Wo beginnt eine Kolumne zu dem Thema „Gründer aus Leidenschaft“? Ganz klar: Bei dem Urvater aller leidenschaftlichen Gründer. Aber wer soll das bitte sein?

Heutzutage bietet sich ja eine Reihe von Möglichkeiten an, zu einer Antwort zu kommen. Erstens: Nachdenken. Fällt aber im Zuge des frei nach Frank Schirrmacher ausgerufenen „Payback“ Zeitalters bereits nach fünf Sekunden deutlich schwer. Das Unterbewusstsein ahnt wohl schon, dass es da draußen irgendwo einen schnelleren, bequemeren Weg gibt.

Zweitens, der Klassiker: Wikipedia. Wobei man gar nicht weiß, ob es verstörender ist, nicht mehr nur nicht an „Bibliothek“ oder gleich auch schon nicht mehr an „Google“ gedacht zu haben. Das Eintippen des Suchbegriffs macht dann auch schnell klar, warum. Gleiches Ergebnis immerhin auch auf Wikipedia: Leidenschaft und Gründer scheinen in den Algorithmen noch nicht recht angekommen zu sein. Von Urvater in diesem Zusammenhang auch keine Spur.

Also Drittens: Direkter Zugang in die Köpfe der Menschen. In Zeiten wie diesen von jedem besseren Smartphone zu haben (insofern versöhnt trotz wiederholter Akkuprobleme startet meine Abfrage doch wieder beim iPhone). Schließlich kommt man in die Köpfe der Menschen immer noch über die digitalisierten sozialen Bindungen: Kurze SMS Umfrage an die letzten gewählten Kontakte, die sich alle im unternehmerischen Kontext bewegen. So kommt man zwar aus seiner „Peer-Group“ nicht ganz raus, erhält aber erstaunliche Ergebnisse. Erstaunlich, weil ebenso erwartbar wie ungewöhnlich.

Der Urvater aller leidenschaftlichen Gründer – und das mag dem ein oder anderen oben schon durch den Kopf geschossen sein – ist demnach so jemand wie Gates oder Jobs – getrennt oder in Kombination. Ebenso nicht fehlen durfte – und das nicht nur, weil er mal mit Bands und Musik angefangen hat – Sir Richard Branson, jeweils zweimal genannt – also doppelt, da müssen wir einen abziehen.

Die Fugger, die Medici und – jetzt doch wieder ganz erstaunlich: Der liebe Gott. Am anderen Ende letzterer Betrachtung stand dann „Mama“, in die Einzelwertung kamen weiterhin Goodyear (bestimmt nicht wegen eines seiner aus Gummi herstellbaren Produkte, sondern – so die offizielle Begründung – weil er oft und dauerhaft pleite war und bis zum Tod mittellos blieb, wie wiederum Wikipedia (sic!) wusste).

Daneben Margarete Steif mit der sehr schönen Begründung, sie habe ihr Schicksal angenommen und hinter dem Produkt gestanden. Auch noch als Einmalnennung: Jeff Bezos, auch wenn einige seit der Ankündigung des iPad ihren Kindle schon wieder wegschmeißen wollen.

Noch ein wenig Industriezeitalter-Nostalgie steuerten Würth und Ford bei. Zwei ungültige Stimmen wollten das ganze als Karnevalsscherz verstanden wissen, weil Leidenschaft eben eher beim Lebenspartner läge oder kamen einfach auch bei noch so hartem Nachdenken (waren es diesmal mehr als fünf Sekunden?) auf keine Idee. Eine ebenso intelligente wie nutzlose Antwort auf die Frage nach dem Urvater aller leidenschaftlichen Gründer lautete: Der erste Unternehmer. Und noch bevor die (ausnahmsweise zugelassene) folgenlogische Rückfrage nach dem ersten Unternehmer eine Endlosschleife hinterlassen hätte, wurde noch einmal der Name des Autors genannt, was ich hier nur aus Koketterie erwähne. Und das war es.

Fraglos nicht repräsentativ das ganze, mag man sich zudem fragen, was die Übung nun gebracht hat? Nun, zumindest ein Anfang ist gemacht, von dem aus sich die genannten Vorschläge an zeitlich späterer, jedoch digital örtlich gleicher Stelle noch einmal genauer untersuchen lassen. Doch das mag Thema einer nächsten Kolumne sein. Denn: Vielleicht steht der richtige Vorschlag ja auch erst in einem der nachfolgenden Kommentare.

Über den Autor:

Torsten Oelke ist Autor des erfolgreichen Buches „Stars des Internets“ (zu dem es übrigens auch eine Facebook-Gruppe gibt), welches eindrucksvoll den Werdegang der erfolgreichsten Internetunternehmer Deutschlands schildert und anhand vieler Beispiele zeigt, welch enormer Einsatz notwendig ist, um seine Ziele zum Erfolg zu bringen. In seiner neuen regelmäßigen Kolumne „Gründer aus Leidenschaft“ greift er ein Thema aus „Stars des Internets“ auf, das ihm viel Freude bereitet: junge Unternehmer und ihre Passion für Entrepreneurship.

Torsten hat einen Doktor in Rechtsökonomie, nachdem er zuvor bereits erfolgreich Rechtswissenschaften in Berlin und Paris studiert hat. Er war Unternehmensberater bei McKinsey und ist zurzeit Teil der DTO Unternehmensgruppe, wo seine Fachbereiche beim Internet, Venture-Capital, Private-Equity, der Energiewirtschaft sowie bei Immobilienportalen liegen.