Das LARAcompanion-Team: Francis Varga, Julia Lazaro und Juliane Zielonka

Kinder zeugen macht nicht nur Spaß. Oft setzen sich Paare so unter Druck, dass der Stress zur Unfruchtbarkeit führt. Und genau da setzt das Berliner Startup LARAcompanion an und entwickelt eine App für gestresste Menschen, die Eltern werden wollen.

Mit der Smartphone-App, die sich noch in der Beta befindet, können Nutzer digitale Trainingsprogramme absolvieren, die beim Stressabbau helfen sollen. Psychische Blockaden sollen durch Entspannungskurse und andere Programme gelöst werden, die ortsunabhängig ausgeführt werden können.

So ähnlich wie Freeletics, bezeichnet LARAcompanion-Gründerin Juliane Zielonka das Konzept. „Du bekommst Trainingseinheiten und zeichnest Deinen Fortschritt auf“, so Zielonka. „Über die Zeit generierst Du damit Datenmuster, die Du und Dein Arzt gemeinsam für die Ursachenforschung nutzen können.“

Auch an einer Hardware arbeitet das siebenköpfige Team um Zielonka: 2019 soll ein zertifiziertes Messgerät gelauncht werden, dass das Auslesen und Interpretieren von körpereigenen Stress- und Fruchtbarkeitshormone zu Hause ermöglichen soll.

Apps, die sich mit Frauen und ihrer Fruchtbarkeit befassen, gibt es schon viele. Mit der Berliner App Clue können Frauen beispielsweise ihren Zyklus tracken. Und auch Glow aus den USA hat ein ähnliches Konzept. Auch mit LARAcompanion ist es möglich, den Zyklus tracken – aber das ist nur ein Nebeneffekt. Der Fokus liege ganz klar auf Stressreduzierung, so Zielonka. Zurzeit testen 300 Frauen das Konzept, der Markteintritt soll Anfang 2016 erfolgen.

Bei Investoren kommt das Konzept offenbar an: Bereits einige Monate vor der Gründung im Mai dieses Jahres konnten Zielonka und Mitgründerin Julia Lazaro 100.000 Euro von Business-Angels einsammeln, erzählt Zielonka. Doch mehr Wagniskapital wollen die beiden erst einmal nicht: „Speziell Risikokapital einzusammeln kann in unserem frühen Stadium dazu führen, dass wir zu viele Anteile abgeben. Wir sind offen für faire Investoren-Deals im Tausch gegen Unternehmensanteile,“ sagt sie.

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Bis dahin sollen Crowdinvestoren für externes Funding sorgen: Seit drei Wochen können sich Nutzer auf der Investment-Plattform für Medizin-Startups, Aescuvest, an dem Unternehmen beteiligen. Noch drei weitere Woche läuft die Kampagne, 30.000 Euro wurden bisher eingesammelt. „Wir haben dazu entschieden, beim Crowdinvesting mitzumachen, weil es eine gute Möglichkeit ist, viel Sichtbarkeit zu bekommen. Wir sind auch extra so transparent, damit wir viel Feedback einsammeln können. Es ist ein sehr persönliches Thema und Nutzer sollen sich mit uns wohlfühlen.“

Zurzeit ist LARAcompanion in Verhandlungen für eine Kooperation mit einer deutschen Krankenkasse, die 1,2 Millionen Mitglieder hat, sagt Zielonka. Damit könnten Nutzer eventuell eine Rückerstattung der Selbstzahlerleistung erreichen. Für das junge Team ein großer Schritt: „Die Krankenkasse öffnet die Tür in den regulierten Gesundheitsmarkt.“ Nach dem Launch wird ein Kurs 35 Euro kosten, der App-Download ist kostenlos.

Was Zielonka ganz wichtig ist: Das Konzept von LARAcompanion sei wissenschaftlich fundiert. Fachleute wie ein Kinderwunsch-Coach, eine Frauenärztin und Reproduktionsmedizinerin als Medical Advisor haben die Idee mitentwickelt.

Vor der Gründung ihres Startups hat Zielonka bereits 2012 ein Info-Portal über Fruchtbarkeit gefährdende Erkrankungen bei Frauen gestartet. Die Idee kam Zielonka aufgrund persönlicher Erfahrungen: 2010 erlitt sie selber eine Gebärmutter-Erkrankung, die erfolgreich behandelt wurde. Nach der Diagnose suchte sie im Internet nach Infos zur Krankheit, Google spuckte aber nichts Brauchbares aus. „Also dachte ich: Warum mach’ ich das nicht selber zusammen mit Ärzten? Und besser.“

Bild: LARAcompanion