Nur 41 Prozent der Großunternehmen haben eine übergreifende Strategie

Deutschlands Großunternehmen erwarten fundamentale Veränderungen ihrer Branchen durch die Digitalisierung – und verfolgen dennoch keine umfassenden Strategien in dem Feld. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 101 hochrangigen Managern durch die Unternehmensberatung Accenture, deren Ergebnisse der Welt am Sonntag vorliegen.

Demnach erwarten zwölf Prozent der Befragten „disruptive“ Auswirkungen der Digitalisierung auf ihre Branche, 66 Prozent „sehr deutliche“. Eine übergreifende digitale Strategie gibt es der Umfrage zufolge aber nur in 41 Prozent der Unternehmen, 48 Prozent beschränken ihr Engagement auf einzelne digitale Projekte.

„Die Funktion des Wachstumstreibers müssen jetzt verstärkt neue, innovative Produkte und Dienstleistungen übernehmen“, sagte Frank Riemensperger, Chef von Accenture Deutschland, der Welt am Sonntag. „Mit den neuen digitalen Technologien ist für die Unternehmen gerade jetzt die Chance vorhanden, in ganz neue Felder vorzustoßen.“

Jobs für niedrig Qualifizierte werden abgebaut

Allerdings konzentrieren sich die Digitalinitiativen der Umfrage zufolge noch auf Projekte, die interne Abläufe in der Verwaltung oder im Kundenservice verbessern und Kosten senken sollen. Nur 16 Prozent der Befragten gaben an, dass die Umsetzung neuer digitaler Geschäftsmodelle im Vordergrund stehe.

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Auch im Umgang mit Kundendaten sind die Unternehmen zurückhaltend. Nur neun Prozent analysieren das Nutzungsverhalten ihrer Dienste in großem Umfang, 55 Prozent gar nicht.

Deutliche Veränderungen erwarten die Digitalisierungs-Verantwortlichen beim Personal ihrer Unternehmen. So gehen 42 Prozent davon aus, dass hoch qualifizierte Arbeitsplätze im Zuge der Digitalisierung geschaffen werden. 34 Prozent erwarten, dass zugleich Jobs für niedrig Qualifizierte abgebaut werden.

Dass die Anforderungen an die mobile oder Online-Erreichbarkeit der Mitarbeiter gestiegen seien, beobachten 81 Prozent der Befragten. 66 Prozent stimmen der Aussage zu, dass die Wahrung einer ausgewogenen Work-Life-Balance dadurch erschwert werde. Von Widerständen der Mitarbeiter gegen diese Veränderungen der Arbeitswelt berichten 48 Prozent der Umfrageteilnehmer.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Welt.

Bild: © panthermedia.net / jakobradlgruber