Das sind die Gründer: Philip Hemme (links) und Joachim Eeckhout

Medien-Startups sind noch immer eine rare Spezies, vor allem in Deutschland. Noch seltener sind hierzulande eigentlich nur noch: VC-finanzierte Medien-Startups.

Deswegen ist diese Seed-Finanzierung schon etwas Besonderes – auch wenn es nur um einen niedrigen sechsstelligen Betrag geht. Der Berliner Risikokapitalgeber WestTech Ventures und fünf weitere Business Angels finanzieren damit den Aufbau des Online-Portals Labiotech, das über die europäische Biotech-Industrie berichtet.

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Hinter dem Portal stehen die Gründer Joachim Eeckhout und Philip Hemme, die Labiotech vor drei Jahren als Projekt während ihres Studiums am Pariser Institut Sup’Biotech starteten. Nach der Entscheidung, daraus ein Business zu machen, zogen Eeckhout und Hemme nach Berlin. Sie arbeiteten – standesgemäß – im Café St. Oberholz und launchten ihre Seite bei einem Event im Betahaus.

Seit Oktober ist Labiotech Teil des ersten Batches des Medien-Accelerators von WestTech, Project Flying Elephant. Inzwischen hat das Startup auch ein eigenes Büro und beschäftigt ein Team von sieben Leuten. Zwei davon, erzählt Gründer Philip Hemme, seien für Content verantwortlich; dazu kämen sieben weitere Blogger, die unentgeltlich auf der Plattform publizieren, außerdem weitere externe Autoren.

Fünf kurze Fragen an Gründer Philip Hemme.

Online-Content ist kein besonders beliebter VC-Case. Wie habt Ihr die Investoren überzeugt?

Das ist richtig. Ein paar Beispiele gibt es trotzdem, Business Insider etwa, BuzzFeed, Tech.eu oder Gründerszene. Aber du hast Recht, die meisten VCs investieren nicht in Online-Content. Es war für uns schwierig, VCs und Business Angels zu finden, die interessiert waren, aber bei WestTech Ventures hat es geklappt. Was sie überzeugt hat, war wahrscheinlich der Biotech-Markt, der immer größer wird (hat sich in den letzen fünf Jahren verdoppelt) und wir als Team.

Was ist Euer Geschäftsmodell? Wie wollt Ihr einmal Geld verdienen?

Unser Geschäftsmodell ist, unseren Traffic am besten zu monetarisieren. Wir lassen uns dabei uns von anderen Firmen inspirieren, die das gut machen: TechCrunch zum Beispiel oder Gründerszene. Aktuell verdienen wir Geld mit Online-Werbung (Display und Sponsored Content). Wir haben vor zwei Wochen unser erstes Premium-Event angekündigt und wir werden uns in den kommenden Monaten den Jobanzeigenmarkt anschauen.

Welches Medien-Startup hat Eurer Ansicht nach gezeigt, dass Digitaljournalismus funktionieren und sich rechnen kann?

Unser Vorbild ist TechCrunch. Sie haben es geschafft, über Startups für mehr als 30 Millionen Leute pro Monat zu berichten, und sie haben ein solides Geschäftsmodell drum herum gebaut. Wir wollen das TechCrunch für Biotech werden.

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Warum seid Ihr nach Berlin gekommen?

Die Gründe sind offensichtlich: Preise, Talent, Kreativität, Ökosystem. Aber auch, weil wir in Frankreich schon gut etabliert waren, Deutschland aber Europas größter Biotechnologie-Markt ist, und wir uns zwingen wollten, näher an diesem Markt zu sein. Und das funktioniert sehr gut.

Wer sind Eure Wettbewerber? Wie setzt Ihr Euch ab?

Wir haben ungefähr zehn Wettbewerber in Europa, die in drei Kategorien aufgeteilt werden können: PR-Plattformen mit nicht-analysierten Informationen; dann Online-Portale, die aber noch ein Print-Geschäftsmodell haben; und drittens Zeitschriften in den jeweiligen europäischen Ländern. Was uns am meisten absetzt ist, dass wir 100 Prozent digital sind und dass wir über Europas Biotech-Industrie ausführlich schreiben – mit 20 Artikeln pro Woche.

Bild: Labiotech