Die Laremia-Gründerinnen: Anna Mangold (links) und Claudia von Boeselager

Die Laremia-Gründerinnen: Anna Mangold (links) und Claudia von Boeselager

Laremia: 400-Euro-Kleider für 60 Euro leihen

Im Jahr 2013 gründeten Anna Mangold (33) und Claudia von Boeselager (32) Laremia, einen Verleih für Designerkleider. Für rund 10 bis 20 Prozent des Verkaufspreises bekommen Frauen ihr Wunschkleid für vier bis acht Tage zugeschickt – Versicherung und Reinigung inklusive. In der Seed-Runde konnte Laremia, das das New Yorker Unternehmen Rent the Runway zum Vorbild hat, einen niedrigen siebenstelligen Betrag von dem High-Tech Gründerfonds und zwei Business Angels einsammeln.

Die beiden Gründerinnen lernten sich im Studium an der Wirtschaftshochschule ESCP kennen; nach dem Abschluss arbeitete Anna Mangold mehrere Jahre als Beraterin bei Roland Berger, Claudia von Boeselager ging als Bankerin erst zu Goldman Sachs, später zur HSBC. Nach sieben Jahren im Job gründeten sie gemeinsam Laremia. Im Interview erzählt Mitgründerin Anna Mangold, wie das Berliner Startup an die vielen teuren Designerkleider kommt und wieso es sich für Frauen rechnet, neben Autos und Wohnungen auch Kleider zu teilen.

Anna, wie kamt Ihr auf die Idee für Laremia?

Die Idee ist in einem Sommer entstanden, in dem Claudia und ich auf mehreren Hochzeiten eingeladen waren. Wir wollten nicht immer das selbe Kleid anziehen und kamen so auf die Idee für ein Startup, das Kleider verleiht. Bei unseren Recherchen sind wir sofort auf das amerikanische Modell Rent the Runway gestoßen und da wussten wir, dass es funktionieren könnte. Rent the Runway wurde von zwei Mädels aus Harvard gegründet, die beide auch nicht aus dem Fashion-Bereich kommen – das hat uns motiviert, weil wir beide in dem Bereich ja auch keine Erfahrung hatten.

Anzeige

Wie ging es dann weiter?

Wir haben uns natürlich gefragt, ob das Modell überhaupt in Deutschland funktionieren würde und haben deswegen erst einmal viel Marktforschung betrieben. Im Sommer 2013 haben wir uns einen Grundstock an Kleidern zugelegt und die erst einmal aus unserem Wohnzimmer heraus verliehen, bevor wir dann im Dezember offiziell gestartet sind.

Woher bekommt Ihr die Kleider? Kauft Ihr die oder leiht Ihr die beim Designer?

Wir kaufen unsere Ware in verschiedenen Größen direkt beim Designer. Außerdem bekommen wir Kleider auch von den Designern zur Verfügung gestellt und können dann austesten, wie sie bei den Kunden ankommen – das ist natürlich auch unser langfristiges Ziel: Wir wollen ein breites und tiefes Sortiment aufbauen, ohne zu viel Kapital zu binden und arbeiten dafür an weiteren innovativen Einkaufsmodellen.

Wie reagieren die Designer auf das Modell?

Die Designer nutzen uns gerne als Kanal in den deutschen Markt, weil sie so herausfinden können, welche Farben oder Schnitte die Frauen in Deutschland mögen und eine breitere Zielgruppe ansprechen können. Auch die Designer merken immer mehr, dass sie sich dem Verleih-Markt nicht mehr verschließen können, weil sie sehen, dass der Trend langfristig in die Richtung geht.

Die Menschen teilen sich mittlerweile Autos, Wohnungen oder auch den Arbeitsplatz. Aber Kleider…?

Wir glauben sehr stark, dass sich das Käuferverhalten auch in diesem Bereich ändert, wenn auch nicht von heute auf morgen. Wir sind quasi das Car2Go für schicke Kleider. Deswegen ist es für uns auch so wichtig, von Beginn an dabei zu sein und den Markt mitzugestalten. Oft müssen es unseren Kundinnen erst noch erklären, dass sie ein Kleid für einen besonderen Anlass auch leihen können und nicht mehr kaufen müssen. Wir beobachten nämlich, dass Frauen, die einmal ein Kleid geliehen haben, immer wieder leihen wollen.

Anzeige

Wer zählt zu Eurer Zielgruppe?

Unsere Kernzielgruppe ist 25 bis 45 Jahre alt. Aber eigentlich wollen wir unsere Kunden nicht über das Alter definieren, denn jeder, der für einen besonderen Anlass ein Kleid benötigt, ist Teil unserer Zielgruppe.

Trotzdem sind die meisten Eurer Kunden sicher Gutverdiener – schließlich braucht nicht jede Frau ständig neue Outfits für wichtige Anlässe.

Es ist eigentlich für jeden Anlass sinnvoll, ein Kleid zu leihen anstatt eins zu kaufen, egal ob Gutverdienerin oder Abiturientin. Zum Beispiel für den Abiball, eine Hochzeit oder eine Silvesterparty. Natürlich kostet es etwas, das Kleid bei uns zu leihen, aber unsere Kundinnen sparen: Wir verleihen Kleider, die im Handel 300 bis 400 Euro oder sogar mehr kosten. Die Leihgebühr beträgt etwa 10 bis 20 Prozent vom Verkaufspreis, damit liegen die Leihgebühr meistens zwischen 50 und 80 Euro.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Warum bei Rocket so wenig Frauen in den Führungspositionen arbeiten

Um auch Frauen zu erreichen, die nicht viel online bestellen, habt Ihr einen Showroom in Eurem Büro in Berlin Prenzlauer Berg. Wollt Ihr auch in anderen deutschen Städten Showrooms eröffnen?

Ein weiterer dauerhafter Showroom ist nicht geplant, aber wir wollen in anderen deutschen Städten Pop-Up-Showrooms eröffnen, um das echte Produkt den Frauen in Deutschland näher zu bringen. So können sie die Kleider anprobieren und sich Inspiration holen.

Was sind sonst Eure Ziele fürs kommende Jahr?

Aktuell bauen wir das Sortiment stetig aus und kümmern uns um die Optimierung unserer Logistik-Prozesse. Aktuell müssen wir vor allem unsere Logistik-Prozesse weiter optimieren, weil es extrem wichtig ist, dass wirklich immer das richtige Kleid in der richtigen Größe bei der Kundin ankommt.

Plant Ihr, ins Ausland zu expandieren?

Ja, wir haben uns den europäischen Markt auch schon ganz genau angeguckt, weil wir auch von ausländischen Kundinnen angesprochen werden und es dort eine große Nachfrage gibt. In welche Länder wir als nächstes gehen wollen, können wir aber noch nicht sagen.

Vielen Dank für das Gespräch, Anna.

 

Anna Mangold und Claudia von Boeselager sind auch Teil unserer Bildergalerie mit Gründerinnen in Deutschland (Teil 2):

Zur Galerie

Sophie-Cécile Gaulcke gründete 2013 Rebelle, eine Plattform für Second-Hand-Mode. Rebelle konnte bereits mehrere Millionen von verschiedenen Investoren einsammeln. Vorher war Gaulcke CEO bei dem Startup Gigalocal.

Artikelbild: Laremia