.

Andere, nun öffentlich gewordene Gerichtsunterlagen legten vergangene Woche offen, dass Kleiner Perkins Ellen Pao im November 2014 einen Deal angeboten hatte: das Verfahren gegen eine Zahlung von 964.502 US-Dollar einzustellen. Der Betrag basierte aus den geschätzten Kosten des Prozesses. Pao hatte das Angebot nicht angenommen.

Bild: Screenshot Youtube/ABC News