Man sollte das alles in Zukunft im Kontext sehen, sagen Erich Seifert, Bernhard Scholz und Julia Köberlein (von links)

Es gibt nicht viele Medien-Startups in Deutschland. Das liegt zum einen an der deutschen Sprache, die eine globale Skalierung journalistischer Inhalte verhindert, zum anderen an fehlenden Business-Modellen für den Online-Journalismus. Denn Nachrichten gibt es gefühlt an jeder Internet-Ecke. Gratis. Wie soll damit also Geld verdient werden?

Vor dieser Herausforderung stehen seit einiger Zeit auch die großen Verlagshäuser. Einen interessanten Ansatz verfolgt das Startup „Der Kontext“ in München. Statt sich in den gnadenlosen Wettbewerb um die schnellste Nachricht zu begeben, wollen die Gründer für Überblick im Newsgewitter sorgen.

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In den USA konsumieren mehr als die Hälfte der jungen Leute ihre Nachrichten auf Facebook. Auch hier in Deutschland ist das inzwischen üblich. Im endlosen Strom von Nachrichten, Mitteilungen und Kommentaren ist es inzwischen auch für Profis schwierig, den Überblick zu behalten. Auf den Websites der großen Medienmarken ist es für Nutzer immer noch eine Herausforderung, sich einen umfassenden Überblick zu einem Thema zu verschaffen. Aufmacher wechseln über den Tag, große Analysen oder fundierte Kommentare verschwinden schnell aus dem Blickfeld. Und genau hier setzt „Der Kontext“ an.

Die Macher des Startups wollen sich pro Monat nur einem großen Thema widmen. Dafür aber in allen Facetten, mit allen Hintergründen und Vernetzungen. Im Kontext eben. Statt Tempo soll es um die Tiefe und Vernetzung der Darstellung gehen. Alle Ressorts sollen sich nur um ein einziges Thema kümmern und der Nutzer bekommt laut Ankündigung auf der eigenen Website ein „interaktives Navigationssystem für komplexe Themen“ an die Hand, mit dem er „spielerisch und intuitiv“ komplexe Zusammenhänge erkunden soll.

Wie genau das geht, erklären die Gründer in diesem Video:

Der Kontext – Das interaktive Hintergrundmagazin from Der Kontext on Vimeo.

Auf der Kontext-Website heißt es weiter:

„Wir haben uns mit den großen Themen beschäftigt und gesehen, dass diese nicht linear aufgebaut sind. Sie sind gewachsen und haben im Lauf der Zeit eine hohe Komplexität angenommen. Deshalb ist es schwierig, sie zu verstehen. Ihr Aufbau ähnelt einem weit verzweigten Netzdiagramm, einer Mindmap, und an jeder Stelle geht es inhaltlich in die Tiefe.“

Das klingt anspruchsvoll. Aber durchaus nach einer guten Idee. Der Bedarf scheint da zu sein. Ein Kommentator schreibt auf der Website: „In den Medien bemerke ich häufig, dass Themen nach kurzer Zeit wieder von der Agenda und damit aus dem Blickfeld verschwinden. In den meisten Fällen wird zwar aktuell über den Sachverhalt berichtet, was sich daraus zu einem späteren Zeitpunkt ergibt, fällt jedoch nicht selten unter den Tisch.“

Finanzieren will sich „Der Kontext“ zunächst per Crowdfunding, die Fundingschwelle von 10.000 Euro bei Startnext hat das Startup gerade überschritten. Die Macher jubeln: „Wir freuen uns riesig, dass es geklappt hat. Ihr seid so toll! Jetzt bleibt sogar noch Zeit, um noch größere Ziele anzusteuern.“ Finanzielle Unterstützung für das Projekt der Gründer Julia Köberlein, Bernhard Scholz und Erich Seifert kommt vom Media Lab Bayern und dem Mediennetzwerk Bayern.

Foto: Screenshot / Der Kontext