Paminos Kyrkinis glaubt daran, dass die Griechen auch in der Krise Essen im Netz bestellen.

Seine Kunden stellten Fragen am Telefon – „als sei Krieg in Griechenland“, sagt Konstantinos Konstantinidis. Ob man noch Lebensmittel in den Supermärkten kaufen könne und wie die Situation auf den Straßen sei. Der 28-jährige Gründer versucht seine Kunden aus Deutschland, Irland und der Schweiz zu beruhigen. Trotz der Proteste gegen die EU-Verhandlungen sei es für Touristen ungefährlich in seinem Heimatland.

Erst im vergangenen Jahr hat Konstantinidis das Startup WayOut in Athen gegründet. Gemeinsam mit seinen Mitgründern organisiert er Sportreisen über das Internet. „Dieser Sommer ist verloren, aber ich hoffe, dass sich die politischen Verhältnisse zumindest für die Zukunft verbessern“, sagt der Gründer.

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Gerade jungen Unternehmen macht die aktuelle Krise in Griechenland zu schaffen. Internationale Partner und Touristen sind verunsichert. Der Twitter-Aufruf deutsche Produkte zu boykottieren – unter dem Hashtag #BoycottGermany –, wird das Zweifeln der deutschen Touristen noch verstärken.

Durch den eingeschränkten Zahlungsverkehr haben die jungen Unternehmen Probleme, ihren Partnern Geld zu überweisen. Oder auf Google zu werben. Das ändert sich auch nicht durch die mögliche Verlängerung der Hilfspakete. Denn: Wie es mit den griechischen Banken weitergeht, ist offen. Bis Donnerstag bleiben die Geldinstitute mindestens geschlossen.

Konstantinidis erzählt, dass einige seiner Kollegen ihren Mitarbeiter in den Urlaub schicken – bis sich die Lage beruhigt. „Vor allem die politische Unsicherheit ist das große Problem”, sagt Konstantinidis.

Gründen gegen die Krise

Trotz der Wirtschaftskrise, die nun schon seit mehreren Jahren das Land belastet, hat sich eine lebendige Startup-Szene in Athen gebildet. Es sind gut ausgebildete, junge Griechen, die nicht wie ihre Freunde ins Ausland gegangen sind. Stattdessen wollen sie ihr Glück abseits von Regierungskonstellationen selbst in die Hand nehmen.

Die aktuelle Syriza-Regierung sehen sie kritisch. „Die Stimmung in Griechenland ist nach den Wahlen schlechter geworden“, sagt etwa Internetunternehmer Apostolos Apostolakis der Zeitung Welt. Auch WayOut-Gründer Konstantinidis glaubt nicht an Tsipras und Co.: „Die vergangenen fünf Monate haben das Land um fünf Jahre zurückgeworfen.“ Mit dem Referendum begannen dann die Probleme: Am Montag nachdem die Regierung die Volksbefragung angekündigt hatte, cancelten viele griechische Reiseteilnehmer ihre Reisen mit dem Startup. „Sie wollen in dieser unsicheren Situation ihr Geld zusammenhalten“, sagt der Gründer. Ein paar Touren musste das Startup schon absagen.

Mit der politischen Unsicherheit hört es nicht auf: Der eingeschränkte Zahlungsverkehr lähmt die Startup-Szene. „Es gibt Zahlungsverspätungen, weil Restaurants einen beschränkten Zugang zu ihren Bankkonten haben“, berichtet Paminos Kyrkinis, der Gründer von E-Food. Das Startup ist ein Essenlieferdienst-Vermittler, den der deutsche Anbieter Delivery Hero kürzlich gekauft hat. Probleme für die Kunden gebe es ebenfalls: Sie können ihr Essen nicht mehr mit Paypal bezahlen.

Im Notfall geht’s ins Ausland

Insbesondere die internationalen Services sind ein Problem für die jungen Unternehmen. Vor wenigen Tagen berichtete Georgios Gatos, Gründer von der Bootsverleih-Plattform Incrediblue, auf Tech.eu von Schwierigkeiten: „Wir hatten Probleme unsere Anbieter wie Amazon und Google zu bezahlen.“ Denn ein Transfer ins Ausland war nicht erlaubt. Mit einer Solidaritätsaktion versuchten griechische Gründer aus dem Ausland den Startups in ihrer Heimat zu helfen. Internationale Investoren wie Marc Andreessen pushte die Initiative.

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Nun haben sich vor wenigen Tagen einige US-amerikanischen Unternehmen entschieden, den griechischen Unternehmen und Kunden unbürokratisch zu helfen. Google Adwords hat beispielsweise Unterstützung angekündigt, Details sind noch nicht bekannt. AdEspresso bietet seine Dienste kostenlos an. Und der Apple-Service iCloud ist ebenfalls vorerst kostenlos – bis die Krise gelöst ist.

Am Ende muss sich für die Startups jedoch die politische Situation verändern. Für Gründer Konstantinidis ist Wegziehen eine Option, über die er schon in den vergangenen Tagen nachgedacht hat. „Ich könnte mir vorstellen, das Startup nach Großbritannien zu verlagern.“ Neues Glück – mit anderer Währung. Noch ist es nicht soweit. Erst einmal wünscht er sich, dass es den Menschen besser geht – auch für seine Kunden aus dem Ausland. „Die Schlangen vor den Bankautomaten sind einfach hässlich.“

Bild: E-Food