„Kill early, start fresh“ – Gründer müssen manchmal einfach wieder von vorne anfangen und dabei mit der gleichen Leidenschaft ans Werk gehen, wie schon in der ersten Runde. Dass das geht, zeigt ein jüngeres Beispiel aus der internationalen StartUp-Szene, das gerade in aller Munde ist. Foursquare ist nicht nur eine der heißesten Wetten, die man im Valley derzeit abschließen kann, das New Yorker StartUp kann auch einen Mitgründer vorweisen, der seine Idee vom „Mobilen Social Network, das jedes Leben in einer Stadt in ein großes Spiel verwandelt“, noch einmal ganz vor vorne hat beginnen lassen.

Denn eigentlich war für Dennis Crowley die Sache wohl schon auf dem besten Wege als er 2005 sein damaliges Unternehmen Dodgeball an Google verkaufte. Dodgeball, eine „Mobile Social Networking Website und Applikation“ (sic!), die noch 2006 SXSW „it app des Jahres“ wurde, ein Jahr bevor Twitter diese Ehre ereilte, hatte laut damaligen Zeitzeugen damit alle Voraussetzungen aus seiner frühen Popularität Kapital zu schlagen und mit Google im Rücken richtig durchzustarten. Im Sommer 2007 brachte Apple dann auch noch das iPhone heraus und schuf damit einen der großen Wegbereiter der Neuen Mobilen Welt. Das iPhone kam und Dennis Crowley und sein Partner Alex Rainert gaben die Idee Dodgeball auf und verließen Google. Soviel zum Thema „Kill early“.

Aber auch Google stand dieser Maxime in nichts nach und schaltete den Dienst zwei Jahre später ab. Über die Gründe kann reichlich spekuliert werden, gibt es doch im Netz immer noch einige Kommentare über die technologische Überlegenheit und den hohen Anwendernutzen von Dodgeball. Crowley ging angeblich, weil er frustriert darüber war, dass er den Dienst nicht wie erhofft bei Google weiter entwickeln und promoten konnte.

„Start fresh“ – denn Crowley kehrte zurück. Diesmal mit einer neuen und wie die anfänglichen Blogkommentare wissen wollten, deutlich weiterentwickelten Version von Dodgeball, genannt Foursquare. Das User-Interface war wohl deutlich besser als noch zu Dodgeball Zeiten. Vor allem aber fügte der Gründer der Idee einen Spielaspekt hinzu. Die Foursquare-Nutzer können für ihre Aktivitäten eine Reihe von „Pfadfinderabzeichen“ – Badges – sammeln und so vom „Newbie“ zum „Local“ oder „Super Mayor“ aufsteigen. Nicht unwichtig sicherlich auch die iPhone-App von Foursquare, eine Anwendung die der Dodgeball-Variante in 2006 naturgemäß verwehrt war.

Wer den enthusiastischen Gründer Dennis Crowley beispielsweise auf dem DLD 2010 live erleben konnte, wird schnell die Leidenschaft bemerken, mit der er in seiner neuen Foursquare-Mission unterwegs ist. Geschaffenes Leid war damit vielleicht auch eher die letzte Zeit bei Google, wo er für Dodgeball nicht mehr das tun konnte, was er für Foursquare nun scheinbar wieder kann.

Das statt geschaffenem Leid ein früher Abbruch einer Idee zu viel Leidenschaft für den nächsten Anlauf führen kann, zeigte auf dem letzten Startupweekend Berlin auch das Gründerteam um Anna Alex und Julia Bösch. 120 Teilnehmer waren an einem Wochenende im März aufgefordert von Freitag bis Sonntag aus einer von 24 Ideen ein Businessplan mit Prototypen zu entwickeln und zu präsentieren. Während Konzepte mit unterschiedlicher Attraktivität dabei herauskamen, präsentierte das Team von Alex und Bösch der Jury eine wichtige Erkenntnis: Ihre Idee hatte auch nach eingängiger Prüfung keine Erfolgsaussichten. Für das Fazit ihrer Präsentation vergab die Jury spontan einen Sonderpreis. Es lautete: „Kill early, start fresh.“

Über den Autor:

Torsten Oelke ist Autor des erfolgreichen Buches „Stars des Internets“ (zu dem es übrigens auch eine Facebook-Gruppe gibt), welches eindrucksvoll den Werdegang der erfolgreichsten Internetunternehmer Deutschlands schildert und anhand vieler Beispiele zeigt, welch enormer Einsatz notwendig ist, um seine Ziele zum Erfolg zu bringen. In seiner neuen regelmäßigen Kolumne „Gründer aus Leidenschaft“ greift er ein Thema aus „Stars des Internets“ auf, das ihm viel Freude bereitet: junge Unternehmer und ihre Passion für Entrepreneurship.

Torsten hat einen Doktor in Rechtsökonomie, nachdem er zuvor bereits erfolgreich Rechtswissenschaften in Berlin und Paris studiert hat. Er war Unternehmensberater bei McKinsey und ist zurzeit Teil der DTO Unternehmensgruppe, wo seine Fachbereiche beim Internet, Venture-Capital, Private-Equity, der Energiewirtschaft sowie bei Immobilienportalen liegen.