„Kein Zweifel“, sagt Eva Missling, die Entwicklung ihres Markplatzes 12designer (www.12designer.com) im ersten Jahr nach Gründung hat ihr Spaß gemacht: „Die Zahlen zeigen, dass unser Geschäftsmodell vom Markt angenommen wird.“ Bei 12designer werden Kreative mit Auftraggebern zusammengeführt und treten mit ihren Entwürfen gegeneinander an. Für über 1.000 Projekte reichten die Nutzer 100.000 Vorschläge ein. Gut 7.000 Kreative aus fünf Sprachräumen nutzen die Plattform mittlerweile. Nach dem Spaß soll nun das Geld kommen – und zwar per Freemium.

Weil die Zwölf als Zahl bisher gut funktioniert hat, wird sie verdoppelt: Das kleine Premiummodell kostet 24 Euro, das große 48 Euro. Kostenlose Projekte sind noch immer möglich, die Auftraggeber müssen sich künftig aber mit zwölf Kreativen begnügen. Zum Vergleich: Wenn es etwa darum geht, ein Logo zu entwerfen, ist die Teilnahme von 50 Designern nicht ungewöhnlich.

Die Einführung des Freemiummodells ist der erste Schritt zur Monetarisierung. Zwar fließt das Geld zu 100 Prozent in das Unternehmen, doch ein Teil wird als Sicherheit für Zahlungsausfälle zurückgelegt, sodass die Designer zumindest indirekt von den neuen Gebühren profitieren. Doch bis zum Breakeven dauert es wohl noch etwas. „Wir brauchen wohl noch eine Zeit Anschub“, sagt Missling.

Bisher wurde 12designer von dem spanischen Investor Grupo Intercom finanziell angeschoben und ist neben der Gründerin der einzige Gesellschafter und hält stolze 85 Prozent der Anteile am Unternehmen. „Ich bin leider alleine“, sagt Missling. Freilich ist sie nicht gänzlich alleine. Denn auch wenn der Name des Firmenblogs „Die Zwölf“ etwas anderes vermuten lässt, haben zumindest vier weitere Mitarbeiter die Sprachräume Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch und Italienisch unter sich aufgeteilt. Eine Expansion in andere Sprachgebiete will Missling jedoch nicht ohne Vorbehalt: „Unser Geschäftsmodell muss zur Kultur passen“.

Besonders für Startups geeignet

Nimmt man Missling beim Wort, entstammen gerade Großkunden einem exotischen Kulturkreis. Die psychologische Hürde, 12designer als Agentur-Alternative auszuprobieren, sei relativ hoch. Einmal überzeugt, würden aber selbst die Großen zu Wiederholungstätern, meint Missling. Eine Umfrage unter den Nutzern ergab, dass die Hälfte aller Projekte in Folgeaufträge außerhalb der Plattform mündeten. Oft fehle es diesen Unternehmen einfach an Zeit, sich nach neuen Designern umzusehen. „Man denkt immer, die Welt sei voller Designer. In Berlin stimmt das vielleicht auch. Aber die Auftraggeber haben oft Schwierigkeiten, neue Köpfe zu finden.“

Dennoch funktioniere das Modell bei Großkunden nicht ganz so gut. „Die haben oft daumendicke Styleguides. Das schränkt den Spielraum der Designer natürlich sehr ein“, meint Missling. So sei 12designer gerade für junge Unternehmen geeignet: „Startups machen graphisch einfach mehr Spaß!“